Dinge, die man nur als Wiesbadener kennt

Bibelverse an Litfaßsäulen, der regelmäßige Geruch nach faulen Eiern in der Stadt und Grillfeste auf dem Friedhof – für die Wiesbadener ist all das ganz normal. In Teil 1 unserer Übersicht zeigen wir euch Dinge, die nur Wiesbadener kennen.

Dinge, die man nur als Wiesbadener kennt

Nerobergbahn, Kurhaus und Marktkirche – all das sind Attraktionen, die auch die vielen Touristen kennen, die Wiesbaden jährlich besuchen. Doch es gibt auch Dinge, die man nur kennt, wenn man schon länger in Wiesbaden lebt.

Wiesbadener Jesus

Kaum eine Litfaßsäule und kaum ein Werbeplakat bleiben von ihm verschont: Der „Jesus von Wiesbaden“, wie ihn die Wiesbadener nennen, verbreitet seine Botschaften in der ganzen Stadt. Die Bibelverse, die er darauf kritzelt, unterschreibt er stets mit „Jesus“ oder „Gott“ – daher auch sein Name. Hinter der skurrilen Geschichte steckt aber ein trauriges Schicksal, denn der Mann leidet an Schizophrenie. Das ist auch der Grund, warum er für die Straftaten, die er mit den Kritzeleien begeht, nicht zur Rechenschaft gezogen wird und täglich weiterschreibt.

Freizeitspaß auf dem Friedhof

Es klingt pietätloser als es ist: Die Wiesbadener treffen sich gerne mal zum grillen, spielen oder Sport machen auf dem Friedhof. Der Friedhof an der Platterstraße war früher der erste außerhalb der Innenstadt gelegene große Friedhof Wiesbadens. 1832 wurde er eingeweiht, mehr als 27.000 Menschen, darunter berühmte Persönlichkeiten wie die Herzogin von Nassau und Remigius Fresenius, fanden hier ihre letzte Ruhestätte. 1877 entschloss man sich, etwas weiter nördlich einen neuen Friedhof anzulegen. Es entstand der ebenfalls an der Platter Straße gelegene Nordfriedhof. In den 1970er Jahren wurde der „Alte Friedhof“, wie er heute heißt, dann in einen Freizeit- und Erholungspark umgebaut. 128 erhaltenswerte Grabdenkmäler wurden erfasst und, wo nötig, versetzt. Heute ist es also nichts ungewöhnliches für die Wiesbadener, sich zwischen alten Grabsteinen zu treffen.

Duft der Innenstadt

Der ein oder andere Besucher der Innenstadt rümpft die Nase, wenn er durch die Straßen läuft. Für viele Wiesbadener ist der Duft der Innenstadt aber etwas ganz normales. Die heißen Quellen sorgen dafür, dass es aus den Gullideckeln zwischen Kurhaus, Kochbrunnen und Kaiser-Friedrich-Therme regelmäßig nach faulen Eiern riecht. Dieses „Eau de Wiesbaden“ entsteht durch die Schwefelverbindungen, die im Wasser so mancher Quellen mit nach oben steigen. Dass es im Winter gerne aus den Gullideckeln dampft, liegt jedoch an der Wassertemperatur, nicht an der chemischen Zusammensetzung.

Amerikanische Polizeistreifen

Manch ein Besucher staunt wahrscheinlich auch nicht schlecht, wenn die amerikanische Military Police an ihm vorbeifährt. Oder wenn bei einem Besuch auf dem Sternschnuppenmarkt plötzlich die Militärpolizei über den Platz läuft. Echte Wiesbadener finden diesen Anblick eher weniger spannend, denn die Militärpolizei gehört für sie zum Stadtbild.

Die Military Police ist für amerikanische Militärangehörige und zivile Mitarbeiter sowie deren Familien zuständig. Und weil das Hauptquartier der US Army Europe im Wiesbadener Stadtteil Erbenheim liegt, gibt es davon viele in der Stadt. Die dort stationierten Soldaten und deren Angehörige verbringen natürlich nicht ihr ganzes Leben und ihren Alltag auf dem umzäunten Gelände, also schaut die Military Police eben auch in der Stadt nach dem Rechten.

In Teil 2 unserer Übersicht geht es unter anderem um das Wiesbadener Märchenland und die Kuckucksuhr, die gar nicht die größte Europas ist.

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