Wie das Kirchenreulchen zum Kulturort werden soll

Der Verbindungsweg zwischen Friedrich- und Luisenstraße hat sich stark verändert. Seit wenigen Wochen sieht man im Kirchenreulchen Kunst statt verschmierter Wände. Was dahintersteckt.

Wie das Kirchenreulchen zum Kulturort werden soll

Bis vor Kurzem sind die meisten Wiesbadener nur schnell durch das Kirchenreulchen gehuscht, um möglichst schnell von der Friedrichstraße zum Luisenplatz zu gelangen. Lange hielt man sich dort nicht auf. Heute sieht das anders aus. Einige Wiesbadener bleiben sogar kurz stehen, um sich die bis vor wenigen Wochen noch mit Graffitis beschmierten und wahllos plakatierten Wände anzusehen. Denn seit Ende Juli findet man dort Kunstwerke auf weißem Hintergrund.

Initiiert wurde die Aktion von Leander Rubrecht. Schon in den frühen 2000er-Jahren hat er Pop-up-Stores in das Rhein-Main-Gebiet gebracht – Leerstände füllte er damals mit Kunst. Heute betreibt er als Kurator und Galerist die „Rubrecht Contemporary Gallery“ in der Wiesbadener Innenstadt und glaubt noch immer daran, dass man Leerstände und verwahrloste Wände aufwerten muss, um Städte attraktiver zu machen. Deshalb hat er die Aktion „Urban Art Spaces“ als gemeinnütziges Projekt des „Vereins zur Förderung von Kunst und Kultur der Region MainzWiesbaden e.V.“ gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung ins Leben gerufen.

Urban Art Spaces sollen Städte beleben

„Durch den weißen Hintergrund kommt Ruhe rein, der Fokus liegt auf der Kunst, aber eben auch auf den Läden um sie herum“, erklärt Leander Rubrecht die Idee. „Man geht viel lieber in die Innenstadt, wenn es solche Flächen gibt.“ Für die Kunst, die gezeigt wird, gibt es eine Voraussetzung: Die Künstler oder die Institutionen, die sie vertreten, müssen aus Wiesbaden oder der Region kommen. „Dadurch sollen Künstler aus der Region sichtbar werden.“

Sein erstes Projekt hat Rubrecht im Skyline Plaza in Frankfurt umgesetzt, die Aktion im Kirchenreulchen ist die erste in Wiesbaden – und es sollen viele weitere folgen. Er sei bereits im Gespräch mit Immobilieneigentümern und hofft, dass sich weitere aus Wiesbaden und Mainz melden, um das Projekt zu erweitern. Geeignet sind vor allem freie Wandflächen an Geschäften, die sonst beschmiert werden, aber auch Leerstände. Die Kunstwerke können nach einiger Zeit ausgetauscht werden. Interessierte können sich zum Beispiel bei der Wirtschaftsförderung melden.

„Wir finden es super schön.“ - Listmann-Mitarbeiterin

Für das Kirchenreulchen wünscht sich Leander Rubrecht jetzt, dass es sich zu einem Kulturort entwickelt. „Es wäre zum Beispiel schön, wenn sich dort Musiker aufhalten würden oder Straßenkünstler“, sagt er. Ein Anfang ist mit den Kunstwerken an der Wand gemacht. Und bisher scheint das Projekt gut anzukommen. „Wir finden es super schön“, sagt eine Mitarbeiterin von Listmann, an dessen Rückseite die Kunstwerke angebracht wurden. „Es ist jetzt sehr schlicht und gepflegt, vor allem im Vergleich zu vorher.“

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