Abbrucharbeiten an der Salzbachtalbrücke verzögern sich auf unbestimmte Zeit

Wegen Unstimmigkeiten zwischen Hessen Mobil und der Abrissfirma werden sich die Abrissarbeiten des südlichen Teils der Salzbachtalbrücke verzögern. Die Situation ist so festgefahren, dass Hessen Mobil noch keinen neuen Termin verkünden kann.

Abbrucharbeiten an der Salzbachtalbrücke verzögern sich auf unbestimmte Zeit

Die eigentlich für Ende 2020 vorgesehenen Abbrucharbeiten des südlichen Teils der Salzbachtalbrücke verzögern sich. Damit rückt auch der mit dem Abriss verbundene Neubau der Südbrücke in ungewisse Ferne. Grund für die Verzögerungen sind Unstimmigkeiten zwischen Hessen Mobil und dem beauftragten Abrissunternehmen. Darüber informierten Hessen Mobil-Vizepräsident Heiko Durth, Abteilungsleiterin Bau Sylvia Hipfl-Träger und Projektleiter Matthias Achauer in einer Pressekonferenz am Dienstagmorgen.

Verzögerung sind Spätfolge eines Montagefehlers

Die Verzögerungen seien eine späte Folge des Montagefehlers an der nördlichen Brückenbauhälfte, der Anfang 2019 bekannt wurde. Damals bohrte eine Baufirma fälschlicherweise durch Stahlträger, die dafür sorgen, dass die Brücke unter Spannung steht und Halt bekommt (wir berichteten). Um die Brücke trotz des Baufehlers und den damit verbundenen Arbeiten nicht sperren zu müssen, wurde der Schwerlastverkehr vorübergehend von der Nordseite der Brücke auf die Südseite umgeleitet. Und das nahm die beauftragte Abrissfirma zum Anlass, den vor dem Baufehler erstellten Abrissplan in Frage zu stellen.

Weil dadurch die südliche Brückenhälfte rund 10 Monate länger als geplant für den Verkehr genutzt und zusätzlich belastet wurde, hält die Firma das Abrisskonzept nicht mehr für aktuell, so Heiko Durth. Die Firma vermutet, dass sich durch die längere Belastung etwas in der Brücke verändert haben könnte. Grundlage für diese Vermutung ist das Bauwerk der Brücke, denn bei der Salzbachtalbrücke handelt es sich um eine Spannbetonbrücke, die auf Spannelementen aus Stahl basiert. Mit der Zeit kann der Stahl einreißen und die Brücke so an Halt verlieren — diese veraltete Technik aus den 60er Jahren ist übrigens auch der Grund, warum man die Brücke neu bauen will. Die Firma vermutete also, dass der Stahl durch die weitere Belastung nach dem Baufehler eingerissen sein könnte.

Hessen Mobil sieht keinen Grund für Änderung des Abrissplans

„Wir haben die Brücke an vielen Stellen geöffnet und festgestellt, dass der Stahl augenscheinlich in einem sehr guten Zustand ist.“ - Matthias Achauer, Bauleiter Hessen Mobil

Diesen Kritikpunkt habe Hessen Mobil aufgenommen und die Brücke mithilfe eines Fachgutachtens bewerten lassen. „Wir haben die Brücke an vielen Stellen geöffnet und festgestellt, dass der Stahl augenscheinlich in einem sehr guten Zustand ist“, sagt Projektleiter Achauer. Es bestehe weder ein Sicherheitsrisiko noch einen Grund, den Abrissplan zu ändern. Das habe der Abrissfirma allerdings nicht ausgereicht.

Sie würde nun trotzdem gerne nicht wie von Hessen Mobil angedacht den Abriss mithilfe von Gerüsten unter der Brücke durchführen, die pro Bauabschnitt verschoben werden. Sie würde, so Hessen Mobil, lieber weite Teile direkt einrüsten, also eine Art zweite Brücke aus Gerüsten unter der Brücke bauen. Dadurch müsste der Abrissplan verändert werden, was wiederum Geld kostet. „Wir wissen aber, auch durch unsere jahrelange Erfahrung mit eben solchen Brücken, dass das nicht notwendig ist“, so Achauer. So wie man den Abbruch an der Salzbachtalbrücke vornehmen wolle, habe man das in der Vergangenheit schon oft getan. Hinter der Forderung der Abrissfirma würden keine konkreten Gründe stecken.

Hessen Mobil und Abrissfirma befinden sich in Diskussion

Bereits seit dem Frühjahr befinde man sich nun in Diskussionen mit der Firma. Das sei auch der Grund, warum Hessen Mobil in den vergangenen Monaten trotz vieler Anfragen wenig über den aktuellen Stand der Bauarbeiten preisgegeben habe. „Normalerweise teilt man solche Diskussionen während des Baus eher nicht mit der Öffentlichkeit“, so Durth. „Wir wollen aber bei einem der größten Sanierungsprojekte im Rhein-Main-Gebiet natürlich auch transparent sein.“

Weil es nicht voran gehe, rechne man inzwischen mit einer Verzögerung von mindestens einem halben Jahr. „Falls wir uns mit dem Bauunternehmen über das Abbruchkonzept weiterhin nicht einigen können, kann es noch länger dauern, bis der südliche Teil der Salzbachtalbrücke sicher abgebrochen werden kann“, so Vizepräsident Durth. Wenn man sich nicht einige, könnte das zu vertraglichen Konsequenzen und letztendlich auch zu einer Neuausschreibung des Abrisses führen. Man habe es aber noch nicht aufgegeben, eine gemeinsame Lösung zu finden.

Unter der Brücke wird trotzdem weitergearbeitet


Nach bisheriger Planung soll der Neubau der ersten Brückenhälfte eigentlich spätestens bis 2023 fertiggestellt sein. Mit dem Neubau der Südbrücke könne man aber erst beginnen, wenn die Abrissarbeiten abgeschlossen sind. Zurzeit laufen unterhalb der Brücke weiterhin vorbereitende Maßnahmen für den Abriss, die trotz der Unstimmigkeiten bereits gefertigt werden können. Seit einiger Zeit baut Hessen Mobil die Basis für die Hilfsstützen, die das Gerüst an der Brücke unterstützen sollen. Auch einige der dafür benötigten Betonpfähle sind schon gebaut worden, oder werden noch gebaut. Während man diese Arbeiten nur erkennen kann, wenn man unter der Brücke steht, kann man die ersten vorbereitenden Arbeiten für den Abbruch der Unterführung der ehemaligen Aartalbahnstrecke bereits von der A66 aus erkennen.

Verkehr fährt weiter über nördliche Brückenhälfte

Was den Verkehr auf der Brücke angeht, ändert sich erst einmal nichts. Aktuell fährt der Verkehr über die nördliche Brückenhälfte. Dort stehen drei Fahrstreifen zur Verfügung, jeweils ein Streifen in Richtung Rüdesheim und Frankfurt. Für den mittleren Fahrstreifen ist eine Wechselverkehrsführung eingerichtet, die je nach Pendlerstrom die Richtung wechselt. Mit Fertigstellung der ersten südlichen Brückenhälfte sollen dann auch wieder vier Fahrstreifen im Baustellenbereich zur Verfügung stehen. (nl)

Logo