Wenn eine Geburt so schnell voranschreitet, dass ein Transport in eine Geburtsklinik nicht mehr rechtzeitig möglich ist, werden in Wiesbaden künftig zusätzlich zum Rettungsdienst qualifizierte Hebammen alarmiert. Das teilt die Stadt Wiesbaden am Montag (26. Oktober) mit. Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) stellte das Projekt „Hebammen vor Ort“ in der Feuerwache 1 vor.
„Eine Geburt außerhalb der Klinik ist für werdende Eltern eine Ausnahmesituation, in der jede Minute zählt und jeder Handgriff sitzen muss“, sagte Mende. „Mit ‚Hebammen vor Ort‘ holen wir genau die Fachfrauen an die Seite unserer Einsatzkräfte, die Geburten jeden Tag begleiten.“ Davon würden Mütter und Neugeborene unmittelbar profitieren. Der Oberbürgermeister dankte den 39 Hebammen, die sich freiwillig zur Teilnahme bereit erklärt haben.
So funktioniert die Alarmierung per App
Geht über den Notruf 112 eine Meldung zu einer bevorstehenden oder bereits erfolgten Geburt ein, alarmiert die Zentrale Leitstelle außer den regulären Rettungskräften zusätzlich Hebammen im Umfeld des Einsatzortes. Dafür wurde die Alarmierungsplattform „Mobile Retter“ erweitert. Die jeweilige Hebamme entscheidet selbst, ob sie den Einsatz übernehmen kann und bestätigt diesen über die App. Die Entsendung des Rettungsdienstes wird dadurch nicht verzögert.
Am Einsatzort versorgen dann Hebamme, Rettungsdienst und bei Bedarf ein Notarzt Mutter und Kind gemeinsam. Das Team entscheidet zusammen, ob die Geburt vor Ort begleitet wird oder ein Transport in eine Klinik möglich ist. Bei Bedarf kann die Hebamme den Transport begleiten.
„Eine wertvolle Ergänzung“
„Unsere Notfallsanitäterinnen, Notfallsanitäter, Notärztinnen und Notärzte sind für die Geburtshilfe geschult, aber Geburten gehören für sie zu den seltenen Einsätzen“, erklärte Norbert Hagner, Sachgebietsleiter Rettungsdienst. Das Projekt ersetze keine bestehenden Strukturen, sondern ergänze sie. „Hebammen bringen hier eine Routine und Erfahrung mit, die eine wertvolle Ergänzung ist.“
Wie selten solche Einsätze sind, zeigt die Statistik in Wiesbaden: Zwischen 2020 und 2025 wurde der Rettungsdienst 68-mal zum Stichwort „Präklinische Geburt“ alarmiert. Im Jahr 2025 waren es 24 Alarmierungen, in fünf Fällen kam das Kind zu Hause zur Welt. An dem Projekt können sowohl freiberuflich als auch klinisch tätige Hebammen teilnehmen. Ein vergleichbares Konzept gibt es bundesweit bislang nur selten.