Die neue Verkehrsführung in der Stiftstraße erhitzt weiterhin die Gemüter

Die Stiftstraße ist seit Kurzem in beide Richtungen befahrbar. Dadurch sind einige Parkplätze weggefallen, die Anwohner fühlen sich benachteiligt und wollen die alte Regelung zurück. Verkehrsdezernent Kowol hat vor Ort mit den Beteiligten gesprochen.

Die neue Verkehrsführung in der Stiftstraße erhitzt weiterhin die Gemüter

Die Anwohner der Stiftstraße sind inzwischen nicht mehr nur sauer, weil aus der Einbahn- eine in beide Richtungen befahrbare Straße wurde. Jetzt sind sie auch enttäuscht, weil eine gemeinsame Ortsbegehung mit Verkehrsdezernent Andreas Kowol (Grüne) nicht das Ergebnis gebracht hat, was sie sich gewünscht haben. Auch die 200 Unterschriften, die Anwohner Sven gesammelt hat, konnten nicht verhindern, dass die Stiftstraße in beide Richtungen befahrbar bleibt.

Keine Ersatzparkplätze

Keiner der Anwohner konnte so recht verstehen, warum die Einbahnstraßenregelung in der Stiftstraße aufgehoben wurde. Sie fürchten nicht nur eine starke Zunahme des Verkehrs in der sonst eher ruhig gelegenen Straße, sondern bemängeln vor allem, dass ihnen auf einer Straßenseite die Parkplätze weggenommen werden. „Wo sind unsere Ersatzparkplätze?“, wollte einer der Anwohner von Kowol wissen. „Sie können doch auf der anderen Seite parken“, entgegnete der Verkehrsdezernent. Die Anwohner brachen in sarkastisches Gelächter aus: Das sei unmöglich, denn auch als die Parkplätze noch da waren, hätte man als Anwohner oft mehrere Runden um den Block drehen müssen.

„Wenn sich jemand beschwert, ist das Straßenverkehrsamt rechtlich dazu verpflichtet, die Straße zu überprüfen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.“ - Andreas Kowol, Verkehrsdezernent

Doch alles Diskutieren half bei der Ortsbegehung nicht. Die Parkplätze sind und bleiben weg. Der Grund: „Ein Autofahrer hatte sich beschwert, dass er zu wenig Platz hat und weigerte sich, einem entgegenkommenden Fahrradfahrer auszuweichen“, erklärte Kowol. Daher sei eine Duldung des Status Quo, der über Jahrzehnte gut funktionierte, nicht mehr möglich. „Wenn sich jemand beschwert und mit einer Klage droht, ist das Straßenverkehrsamt rechtlich dazu verpflichtet, die Straße zu überprüfen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen“, so Kowol weiter.

Straße zu schmal

Bei einer Überprüfung der Situation stellte sich tatsächlich heraus, dass die Straße für motorisierten Einbahn- und Begegnungsverkehr mit Radfahrern sowie parkenden Fahrzeugen rechts und links zu schmal ist, wie Stephanie Engel, Leiterin der Straßenverkehrsbehörde, erläuterte. Kowol ergänzt: An vielen Stellen in der Innenstadt dulde man Falschparker und das Nichteinhalten der Straßenverkehrsordnung. „Aber in diesem Fall hat sich jemand beschwert, dann müssen wir handeln.“

Die Anwohner schlugen vor, die Autos mit zwei Rädern auf dem Bordstein parken zu lassen. Doch auch das lehnte Andreas Kowol bei der Ortsbegehung entschieden hab — auch die Fußgänger auf dem Bürgersteig bräuchten genügend Platz. Zudem würde durch die neue Verkehrsregelung auch die Problematik für Radfahrer entschärft, wie Kowol meinte. Anwohner Sven und einige andere widersprachen heftig, schließlich sei die Taunusstraße mit Radfahrstreifen und „Protected Bike Lanes“ gleich nebenan, sagt Merkurist-Leser Jens. Doch die Taunusstraße sei gefährlicher für Radfaher, betonte Kowol, weil die Radfahrstreifen ständig zugeparkt seien. Darüber, dieses Problem zu lösen, sprach der Verkehrsdezernent jedoch nicht.

Kein befriedigender Kompromiss

„Unsere Hinweise an die Ortsvorsteher kamen offenbar nicht an.“ - Andreas Kowol, Verkehrsdezernent

Auf eine richtige Diskussion mit den Anwohnern ließ Andreas Kowol sich nicht ein, behaarte auf seinen rechtlichen Pflichten als Verkehrsdezernent. Allerdings räumte er ein, dass die Kommunikation der Maßnahme nicht ganz rund gelaufen sei. „Unsere Hinweise an die Ortsvorsteher kamen offenbar nicht an“, beantwortete er die Nachfrage. Sie hätten die Information im Normalfall an die Bürger weitergeben sollen.

Auch weil das nicht passiert ist, fühlen sich die Anwohner benachteiligt. Weil Kowol den Ärger der Anwohner zumindest ansatzweise zu verstehen schien, schlug er am Ende einen Kompromiss vor: Die Ortsvorsteher von Mitte und Nordost sollen die Verkehrslage in der Stiftstraße in den nächsten Wochen beobachten. Sollte sich bis Ostern herausstellen, dass der Begegnungsverkehr tatsächlich zu gefährlichen Situationen führt, werde man die Verkehrsführung erneut auf den Prüfstand stellen. „Die Parkplätze fallen aber so oder so weg.“ (nl)

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