Wie schlecht ist Weichspüler für Umwelt und Gesundheit?

Weichspüler soll dafür sorgen, dass die Wäsche schön weich wird und gut riecht. In den meisten Fällen schafft er das allerdings gar nicht und wirkt sich stattdessen negativ auf die Wäsche aus. Und: Weichspüler belastet Umwelt und Gesundheit.

Wie schlecht ist Weichspüler für Umwelt und Gesundheit?

Kuschelig-weiche Wäsche, einen guten Duft und lang anhaltende Frische: Das versprechen Weichspüler. Dafür haben sie allerdings einige Inhaltsstoffe, die am Ende auf unserer Haut und im Abwasser landen. Welche Auswirkungen haben Weichspüler auf Umwelt und Gesundheit?

Keine Grenzwerte für Duftstoffe

Weder in Wiesbaden noch in Mainz können Verantwortliche auf Merkurist-Anfrage sagen, welche Auswirkungen Weichspüler genau auf das Abwasser haben. In beiden Städten wurde das nicht untersucht. „Sicherlich haben Weichspüler verschiedener Hersteller unterschiedliche Zusammensetzungen und unterschiedliche Inhaltsstoffe oder Füllstoffe“, heißt es aus Wiesbaden. „Diese Inhaltsstoffe können sich unterschiedlich auf die Abwasserreinigung auswirken, beziehungsweise besser oder schlechter.“

„Deshalb gilt eigentlich die Faustregel: Nur so viel nutzen, wie wirklich nötig.“ - Mario Bast, Wirtschaftsbetrieb Mainz

Mario Bast vom Mainzer Wirtschaftsbetrieb fügt hinzu: „Grundsätzlich ist es so, dass einige der Schadstoffe (Tenside), die früher in Waschmitteln und Weichspülern waren, mittlerweile vollständig biologisch abbaubar sein müssen“. Für andere, wie beispielsweise Enzyme und Duftstoffe gebe es dagegen bisher keine gesetzlichen Grenzwerte. Und in den meisten Weichspülern sind vor allem besonders viele Duftstoffe enthalten, oft noch mehr als in Waschmitteln. Das heißt, es gelangen Chemikalien in die Umwelt. Offen ist auch, inwieweit Mikroplastik in Form verkapselter Duftstoffe ein Problem sein könnte. „Deshalb gilt eigentlich die Faustregel: Nur so viel nutzen, wie wirklich nötig.“

Das rät auch das Umweltbundesamt. „Weichspüler sollten immer nur dann eingesetzt werden, wenn man seine Funktionen auch wirklich benötigt, da es sich hierbei um einen zusätzlichen Eintrag von Chemikalien in die Umwelt handelt“, heißt es dort. „Wenn Sie nicht auf den Gebrauch von Weichspülern verzichten wollen, reduzieren Sie diesen und dosieren Weichspüler so sparsam wie möglich.“

Schlachtabfälle und Allergieauslöser

Die in Weichspülern enthaltenen Duftstoffe und Konservierungsstoffe wirken sich aber nicht nur auf die Umwelt aus. Sie können auch Allergien auslösen. Der deutsche Allergie- und Asthmabund (DAAB) versieht für Allergiker verträgliche Produkte mit einem grünen Label und veröffentlicht diese auch in einer Liste auf der eigenen Website. Dort ist aktuell nur ein Weichspüler zu finden - und zwar der unparfümierte „Denkmit Weichspüler - Ultra Sensitive“ von dm.

Ein weiterer Faktor, der nicht nur auf Vegetarier und Veganer befremdlich wirken dürfte: Die Tenside, die die Wäsche weich machen sollen, indem sie sich wie ein Schmierfilm um die Fasern legen, müssen zwar mittlerweile biologisch abbaubar sein. Sie sind aber oft weder vegetarisch noch vegan. Sie werden zum Teil aus pflanzlichen Fetten wie Palmöl gewonnen, dessen übermäßiger Anbau den Regenwald zerstört und ökologische und soziale Folgen für das Herstellungsland mitbringt. Ein großer Teil wird laut einer Recherche von „SWR Marktcheck“ darüber hinaus aber auch aus Schlachtabfällen gewonnen. Die Tenside können in der Waschmaschine Bakterien und Pilze nähren und dazu führen, dass die Waschmaschine zu stinken anfängt. Verbraucherschützer kritisieren, dass die Tenside aus Rindertalg nicht als solche klar deklariert werden müssen.

Weichspüler halten Versprechen nicht

Weichspüler sind also weder gut für die Umwelt, noch für unsere Gesundheit, und viele von ihnen enthalten noch dazu tierische Abfallprodukte. Halten sie bei all den Nachteilen dann wenigstens das, was sie versprechen? Nicht wirklich. Stiftung Warentest hat 2019 insgesamt 21 Weichspüler unter die Lupe genommen - nur sechs bekamen am Ende gute Qualitätsurteile, ein „sehr gut“ erhielt keines der Produkte. Denn die meisten Weichspüler machten die Wäsche am Ende gar nicht wirklich weich. Außerdem verloren die Fasern in den meisten Fällen ihre Saugfähigkeit. Auch die Farben verblassten in vielen Fällen schneller als ohne Weichspüler. Testsieger waren Lenor Aprilfrisch (2,3) und der Doussy Sensitiv Weichspüler von Lidl (2,3), unter den Öko-Produkten hat der Frosch Mandelmilch Pflege-Weichspüler (2,6) gewonnen.

Auch Stiftung Warentest resümiert deshalb: „Fest steht: Jedes Waschen mit Weichspüler belastet die Umwelt - auch durch Einflüsse von Produktion, Transport und Entsorgung. Auch wenn durch die Verwendung von Weichspülern Farben eher verblassen oder Fasern leiden, muss der Verbraucher die Textilien womöglich sogar vorzeitig ersetzen.“ Deshalb sollte Weichspüler wenn überhaupt sparsam eingesetzt werden.

Umweltschonend waschen

Nicht nur der Einsatz von Weichspüler ist nicht besonders umweltschonend, Waschen insgesamt kann ein echter Umweltsünder sein. Es ist energieaufwändig, man verbraucht Wasser und belastet das Abwasser auch mit Waschmittel. Deshalb sollte man am besten möglichst umweltschonend waschen. Der Naturschutzbund (NABU) und das Umweltbundesamt geben dazu folgende Tipps:

  • Waschmaschine voll beladen und die richtige Waschmittel-Dosierung nutzen. Für normale Wäsche im Haushalt reicht meist die leichte Dosierung aus, die auf der Packung empfohlen wird.

  • Bestenfalls keine Weichspüler nutzen.

  • Nicht zu heiß waschen, denn „niedrige Temperaturen sparen Energie“, so der NABU. Für die meisten Waschgänge reiche eine Temperatur von 30 oder 40 Grad vollkommen aus. Einmal im Monat sollte man aber auf 60 Grad waschen, damit sich keine Keime bilden.

  • Lieber Pulver- statt Flüssigwaschmittel verwenden, da Pulverwaschmittel keine Konservierungsstoffe brauchen und weniger Tenside enthalten.

  • Am besten auf Duftstoffe, Duftperlen und Hygienespüler verzichten. Hygienespüler sind in den meisten Fällen überflüssig. Sie enthalten Biozide, die zwar Keime abtöten, aber auch den Mikroorganismen in Kläranlagen oder Wasserorganismen schaden können.

  • Auf Öko-Siegel achten. Der NABU empfiehlt Waschmittel mit dem Umweltzeichen „Blauer Engel“, da die Kriterien beispielsweise noch etwas strenger sind als beim „EU-Ecolabel“.

  • An der Luft trocknen statt im Trockner, um Energie zu sparen.

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