Schrebergärten: Ein Stück Natur mit vielen Regeln

Während Schrebergärten lange Zeit als spießig galten, bekommen die Vereine seit einigen Jahren immer mehr Anfragen von jungen Familien. Doch der Weg zum grünen Freizeitparadies ist in Wiesbaden nicht leicht.

Schrebergärten: Ein Stück Natur mit vielen Regeln

Ein Stück Natur - das wünschen sich viele Städter. Doch nur die wenigsten Wiesbadener haben einen eigenen Garten hinter dem Haus. Deshalb wird die Nachfrage nach Schrebergärten in der Landeshauptstadt seit einigen Jahren immer größer.

1500 städtische Gärten

Rund 1500 solcher Gärten verpachtet das Amt für Liegenschaften derzeit. Die Nachfrage sei so groß, dass es inzwischen Wartelisten gebe - und diese sind lang. Mindestens drei bis vier Jahre müssen die Wiesbadener im Durchschnitt warten, bis sie die Chance auf ein Grundstück bekommen. Denn die meisten Gärten werden über Generationen hinweg an eine Familie verpachtet.

„In den letzten Jahren gab es bei uns vermehrte Anfragen von jüngeren Leuten,“ - Claus-Peter Wehner, Verein Unter den Nussbäumen

Dass sich aber in den vergangenen Jahren immer mehr junge Familie für Schrebergärten interessieren, weiß Claus-Peter Wehner. Er ist erster Vorsitzender des Kleingartenvereins der Gartenfreunde „Unter den Nussbäumen“ und hat schon im August bei einem Besuch in seinem Garten gegenüber Merkurist erzählt, dass sich immer mehr Familien mit Kindern einen Garten wünschen. „In den letzten Jahren gab es bei uns vermehrte Anfragen von jüngeren Leuten“, so Wehner. Diesen Trend beobachte er seit etwa fünf Jahren.

Wird die Gartenparzelle von den meisten Rentnern mehr als Beschäftigung im Alter gesehen, überwiege bei der jüngeren Generation der Freizeitgedanke. Hüpfburgen, Trampoline und allerlei Kinderspielzeug seien längst keine Seltenheit in den Parzellen mehr. „So lange die Mittagsruhe von 13 bis 15 Uhr eingehalten wird, ist das auch kein Problem“, betonte Wehner. Denn wer sich einen Schrebergarten zulegt, muss sich an einige Regeln halten.

Was im Schrebergarten erlaubt ist und was nicht, halten das Bundeskleingartengesetz und die Satzungen der Vereine fest. Dabei gibt es zum Beispiel strickte Vorschriften, die die Aufteilungen der Gartenfläche regeln. „Unter den Nussbäumen“ muss ein Drittel der Fläche als Rasen genutzt werden, maximal ein Drittel darf - etwa in Form eines Gartenhauses oder einer Perkula - überdacht sein, und mindestens ein Drittel der Fläche muss als Beet genutzt werden. Bei einer durchschnittlichen Gartengröße von 250 bis 500 Quadratmetern bedeutet das also, dass Gartenarbeit vorprogrammiert ist.

Wer sich nicht an die Vorgaben hält, riskiert eine Abmahnung vom Verein und kann im schlimmsten Fall seinen Garten wieder verlieren. Andererseits sind die Mitglieder aber nicht nur als Kontrollinstanzen zu sehen. In den Vereinen hilft man sich untereinander, gibt sich Pflanztipps und feiert auch gemeinsam.

Insgesamt 47 Kleingartenvereine gibt es in Wiesbaden. Laut dem Stadt- und Kreisverband ist der Verein an der Maaraue mit mehr als 360 Parzellen der Größte in der Region. Aber auch der Verein „Unter den Nussbäumen“ kommt auf 198 Parzellen und zählt somit zu den größeren. Die kleinsten Vereine gibt es am Klosterweg und in der Fasaneriestraße - sie zählen nur rund 20 Gärten.

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