Kann dieser Aufsteller für bessere Luft sorgen?

Mit sogenannten „City Trees“ will die AfD-Rathausfraktion die Wiesbadener Luft verbessern. Doch was steckt hinter diesen Bäumen - und warum hat der Umweltausschuss den Vorschlag auf die lange Bank geschoben?

Kann dieser Aufsteller für bessere Luft sorgen?

Sie sind vier Meter hoch, drei Meter breit und sollen die Rettung für schadstoffgeplagte Innenstädte sein: Die sogenannten „City Trees“ sehen aus wie vertikale Minigärten aus der Zukunft. Mit einem speziellen Moos bepflanzt, sollen sie auf einer Fläche von zwölf Quadratmetern so viele Schadstoffe absorbieren wie 275 Stadtbäume. Zudem sollen die Mooswände Sauerstoff produzieren und die Umgebungsluft kühlen. Erfunden hat sie das Start-Up Green City Solutions aus Dresden, das mit seiner Idee auch die AfD-Rathausfraktion überzeugen konnte. Sie will nun in eine Pilotprojekt die Aufsteller auch nach Wiesbaden bringen.

Ein Baum für 26.000 Euro

„Der 'City Tree' ist hervorragend, um die Luftreinigung für die Bürger sichtbar zu machen.“ - Robert Lambrou, AfD

„Der 'City Tree' ist hervorragend, um die Luftreinigung für die Bürger sichtbar zu machen“, sagt AfD-Fraktionsgeschäftsführer Robert Lambrou, dessen Partei im Umweltausschuss für die Dresdener Erfindung warb. Dieser zeigt sich gegenüber den Aufstellern zurückhaltender und vertagte den Antrag der AfD bis ins kommende Frühjahr.

Es fehle an Daten, lautete die Begründung. Zudem koste ein einziger „City Tree“ 26.000 Euro. „Die 'City Trees' sind eine neue Idee, die derzeit von einigen Städten erprobt wird“, sagt der Ausschussvorsitzende Ronny Maritzen (Grüne). „Da die Idee aber schon anderweitig erprobt wird, sind wir gut beraten, zuerst diese Städte zu beobachten und aus ihren Ergebnissen selbst Schlüsse zu ziehen.“

Alle blicken nach Stuttgart

„Wenn im Frühjahr 2018 die Stuttgarter Handlungsempfehlungen vorliegen, wollen wir näher in die Diskussion einsteigen.“ - Dezernat für Umwelt und Verkehr

Tatsächlich stammen die Schadstoffaufnahmewerte aus Laborversuchen - wie viele Bäume ein „City Tree“ tatsächlich ersetzen kann, muss die Praxis noch zeigen. Pilotprojekte laufen derzeit in mehreren deutschen Städten. Als besonders wertvoll gelten dabei die Ergebnisse aus Stuttgart, das laut Dezernat eine ähnliche Kessellage aufweise wie Wiesbaden. „Wenn im Frühjahr 2018 die Stuttgarter Handlungsempfehlungen vorliegen, wollen wir näher in die Diskussion einsteigen“, sagt eine Referentin des Dezernats für Umwelt und Verkehr.

Die AfD-Rathausfraktion will lieber eigene Ergebnisse sehen. „Natürlich kann man die Pilotprojekte abwarten, aber man kann sich auch an die Spitze setzen“, sagt Lambrou, der bezweifelt, dass die Stuttgarter Schlüsse auf Wiesbaden übertragbar seien. Seine Fraktion könne sich indes vorstellen, dass Sponsoren die Kosten für einen „City Tree“ übernehmen und im Gegenzug neben der Moosfläche für sich werben dürfen.

Merkurist