Dashcam überführt drängelnden Mercedesfahrer

Weil er einen Radfahrer gefährlich bedrängt hatte, ist ein Wiesbadener Autofahrer nun verurteilt worden. Dank einer Kamera an der Rückseite des Fahrrads konnte er überführt werden.

Dashcam überführt drängelnden Mercedesfahrer

Wer in Wiesbaden mit dem Fahrrad unterwegs ist, setzt sich des Öfteren ungewollt Gefahren aus. Abseits der Radwege kann es auf engen Straßen zu Konflikten mit Autofahrern kommen, die für den schwächeren Radfahrer verheerend enden können. Auch Jonas B. (Name geändert) hatte in Wiesbaden schon häufig brenzlige Situationen auf dem Rad erlebt. Zu seinem eigenen Schutz hatte er sich extra eine Dashcam angeschafft, die seine Fahrten nach hinten filmte. Dank dieser Aufnahmen konnte er jetzt einen Drängler vor Gericht bringen.

Rücksichtsloses Drängeln

Das kurze Video zeigt die Gabelsbornstraße, eine ruhige und sehr enge Anwohnerstraße in Norden Biebrichs. Weil es dort keinen Radweg gibt, fährt B. in der Mitte der Straße mit den erlaubten 30 Stundenkilometern. Plötzlich nähert sich ein silberner Mercedes von hinten an. Immer wieder versucht der Autofahrer, das Rad in der viel zu engen Straße zu überholen, sodass B. ins Schlingern gerät und beinahe stürzt. Laut dem vor Gericht vorgelegten Gutachten betrug der Abstand zum Teil nur einen halben Meter, weit weniger als der vorgegebene Mindestabstand von 1,50 Metern.

Beim dritten Versuch schafft es der Mercedsfahrer dann, das Rad zu überholen, dabei kommt es jedoch zum Zusammenstoß. B. will einen Sturz verhindern, streck die Beine von sich um das Schlingern auszugleichen und tritt dadurch gegen den Kotflügel des Wagens. Auch streifen seine Beine die eigenen Pedale, wobei er sich lange und leicht blutende Kratzer an den Waden und eine Prellung zuzieht.

Warum er in der engen Straße mit Tempo 30 zu dem gefährlichen Überholmanöver ansetzte, konnte der Angeklagte vor Gericht nicht erklären. Aus Sicht der Richterin habe er sich „aus eigensüchtigen Gründen über seine Pflichten gegenüber dem schwächeren Verkehrsteilnehmer hinweggesetzt.“ Und auch das Verhalten des Angeklagten nach dem Unfall bewertete das Gericht als eigensinnig und rücksichtslos. Denn anstatt sich einsichtig zu zeigen und für sein Fehlverhalten zu entschuldigen, hatte er alleine B. dafür verantwortlich gemacht, dass an seinem Mercedes ein Schaden entstanden war. Laut Gericht habe er, nur um sich zu schützen, sogar eine weitere Straftat begangen, indem er das eigentliche Opfer als den Verursacher des Unfalls bezichtigt hatte.

Langes Fahrverbot

Das uneinsichtige Verhalten schlug sich dann auch auf das Urteil des Wiesbadener Amtsgerichts nieder. Wegen fahrlässiger Straßenverkehrsgefährdung in Tateinheit mit fahrlässiger Körperverletzung wird der Mercedesfahrer zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen in Höhe von 70 Euro verurteilt. Zudem muss er für vier Monate seinen Führerschein abgeben. (ts)

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