Wo aus Pilzen Fleischersatz wächst

Immer mehr Menschen ernähren sich - zumindest zeitweise - vegetarisch. Eine Firma aus Walluf erhält nun Fördergelder, weil sie erfolgreich an pflanzlichen Alternativen zu Fleisch forscht. Diese werden aus Pilzkulturen gezüchtet.

Wo aus Pilzen Fleischersatz wächst

Die Wallufer Firma Van Hees ist eigentlich bekannt für Gewürzmischungen und andere Zutaten, die Lebensmittel und Gerichte veredeln sollen. In den vergangenen Jahren hat der Familienbetrieb aber mit einem anderen Projekt auf sich aufmerksam gemacht und bekommt dafür sogar Fördermittel des Landes Hessen.

Den Forschern des Unternehmens ist es gelungen, vegetarische und vegane Fleisch-Alternativen aus Pilzkulturen zu züchten. Die Firma hat gemeinsam mit dem Institut für Lebensmittelchemie und Lebensmittelbiotechnologie der Justus-Liebig-Universität Gießen ein Verfahren entwickelt, bei dem statt des Fruchtkörpers der Pilze nur ihre fadenförmigen Zellen verwendet werden – das Myzel. Diese Zellen züchten die Forscher in Nährflüssigkeit und verarbeiten sie zu einem Pulver. Vermengt mit Gewürzen und Verdickungsmitteln entstehen daraus Würste und Aufschnitt. Besonders eignen sich Shiitake-Pilze oder Seitlinge dafür.

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Förderung vom Land Hessen

„Pflanzliche Alternativen sind gefragt.“ - Wissenschaftsminister Boris Rhein

Das Projekt von Van Hees trägt den Namen „Produktentwicklung von fleischähnlichen Produkten aus kokultivierten Pilzproteinen“ und ist dem Landesprogramm Loewe des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst 147.000 Euro wert. Wissenschaftsminister Boris Rhein machte sich im März ein eigenes Bild von den Bestrebungen des Familienunternehmens und fand lobende Worte für das Projekt: „Das Familienunternehmen Van Hees reagiert auf eine nachhaltige Entwicklung unserer Gesellschaft“, so Boris Rhein. Immer mehr Menschen möchten weniger oder gar kein Fleisch mehr essen. „Zudem verbraucht die Fleischproduktion viel Fläche und Wasser und verursacht den Ausstoß großer Mengen an Treibhausgasen. Pflanzliche Alternativen sind daher gefragt“, sagte der Minister.

Mit der Bestrahlung durch UV-Licht und dem Einsatz des richtigen Nährbodens ist es Van Hees darüber hinaus gelungen, nicht nur einen hohen Proteingehalt für den auf Pilzen basierenden Fleischersatz sicherzustellen, auch Vitamin D2 und B2 sind in dem Produkt enthalten. Möglich macht das auch eine bestimmte Bakterienkombination, die diese Vitamine auf natürlichem Wege herstellt.

In der Region verankert

„Ein hervorragendes Beispiel für Forschungsstärke und Innovationskraft.“ - Boris Rhein

Minister Rhein zeigte sich nicht nur von dem aktuellen Forschungsstand beeindruckt. Auch die Tatsache, dass Van Hees in Walluf rund 270 Mitarbeiter beschäftige, stieß auf Zustimmung. „Es ist ein lokal verankertes, familiengeführtes Unternehmen, das für die ganze Welt produziert - und damit ein hervorragendes Beispiel für Forschungsstärke und Innovationskraft im ländlichen Raum in Hessen“, so Rhein.

Für das Loewe-Programm, aus dem die Fördergelder für Van Hees stammen, stellt insgesamt 68,1 Millionen Euro zur Verfügung. Diese fließen an kleine und mittlere Unternehmen in Hessen, die zusammen mit Wissenschaftseinrichtungen für innovative Produkte und Dienstleistungen verantwortlich zeichnen.

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