Wie 'The New Yorker' über den Fall Susanna berichtet

Der Mord an Susanna F. schlägt medial immer noch hohe Wellen. Auch die aktuelle Ausgabe des US-amerikanischen Magazins „The New Yorker“ wirft einen Blick darauf, wie der Fall Susanna und andere Morde das politische Klima verändert haben.

Wie 'The New Yorker' über den Fall Susanna berichtet

Deutschlandweit sorgte der Mord an der 14-jährigen Susanna F. für Aufsehen. Wochenlang beherrschte das Thema die Schlagzeilen. Wenn der Prozess gegen ihren mutmaßlichen Mörder, Ali B., beginnt, wird das vermutlich wieder so sein. Die hohen Wellen, die dieser Fall schlug, kamen aber auch im Ausland an.

Erst vor kurzem berichtete das amerikanische Magazin The New Yorker über den Fall. Unter dem Titel „Wie der Tod eines Teenagers zur politischen Waffe wurde“, wirft Autor Yasha Mounk einen Blick darauf, wie Susannas Tod das politische Klima in Deutschland weiter anheizte.

Kein alltäglicher Mordfall

Zu Beginn seines Artikels zeichnet Mounk noch einmal die Ereignisse nach, die mit der Ergreifung von Ali B. ihr Ende fanden. Detailliert erzählt er den Fall, in dem zunächst eine 14-Jährige als vermisst gemeldet wurde, der aber später für Entsetzen im ganzen Land sorgte. „Hunderte Menschen werden in Deutschland jedes Jahr ermordet“, erklärt er. „Doch der Fall Susanna wurde intensiv medial begleitet. Er verstärkte den Riss, der durch Deutschland geht. Für rechte Parteien ist Susanna so etwas wie eine Märtyrerin geworden.“

Eine Märtyrerin, deren Tod sich politisch nutzen lässt. Mounk nimmt dabei auch Bezug auf die viel diskutierte Schweigeminute durch den AfD-Abgeordneten Thomas Seitz im Bundestag. „Die Unterstützung für Angela Merkel schwand immer mehr“, resümiert der US-Amerikaner. „War ihre Entscheidung, 2015 die Grenzen zu öffnen, die Verkörperung eines noblen, liberalen, selbstbewussten Deutschlands? Oder säte sie damit die Saat, die zum Erstarken der rechten Parteien führte?“ Mounk stellt diese Fragen zwar. Beantworten kann aber auch er sie nicht.

Auch mit dem Mord in Chemnitz setzt sich Mounk auseinander, besucht den Anführer einer ultrarechten Bewegung, spricht aber auch mit Claudia Roth über die Vorfälle. Und auf einer der vielen Demonstrationen in Chemnitz blickt ihm dann auch Susanna entgegen. Ihr Foto wird in der ersten Reihe einer Demo getragen, schwarz umrahmt. Differenziert betrachtet er links und rechts, gibt beiden Seiten Raum, ehe es ihn dann auch nach Wiesbaden verschlägt. In einen McDonald’s, wo auch Susanna im vergangenen Jahr Zeit verbracht hatte.

Das Wiesbadener Modell

Während sich der Autor von Christoph Manjura das „Wiesbadener Modell“ erklären lässt, zollt er den Verantwortlichen Respekt, wie sie mit den vielen Flüchtlingen umgegangen sind, die sie in Wiesbaden willkommen geheißen haben. Gleichzeitig ist er aber auch schockiert darüber, wohin so viel Offenheit führen kann. Als Beispiel nennt er die 11-Jährige, die in der Asylunterkunft in Erbenheim gesehen und mehrfach vergewaltigt wurde.

Auch die Ereignisse in Kandel rund um den Mordfall Mia lässt Mounk nicht unerwähnt. Am Ende bleibt er aber etwas ratlos, wenn auch vorsichtig optimistisch zurück. Vor so viel Zerrissenheit, die derzeit in Deutschland zu finden ist, fällt auch dem Autor keine einfache Lösung ein. Sein Artikel schließt mit dem Zitat einiger Einwohner aus Kandel: „Wir hoffen, dass Kandel bald wieder zur Ruhe kommt. Wir hoffen, dass die verschiedenen Seiten irgendwann wieder vereint werden können.“

Der Artikel „How a Teen’s Death Has Become a Political Weapon“ ist in The New Yorker vom 28. Januar 2019 abgedruckt worden. Hier lässt er sich auch online nachlesen.

(nl/lp)

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