Wie kommen die neuen Fahrradampeln in Wiesbaden an?

In Wiesbaden gibt es mittlerweile einige eigene Ampeln für Radfahrer - weitere sollen folgen. Aber noch müssen sich viele Verkehrsteilnehmer an sie gewöhnen.

Wie kommen die neuen Fahrradampeln in Wiesbaden an?

Wiesbaden soll von der fahrradunfreundlichsten Großstadt des Landes zu einer Stadt werden, in der man sich gerne auf den Sattel schwingt. Um dieses Ziel zu erreichen hat sich auf den Wiesbadener Straßen schon einiges verändert. So sind unter anderem viele neue Radwege entstanden. Aktuell wird die Verkehrsführung an neuen Wege und die steigende Zahl der Radfahrer angepasst — durch die Digitalisierung der Ampelanlagen aber auch mithilfe eigener Fahrradampeln.

„Fahrradampeln helfen den Radverkehr zu verflüssigen und sind sinnvoll.“ - Günni Langer, ADFC

„Spezielle Fahrradampeln sind in Wiesbaden noch selten“, sagt Günni Langer vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) in Wiesbaden. Sie finden aktuell vor allem beim Signalisieren des indirekten Linksabbiegens Anwendung, also an Stellen, an denen Fahrradfahrer Kreuzungen nicht über einen Radweg queren können und stattdessen mithilfe von Abbiegetaschen und Ampeln abbiegen dürfen (wir berichteten). Der ADFC findet die Ampeln gut: „Fahrradampeln helfen den Radverkehr zu verflüssigen und sind sinnvoll.“ Die eigenständige Signalisierung der Ampeln ermögliche es, Rücksicht auf die mittlere Geschwindigkeit der Radfahrer zu nehmen und bisherige Graubereiche aufzulösen.

Konfliktpotenzial an der Alten Schmelze?

Doch wenn etwas neu ist, dann läuft meist nicht alles vom ersten Tag an rund. So findet Merkurist-Leser Zacharias die Schaltung der neuen Fahrradampel an der Kreuzung Saarstraße/Alte Schmelze nicht optimal, weil sie zu gefährlichen Situationen führe:

Rolf Schmidt, aus der Abteilung Verkehrstechnik im Tiefbau- und Vermessungsamt, haben schon einige Fragen rund um die Verkehrsführung an Fahrradampeln und das indirekte Linksabbiegen erreicht. Oftmals sei das darauf zurückzuführen, dass diese Form der Verkehrsführung in vielen Kommunen noch nicht in größerem Umfang eingesetzt wurde und deshalb die Erfahrung damit fehle.

„Das Foto wurde wohl in den 4 Sekunden gemacht, die der Radfahrer länger grün als der Fußgänger hat.“ - Rolf Schmidt

„In dem beschriebenen Fall an der Saarstraße/Alte Schmelze erhalten der Autofahrer aus der alten Schmelze kommend sowie die Fußgänger und der links abbiegende Radfahrer gleichzeitig grün. Der Fußgänger erhält jedoch eher rot, da er länger braucht, um die Fahrbahn zu räumen und daher früher vom Betreten der Fahrbahn abgehalten werden muss“, erklärt Schmidt. Wäre das nicht der Fall, würde er sich — anders als der schnellere Radfahrer — noch auf der Fahrbahn befinden, wenn der Verkehr auf der Saarstraße wieder grün erhält. „Das Foto wurde wohl in den 4 Sekunden gemacht, die der Radfahrer länger Grün als der Fußgänger hat.“

Insgesamt schätzt das Amt die Verkehrsführung wie sie an der Kreuzung an der Alten Schmelze durchgeführt wird, als unbedenklich ein, weil Autofahrer und Radfahrer gleichzeitig grün erhalten, somit auch gleichzeitig losfahren und sich gut sichtbar entgegenkommen. So sollte der Autofahrer keine Probleme haben, den Radfahrer zu erkennen und ihm seine Vorfahrt, die er als durchfahrender Radfahrer oder Fußgänger gegenüber einem abbiegenden Autofahrer hat, zu gewähren. Auch der ADFC sieht dort keine Gefahr und ist mit den Steuerungen der Ampeln zufrieden.

Ampeln brauchen noch Gewöhnungszeit

„Neuerungen benötigen immer eine gewisse Zeit der Gewöhnung und Anpassung.“ - Günni Langer

Aber: „Neuerungen benötigen immer eine gewisse Zeit der Gewöhnung und Anpassung“, so Günni Langer vom ADFC. „An das indirekte Linksabbiegen samt Fahrradampeln werden sich die Menschen gewöhnen und die Vorurteile schätzen lernen.“ Auch die Radfahrer selbst müssen sich noch daran gewöhnen. So sei zum Beispiel die getrennte Signalisierung für den Rad- und Fußverkehr, wie am Platz der Deutschen Einheit Richtung Innenstadt, zuerst irritierend. Der Radfahrende muss so nicht auf Höhe der Mittelinsel anhalten, sondern kann in einem Rutsch die Straße überqueren. Am Hauptbahnhof, wo es keine Trennung gibt, sei Rücksichtsnahme gefragt um Konflikte zu verhindern. „Hier wünscht sich der ADFC Wiesbaden Markierungen“, so Langer.

Zurzeit werden auch die Ampeln am ersten Ring mit eigenen Fahrradampeln ausgestattet. Dort werden verkehrsabhängige Steuerungen implementiert, die die Radfahrer erkennen und die Grünzeit entsprechend anfordern oder auch verlängern können. (ts)

Logo