In Wiesbaden-Bierstadt ist eine Straße umbenannt worden, um eine bedeutende Frau der Stadtgeschichte zu ehren. Wie das Frauenmuseum Wiesbaden mitteilt, trägt die bisherige Gerhardt-Katsch-Straße nun den Namen Anna-von-Doemming-Straße.
Der bisherige Namensgeber, der Mediziner Gerhardt Katsch, gilt wegen seiner Verstrickung in den Nationalsozialismus als belastet. Mit Anna von Doemming wird nun die erste Zahnärztin Wiesbadens und eine bedeutende Frauenrechtlerin gewürdigt.
Frauen im Stadtbild sichtbar machen
Die Umbenennung steht im Zeichen des Projekts „femorial“ des Frauenmuseums Wiesbaden, das sich für die Sichtbarkeit von Frauen im öffentlichen Raum einsetzt. Die Initiative für die Benennung ging von der Fraktion Die Linke aus.
Am vergangenen Freitag kamen Schüler der Martin-Niemöller-Schule am neuen Straßenschild mit dem Frauenmuseum ins Gespräch. Die Jugendlichen hatten sich bereits bei einer Schulaktion zum Weltfrauentag mit Anna von Doemming als Pionierin beschäftigt. Das Museum kritisiert, dass Frauen im Wiesbadener Straßenbild noch immer deutlich unterrepräsentiert seien. Während über die Neubenennung der nahen Hans-Joachim-Jentsch-Straße ausführlich berichtet worden sei, habe die neue Namensgeberin Anna von Doemming kaum Erwähnung gefunden.
Wer war Anna von Doemming?
Anna von Doemming wurde 1843 geboren und starb 1922. Sie studierte in den USA Zahnmedizin und ließ sich danach in Wiesbaden nieder. Hier wurde sie zur ersten Zahnärztin der Stadt und zur 14. in ganz Deutschland. Bis 1909 praktizierte sie in Wiesbaden.
Außer ihrem Beruf setzte sie sich für die Bildung und die Rechte von Frauen ein. Sie engagierte sich unter anderem für das erste deutsche Mädchengymnasium in Karlsruhe und initiierte in Wiesbaden verschiedene frauenpolitische Aktivitäten, wie die Gründung des ersten Damenclubs.