Unklarheiten bei US-Teilabzug – Befürchtungen in Wiesbaden

Noch bleibt vieles unkonkret - womöglich ist vor allem Bayern betroffen. Dennoch gibt es auch in Hessen Sorgen und offene Fragen. Und was ist mit den einst angekündigten Mittelstreckenraketen?

Unklarheiten bei US-Teilabzug – Befürchtungen in Wiesbaden

Der angekündigte Abzug Tausender US-Soldaten aus Deutschland sorgt auch in Hessen für Aufregung. Wiesbaden beheimatet die Zentrale des US-Heeres für Europa und Afrika - und profitiert wirtschaftlich davon. Konkrete US-Abzugspläne für Deutschland sind allerdings nicht bekannt - die Verringerung, heißt es, könnte eher Bayern treffen. Vor allem der Standort Vilseck in der Oberpfalz wird in Medien genannt. Doch geht es auch um die Frage, ob keine US-Mittelstreckenraketen mehr in Deutschland stationiert werden sollen - und hier fällt ebenfalls der Name Wiesbaden.

Wie viele US-Soldaten sind in Wiesbaden stationiert?

Die 300.000-Einwohner-Stadt am Rhein ist heute Hessens einziger nennenswerter Standort der US-Streitkräfte. Mehr als 3.000 Soldaten sind hier stationiert. Hinzu kommen amerikanische Zivilangestellte, Familienangehörige, Ortskräfte und Pensionäre: insgesamt etwa 20.000 Menschen.

Was ist mit den geplanten Mittelstreckenraketen?

Von Wiesbaden hat es einst geheißen, hier könnten mit Blick auf die russische Aggressionspolitik weiterreichende US-Waffen stationiert werden. Der frühere US-Präsident Joe Biden hat dieses Ziel in Deutschland zur Abschreckung verfolgt. Im März 2025 demonstrierten laut Polizei mehr als 1.000 Menschen in Wiesbaden gegen die etwaige Stationierung von US-Mittelstreckenraketen mit konventionellen Sprengköpfen in der hessischen Landeshauptstadt.

Aktuellen Medienberichten zufolge soll das US-Verteidigungsministerium nun auch die geplante Stationierung einer Einheit zur Bedienung, Unterhaltung und Wartung der Mittelstreckenraketen in Deutschland zurückgenommen haben. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hält es nach eigenen Worten aktuell für unwahrscheinlich, dass die zugesagten Mittelstreckenwaffen an Deutschland geliefert werden.

Wie reagiert die Landesregierung?

Hessens Regierungschef Boris Rhein (CDU) hat mit Blick auf einen möglichen Teilabzug von US-Soldaten jüngst vor unüberlegten Entscheidungen gewarnt. Manfred Pentz (CDU), Staatsminister für Internationales, hat einen derartigen möglichen Schritt der USA als strategischen Fehler bezeichnet, auch wenn vorerst unklar war, ob Hessen betroffen wäre.

Die Staatskanzlei teilt der Deutschen Presse-Agentur aktuell mit, Rhein plane ohnehin, «im Herbst in die USA zu reisen und dort auch Gespräche mit ranghohen politischen Vertretern zu führen». Hintergrund ist unter anderem Hessens 50-Jahre-Jubiläum seiner Partnerschaft mit dem US-Bundesstaat Wisconsin in diesem Jahr.

Was sagt Hessens Innenminister?

Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) betont ebenfalls die Bedeutung der US-Streitkräfte in Hessen. «Die Clay-Kaserne in Wiesbaden beherbergt mit dem Hauptquartier des US-Heeres für Europa und Afrika eine der bedeutendsten militärischen Kommandozentralen des westlichen Bündnisses auf unserem Kontinent. Die US-Soldaten garantieren damit die Sicherheit unserer Region und stärken zugleich die gesamte Nato», teilt Poseck der dpa mit.

Hinweise auf einen möglichen Verzicht auf US-Mittelstreckenwaffen in Deutschland und womöglich Wiesbaden seien «Anlass zur Sorge. Das ist aus meiner Sicht ein falsches Signal. Es ermutigt diejenigen, die Stabilität und Frieden in Europa herausfordern und angreifen», ergänzt Poseck.

Wie ist Boris Rheins längerfristige Perspektive?

Kürzlich hat Ministerpräsident Rhein mit Blick auf Trump betont: Die deutsch-amerikanische Partnerschaft lebe nicht von kurzfristigen politischen Entschlüssen, sondern von einem starken Fundament, das über Regierungen hinaus Bestand habe. Hessen sei «das amerikanischste Bundesland».

Was sagt die Stadt Wiesbaden?

In der hessischen Landeshauptstadt, in der auch die internationale Waffenhilfe der Nato für die Ukraine wesentlich koordiniert wird, heißt es ebenfalls, noch seien die Pläne der USA unklar.

«Unabhängig davon bestehen gute freundschaftliche Beziehungen zwischen den hier ansässigen US-amerikanischen Streitkräften und der Landeshauptstadt Wiesbaden, die sich sowohl im regelmäßigen Austausch als auch auf zahlreichen gemeinsamen Veranstaltungen und Festen widerspiegeln», betont ein Sprecher der Kommune.

Vom 1. bis 5. Juli etwa steigt hier wieder das traditionelle Deutsch-Amerikanische Freundschaftsfest, mit einem Feuerwerk am 4. Juli, dem 250. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung.

Was sind Hessens historische Bezüge zu den USA?

Ministerpräsident Rhein betont gerne: «Es war übrigens ein amerikanischer Befehl, auf den hin Hessen vor acht Jahrzehnten gegründet worden ist. Auch deswegen verbindet uns viel.» In den Trümmern des beendeten Zweiten Weltkrieges waren die USA Geburtshelfer des neuen Bundeslandes Hessen.

Rhein hat es vor einigen Monaten als großartig bezeichnet, «dass wir bei wichtigen Anlässen mit Vertretern der USA oft die amerikanische Flagge hissen, beispielsweise auf dem Hessentag, und dann die amerikanische und die deutsche Nationalhymne singen».

Wiesbaden (dpa/lhe)