Historisches Tor an der Reduit mit Hakenkreuz beschmiert

Die Reduit in Mainz-Kastel muss immer wieder von Schmierereien befreit werden. Jetzt ist ein verfassungsfeindliches Symbol am historischen Haupteingang aufgetaucht.

Historisches Tor an der Reduit mit Hakenkreuz beschmiert

Als Karl-Heinz Kues am Montagabend seinen Anrufbeantworter abhörte, traute er seinen Ohren kaum. Jemand hatte am Nachmittag angerufen, um dem Vorsitzenden der Gesellschaft für Heimatgeschichte in Kastel mitzuteilen, dass ein Unbekannter ein Hakenkreuz auf die Tür vor dem Kasteler Museum geschmiert hatte. „Dass die Torbögen oder andere Teile des Museums beschmiert werden, ist ja leider gang und gäbe, aber ein Hakenkreuz hatten wir noch nie“, sagt er.

Historischer Eingang der Reduit beschmiert

Gleich am Dienstagmorgen machte er sich auf den Weg, um sich die Schmiererei an dem Museum, für das die Gesellschaft zuständig ist, anzusehen. Tatsächlich befand sich das Hakenkreuz auf dem historischen Holztor am Haupteingang der Reduit. Wann genau es dort hingeschmiert wurde, kann er nicht sagen. Für ihn steht aber fest, dass es so schnell wie möglich verschwinden muss.

„Wir tun es für Kastel.“ - Karl-Heinz Kues, Gesellschaft für Heimatgeschichte Kastel e.V.

Weil das Tor zur Reduit gehört und nicht direkt zum Museum, müsste sich als Eigentümer eigentlich die Stadt Mainz um die Reinigung kümmern. Karl-Heinz Kues fühlt sich aber für das Gebäude verantwortlich und hat sich in Absprache mit der Stadt gleich am Morgen dazu bereiterklärt, sich zu kümmern: „Unser Motto war ja immer ‘Wir tun es für Kastel’ und so ist das in diesem Fall eben auch“, sagt er.

Gemeinsam mit Ralf Kraft von der Bastion von Schönborn, der gleich seine Hilfe angeboten hat, versucht er jetzt, das verfassungsfeindliche Symbol zu entfernen. Weil nicht ganz klar ist, welches Material für die Schmiererei benutzt wurde, wollen sie es zunächst mit einem Hochdruckreiniger versuchen, eventuell muss die Holztür aber auch neu lasiert oder gestrichen werden. „Es sieht aber zum Glück nicht so aus, als wäre das Material tief in das Holz eingedrungen“, sagt Kues. Er hofft, dass das Tor keinen Schaden genommen hat. Immerhin gehört es zu den Teilen des Gebäudes, die von den Bomben des Zweiten Weltkriegs verschont geblieben sind.

Wiesbadener ärgern sich über Schmiererei

Neben der Sachbeschädigung ist es aber auch das Symbol selbst, das viele sauer macht. Der Wiesbadener Tom David Frey hatte das Hakenkreuz am Montag zufällig gesehen und Bilder davon in einer Facebook-Gruppe geteilt, um seinem Ärger darüber Luft zu machen. Obwohl sich vor Ort kaum jemand für das Hakenkreuz am Tor interessiert hatte, pflichten ihm viele Wiesbadener im Netz bei.

„Eine Hakenkreuzschmiererei ist weder lustig, noch akzeptabel. Sie ist eine Straftat.“ - Tom David Frey, Wiesbadener

Frey ist vor allem sauer, dass sich jemand scheinbar sicher dabei fühlte, ein Hakenkreuz an einem so frequentierten Ort zu hinterlassen. Überrascht habe es ihn aber trotzdem nicht wirklich, erzählt er. Als Mitglied und Beisitzer im Vorstand der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Wiesbaden sehe er immer wieder, dass Antisemitismus auch 2019 noch trauriger Alltag ist und setze sich dafür ein, dass solche Taten auch geahndet werden. „Eine Hakenkreuzschmiererei ist weder lustig, noch akzeptabel“, sagt Frey, „sie ist eine Straftat.“

„Wir werden Anzeige gegen Unbekannt stellen und hoffen, dass so etwas nicht nochmal passiert.“ - Karl-Heinz Kues

Karl-Heinz Kues von der Gesellschaft für Heimatgeschichte sieht das genauso. Deshalb will er zumindest ein Zeichen setzen: „Es ist zwar immer schwer, solche Leute zu finden, wir werden aber Anzeige gegen Unbekannt stellen und hoffen, dass so etwas nicht nochmal passiert.“ (js)

Logo