Wie Friseure und Kosmetiker mit der Corona-Krise umgehen

Vor zwei Wochen mussten Dienstleister wie Friseure und Kosmetiker ihren Betrieb einstellen. Auch sie machen jetzt schwere Zeiten durch, lassen sich aber auch neue Wege einfallen, um durch die Krise zu kommen.

Wie Friseure und Kosmetiker mit der Corona-Krise umgehen

„Mein Vater ist seit 1966 in dem Beruf tätig und sowas wie derzeit haben wir noch nie erlebt“, erzählt Lisa Maria Thümmler. Ihren Eltern Harald und Maria gehört der Friseursalon „Thümmler Frisuren“ in der Bahnhofstraße, den sie selbst im kommenden Jahr übernehmen wird. Das Coronavirus trifft den Salon - wie viele andere - hart.

Friseure hatten es schon vor der Schließung schwer

Nachdem Fitnessstudios und andere Einrichtungen schon früher geschlossen wurden, mussten Dienstleister wie Friseure erst am 23. März auf Bundesanordnung schließen. Dadurch bekam der Salon die Auswirkungen des Virus schon vor der endgültigen Schließung deutlich zu spüren. Trotz erhöhter Sicherheitsmaßnahmen erlebte das Team Anfeindungen im Netz, erzählt Lisa Maria Thümmler. Viele Menschen hätten nicht verstanden, warum der Salon überhaupt noch offen hatte. Früher schließen wollte „Thümmler Frisuren“ aber nicht - aus Sorge vor fehlender staatlicher Unterstützung.

„Da hat mir die Konsequenz gefehlt.“ - Alexander von Trentini

Ähnliche Erfahrungen hat auch Alexander von Trentini vom Friseursalon „von Trentini Friseure“ gemacht. Besonders als die Anordnung kam, man solle 1,5 Meter Abstand zueinander halten und am besten Zuhause bleiben, standen die Telefone des Salons nicht mehr still. Denn für Friseure war das kaum möglich. Es herrschte Angst und Verunsicherung. „Da hat mir die Konsequenz gefehlt, zu sagen, alles was mit Körperkontakt zu tun hat, muss gleichzeitig schließen“, sagt der Star-Friseur. „Wir waren deshalb erleichtert, als es hieß, die Friseure schließen auch — aber unternehmerisch gesehen war das natürlich ein riesengroßer Schlag.“

Neue Ideen entwickelt

„Man muss innovativ sein, um als Unternehmer durchzuhalten.“ - Alexander von Trentini

Trotz der wirtschaftlichen Herausforderung und der Sorgen haben sich aber auch neue Ideen entwickelt. „Man muss innovativ sein, um als Unternehmer durchzuhalten“, sagt von Trentini. Von seinem Team kann man sich jetzt Haarfarben individuell anmischen und sie sich nach Hause liefern lassen. Über ein Video und die Instagram-Seite des Salons zeigen die Friseure, wie man sie sich selbst aufträgt. Auch Pflegeprodukte und Gutscheine bietet der Salon weiterhin an. Das laufe sehr gut, so von Trentini. Viele der Kunden hätten außerdem Spenden überweisen und ausgefallene Termine trotzdem bezahlt. „Wir haben so viele tolle Gesten von Kunden bekommen, das finde ich super schön.“

Und auch das Team von „Thümmler Frisuren“ erlebt Solidarität von seinen Kunden. Auch sie liefern mittlerweile Haarfarben und andere Produkte nach Hause. „Unsere Kunden sind super lieb von Anfang an und freuen sich, dass wir den Service anbieten“, so Lisa Maria Thümmler.

Auch Kosmetiksalons bleiben teilweise im Geschäft

Ähnliche Ideen lassen sich auch andere Dienstleister im Bereich Körperpflege und Schönheit einfallen, die mit den Friseuren schließen mussten. Sina Löbelt vom Kosmetiksalon „Kosmetik für Körper und Seele“ hat ihren eigenen Salon erst im vergangenen Jahr eröffnet. „Es ist heftig, wenn man etwas hochzieht und dann zugucken muss, wie es fällt. Man hat Existenzängste“, sagt sie. Trotzdem will sie versuchen, weiterhin für ihre Kunden da zu sein. Über Instagram steht sie für Fragen rund um Kosmetik zur Verfügung und erfährt große Unterstützung. „Es ist für uns alle eine schwere Situation, aber man spürt auch viel Menschlichkeit“, sagt sie. Auch bei ihr kann man weiterhin Produkte und Gutscheine abholen, um sie zu unterstützen.

„Ich bin nicht entspannt, aber ich bin auch nicht verzweifelt, weil ich fühle, dass es weitergeht.“ - Silvia von Kutzschenbach

Silvia von Kutzschenbach von „Cosmetics & more“ auf der Wilhelmstraße hat sich neben ihrem Abhol- und Lieferservice noch etwas Neues einfallen lassen. Sie schickt jetzt täglich bis Ostern einen kostenlosen Newsletter an ihre Kunden. Darin gibt sie auch in Form von Videos Tipps rund um die Schönheit. Außerdem hat sie eine Facebook-Gruppe zum Austausch gegründet. „So wie die ganzen Fitnessstudios jetzt Online-Kurse anbieten, mache ich jetzt Beauty“, sagt sie. Sie versucht die schwierige Situation anzunehmen und sich dadurch weiterzuentwickeln. „Ich bin nicht entspannt, aber ich bin auch nicht verzweifelt, weil ich fühle, dass es weitergeht.“

Auf Unterstützung angewiesen

Sowohl die beiden Friseursalons als auch die Kosmetikerinnen hoffen jetzt auf das Hilfsgeld der Bundesregierung für Selbstständige, um die nächsten Wochen stemmen zu können. Denn die neuen Ideen, die sie entwickelt haben, ersetzen lange nicht die Einnahmen, die sie im Normalfall gemacht hätten. Wie es in Zukunft für sie weitergeht, können sie alle jetzt noch nicht sagen. Sie sind wie viele andere darauf angewiesen, dass die Wiesbadener die inhabergeführten Läden in ihrer Stadt jetzt und auch nach der Krise weiterhin unterstützen. (ab)

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