Fastnacht und Nachhaltigkeit — Passt das zusammen?

Bald ist es wieder soweit: Die Jecken und Narren gehen auf die Straßen, feiern ausgelassen und produzieren dabei haufenweise Müll. Lässt sich die fünfte Jahreszeit auch umweltbewusst feiern? Und wie sieht es bei uns in Wiesbaden diesbezüglich aus?

Fastnacht und Nachhaltigkeit — Passt das zusammen?

Laut Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) haben Hessens Narren durchaus Nachholbedarf in Sachen Umweltschutz. „Natürlich sollen Karnevalsumzüge weiter stattfinden, aber es schadet nicht, sich Gedanken zu machen, wie sie umweltfreundlicher und nachhaltiger gestaltet werden können“, so Michael Rothkegel, Geschäftsführer des BUND in Frankfurt.

Erste Vorreiter gebe es bereits, nämlich einige Initiativen, die sich beispielsweise für den Einsatz von fair gehandelten Kamellen als Wurfmaterial während der Faschingsumzüge einsetzten. Allen voran die Stadt Gießen, die bereits seit 2011 zu 100 Prozent fair gehandelte Blumen und Kamellen wirft. Auch Plastikverzicht und der Einsatz von umweltfreundlichem Wurfmaterial wird immer wieder diskutiert.

Situation in Wiesbaden

Doch wie sieht es konkret bei uns in Wiesbaden aus? Grundsätzlich ist zu beobachten, dass die Fastnachtsvereine sich mit diesem Thema bisher nur in Ansätzen beschäftigt haben. Trotzdem gibt es schon vereinzelte positive Beispiele. So sammeln „Die Spinner“ seit fünf Jahren ganzjährig gebrauchte Kuscheltiere, die beim Umzug am Fastnachtssonntag an Kinder verteilt werden.

„Unsere Idee kommt sehr gut an.“ - Silvia Wohlgemuth

„Unsere Idee kommt sehr gut an“, sagt Silvia Wohlgemuth. Außerdem verzichte der Verein auf Süßigkeiten, die einzeln in Plastik verpackt sind und Berge von Müll produzieren. Deshalb verteile man eher Chipstüten, Keksrollen oder auch kleine Kuchen. Darüber hinaus ist der Umzugswagen aus Holz gebaut und mit Stoffen dekoriert. „Das hält mehrere Jahre und muss nicht wie bei der bunten Fastnachtsfolie jedes Jahr erneuert werden“, erklärt Wohlgemuth.

Auch die „Wiesbadener Marktplatz-Buben“ haben sich bereits mit dem Thema Nachhaltigkeit befasst. Sie verzichten auf Strohhälme und benutzen nur Gläser und Becher aus Hartplastik. „Diese werden gespült und wiederverwendet“, so der 1. Vorsitzende der Buben, Harald Schedel.

Ebenfalls nachhaltig feiert die Bäckerei Klein, die in Zusammenarbeit mit ihrem Lieferanten ein palmfettfreies Frittierfett aus nachhaltigen Rohstoffen entwickelt hat, das den Geschmack des süßen Gebäcks nicht beeinflusst. Die Kreppel enthalten zudem Transfettsäuren unter zwei Prozent.

Auffallend ist jedoch, dass das Thema Nachhaltigkeit noch nicht überall an der Tagesordnung steht. Wie beispielsweise bei den „Sonnenberger Käuzchern“. Ein Mitglied erzählt: „Wir haben uns noch nicht mit dem Thema auseinandergesetzt. Nicht, dass wir das Thema bewusst nicht angehen, aber wir kamen bisher nicht auf diese Idee.“ Potenzial für die nächste Session ist also noch vorhanden. (ts)

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