Wiesbadenerin organisiert Spendenaktion für getöteten Luis

Vor anderthalb Wochen starb in Essen der zweijährige Luis. Sein Vater sitzt wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft. Eine Wiesbadenerin will nun unter anderem den Geschwistern helfen - und hat eine Spendenaktion ins Leben gerufen.

Wiesbadenerin organisiert Spendenaktion für getöteten Luis

Bei rund 30 Grad soll der Vater des kleinen Luis ihn in Essen in ein Zimmer gesperrt haben. Ohne Essen und Trinken, 17 oder 18 Stunden lang. Der Zweijährige starb schließlich an Kreislaufversagen, die Folge eines Hitzeschocks, wie die Obduktion ergab. Sein Vater sitzt nun wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft, gegen die Mutter, die zum Zeitpunkt der Tat nicht zuhause war, wird ebenfalls ermittelt. Luis’ Geschwister, ein und vier Jahre alt, wurden vom Jugendamt bei einer Pflegefamilie untergebracht.

„Für Luis’ Beerdigung und für die anderen Kinder, die sich ihr Schicksal nicht ausgesucht haben.“ - Sina, Organisatorin der Spendenaktion

Der Fall des kleinen Jungen, der am Vormittag des 27. Juli gestorben ist, macht viele Menschen fassungslos. Unter ihnen ist auch die Wiesbadenerin Sina. Sie wollte nicht tatenlos bleiben und hat deshalb vor wenigen Tagen eine Spendenaktion gestartet. „Leider hat der kleine Luis es nicht überlebt“, schreibt Sina in der Beschreibung ihrer Spendenkampagne. „Ich möchte versuchen, den ein oder anderen Groschen zu sammeln. 1. Für Luis’ Beerdigung und 2. Für die anderen Kinder, die sich ihr Schicksal nicht ausgesucht haben.“

Wie Sina auf die Idee kam

Auf die Idee gekommen ist Sina in der vergangenen Woche. Sie war am Montag, an dem ein achtjähriger Junge am Frankfurter Hauptbahnhof vor einen Zug gestoßen wurde, ebenfalls mit ihrer Tochter am Bahnhof. „Das war ein ganz merkwürdiges und beklemmendes Gefühl“, erzählt sie gegenüber Merkurist. Auf dem Rückweg am Mittwoch hätten sich dann schon viele Menschen um die Gedenkstätte versammelt. „Ich hab dann allerdings über die sozialen Medien von dem Fall Luis gelesen und fand es sehr schade, dass die Berichterstattung diesbezüglich quasi fast unter den Tisch gefallen ist.“

„Es ist mir unbegreiflich, wie man einem Kind so etwas antun kann.“ - Sina, Organisatorin der Spendenaktion

Zwar, so betont sie, könne man die beiden Fälle nicht gegeneinander aufwiegen, dennoch habe der Fall des kleinen Luis ihrer Meinung nach zu wenig Aufmerksamkeit bekommen. „Mich hat der Fall so berührt, eben weil so gut wie niemand etwas davon mitbekommen hat, ich selbst eine zweieinhalb Jahre alte Tochter habe, die ich über alles liebe, und es mir unbegreiflich ist, wie man einem Kind so etwas antun kann“, sagt Sina. „Ich hab dann überlegt, was man machen könnte und habe von Spendenaufrufen für Luis gelesen.“

Nach ein wenig Recherche über Seiten, auf denen man Spendenkampagnen starten kann, habe sie dann eine Summe festgelegt und die Aktion öffentlich gemacht. 5000 Euro will Sina für Luis’ Beerdigung und seine Geschwister sammeln, Stichtag ist der 1. Oktober. Mit der Familie von Luis steht Sina dafür allerdings nicht in Kontakt. „Ich möchte auch zu dem Vater oder zu der Mutter, die sowas zugelassen haben, keinerlei Kontakt haben.“ Stattdessen will sie sich, um die Spendensumme zu übergeben, an das Essener Jugendamt, die örtliche Presse oder sogar direkt an die Pflegefamilie, in der die Geschwister untergekommen sind, wenden.

Auch für die Mutter des getöteten Achtjährigen vom Frankfurter Hauptbahnhof läuft aktuell eine Spendenkampagne. Seit vergangener Woche kamen schon fast 95.000 Euro zusammen (wir berichteten). (nl/ts)

Hier geht es zur Spendenkampagne für Luis
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