Wiesbaden benennt Straßen um: Was hinter der Aktion steckt

Wegen der Verstrickung ihrer Namensgeber in NS-Unrecht werden in Wiesbaden mehrere Straßen umbenannt. Eine Straße ehrt nun den verstorbenen Alt-Oberbürgermeister Hans-Joachim Jentsch.

Wiesbaden benennt Straßen um: Was hinter der Aktion steckt

In Wiesbaden werden aktuell mehrere Straßen umbenannt, da die bisherigen Namensgeber in nationalsozialistisches Unrecht verstrickt waren. Wie die Landeshauptstadt Wiesbaden mitteilt, wurde am Montag (31. August) die bisherige Heinrich-Pette-Straße in Bierstadt offiziell in Hans-Joachim-Jentsch-Straße umbenannt.

Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) enthüllte das neue Schild gemeinsam mit dem Ortsbeirat und der Witwe des 2021 verstorbenen Alt-Oberbürgermeisters, Doris Jentsch. „Mit der Umbenennung in Hans-Joachim-Jentsch-Straße setzen wir ein Zeichen für eine Stadt, die bewusst Menschen ehrt, die für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit stehen“, so Mende. Der Jurist und CDU-Politiker Jentsch war unter anderem Oberbürgermeister von Wiesbaden, Richter am Bundesverfassungsgericht und Ehrenbürger der Stadt.

Die neuen Schilder werden am Montag und Dienstag angebracht. Außer der Heinrich-Pette-Straße erhalten fünf weitere Straßen neue Namen: Die Christian-Bücher-Straße in Schierstein wird zur Hafenstraße, die Gerhardt-Katsch-Straße in Bierstadt zur Anna-von-Doemming-Straße. In Nordost wird die Jonas-Schmidt-Straße zu Am Hof Geisberg. Im Stadtteil Südost heißt die Elmendorffstraße künftig Elisabeth-Schwarzhaupt-Straße, und die Viktoria-Luise-Straße wird zur Eva-Hesse-Straße.

Bei zwei Straßen wird die Widmung des Namens geändert. Die Kronprinzenstraße in Mitte ist künftig nicht mehr Kronprinz Wilhelm von Preußen, sondern allgemein dem Amt des Kronprinzen gewidmet. Die Overbeckstraße in Südost bezieht sich nun auf den Maler Johann Friedrich Overbeck statt auf Friedrich Theodor Overbeck, der die NS-Propaganda in Wiesbaden leitete.

Historische Kommission prüfte 71 Biografien

Grundlage für die Änderungen ist die Arbeit einer Historischen Fachkommission. Diese wurde im Dezember 2020 von der Stadtverordnetenversammlung eingesetzt, um die Biografien von Namensgebern auf eine mögliche NS-Belastung zu überprüfen. Zwischen 2021 und 2023 untersuchte die Kommission 71 Biografien und empfahl für 18 Personen eine Umbenennung oder Umwidmung.

Die Empfehlungen wurden den Ortsbeiräten zur Diskussion vorgelegt. Diese folgten der Empfehlung in zwölf Fällen, für die übrigen wurde eine Kontextualisierung beschlossen, also eine erklärende Einordnung.

Informationen für Anwohner und Interessierte

Die Anwohner der betroffenen Straßen wurden laut Stadt schriftlich informiert. Für die Änderung der Adresse auf Personalausweisen und in Fahrzeugscheinen versendet das Bürgerbüro Adressaufkleber. Die Kosten dafür übernimmt die Stadt.

Die Ergebnisse der Kommissionsarbeit hat das Stadtarchiv Wiesbaden im digitalen Stadtlexikon veröffentlicht. In Zusammenarbeit mit dem Tiefbau- und Vermessungsamt wurde zudem eine interaktive Online-Karte entwickelt, die den Prozess visualisiert und dokumentiert.