Wiesbaden verbietet Glyphosat auf städtischem Boden

Das Pflanzenschutzmittel Glyphosat steht seit einigen Jahren in der Kritik von Umweltschützern. Ein Beschluss des Umweltausschusses Wiesbaden verbietet das Mittel jetzt auf landwirtschaftlichen Flächen, die der Stadt gehören.

Wiesbaden verbietet Glyphosat auf städtischem Boden

Auf Feldern und Ackerflächen, die der Stadt Wiesbaden gehören, soll der Einsatz des Pflanzenschutzmittels Glyphosat bald verboten werden. Das hat der Umweltausschuss bei einer Sitzung am Dienstag beschlossen.

Umstrittenes Mittel

Das Unkrautvernichtungsmittel ist in den vergangenen Jahren immer wieder in die Diskussion geraten, auf EU-Ebene scheiterten bisher jedoch alle Anträge, die auf ein generelles Verbot des Mittels abzielten. Ein Antrag der Grünen verlangte nun nach einem Verbot in Wiesbaden auf Feldern, die der Stadt gehören. „Vor allem die Biodiversität leidet unter dem Einsatz von Glyphosat, da es nicht selektiv, sondern unterschiedslos auf den Stoffwechsel aller Pflanzen einwirkt“, argumentieren die Grünen.

Widerspruch mit Zielen der Stadt

Auch das Bundesumweltamt sorge sich wegen dieser Wirkungsweise, da sie zur Vernichtung von Kräutern, Wildblumen und Gräsern auf Ackerflächen führe, und somit auch vielen Tieren und Insekten ihre Lebensgrundlage nehme.

„Dies widerspricht den Zielen der Landeshauptstadt Wiesbaden, die sich nachdrücklich für den Erhalt von Tier- und Pflanzenarten in der Kulturlandschaft einsetzt“, heißt es weiter in dem Antrag. Auch auf das Thema Trinkwasser gingen die Politiker ein, da es verunreinigt werden könnte, wenn Glyphosat auf den Feldern versickere und ins Grundwasser gelange.

Zustimmung der SPD

Dass das Thema bereits vor zwei Jahren wegen der gleichen Argumente auf der Tagesordnung des Ausschusses stand, gibt Gerhard Uebersohn von der SPD zu bedenken. „Schon damals ein wichtiges Argument gegen ein Verbot war der Schutz der Bauern, die mit Glyphosat effektiver arbeiten können. Sie ersparen es sich, Unkraut von Hand zu entfernen.“ Die Sozialdemokraten hätten diese Perspektive zwar im Blick, seien jedoch überzeugt davon, dass der Artenschutz in der Natur Vorrang habe.

Außerdem sagt Uebersohn, dass das Pflanzenschutzmittel zwar schon intensiv erforscht wurde, jedoch nicht ganz sicher sei, ob der Stoff auch krebserregend ist. „Die Öffentlichkeit ist besonders besorgt, weil die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bisher nicht ausschließen konnte, dass Glyphosat krebserregend ist. Wir denken aber, dass wir nicht nicht auf eindeutige Ergebnisse warten dürfen, sondern schon aus reiner Vorsorge auf den Gebrauch verzichten sollten.“

Antrag beschlossen

Zwar könne die Stadt den Einsatz des Mittels auf privaten landwirtschaftlichen Flächen nicht verbieten, doch in Zukunft sollen Felder, die der Stadt gehören, glyphosatfrei bleiben. Wer einen Pachtvertrag mit der Stadt abschließt oder verlängert, muss sich zudem verpflichten, das Mittel nicht einzusetzen. Zwar stimmten CDU und FDP dagegen, die Stimmen der übrigen Parteien genügten jedoch, dass der Antrag durchgesetzt wird.

Logo