Wiesbadener kaum bereit, ihr Auto stehen zu lassen

Ein Umfrage der Stadt hat die Wiesbadener zu ihrem Verkehrsverhalten befragt. Das Ergebnis zeigt, dass das Fahrrad für die meisten Bürger noch keine Alternative darstellt. Auch an der Citybahn gibt es kaum Interesse.

Wiesbadener kaum bereit, ihr Auto stehen zu lassen

Kaum ein Thema ist in Wiesbaden aktuell so brisant wie der Verkehr in der Stadt. Sei es der vernachlässigte Radverkehr, die schlechte Parkplatzsituation oder das Mammutprojekt Citybahn: Wenn es um die Fortbewegung geht, gehen die Meinungen weit auseinander. Um die genaue Stimmung einzufangen, hat die Stadt jetzt eine Bürgerumfrage zum Thema Verkehr veröffentlicht. Das Ergebnis ist eher ernüchternd.

Autoverkehr

Ein großes Ziel der geplanten Verkehrswende in Wiesbaden ist es, den individuellen Autoverkehr in der Stadt zu reduzieren und die Menschen zum Umstieg auf das Fahrrad oder den Bus zu bewegen. Das scheint bisher aber nicht zu klappen: Im Vergleich zur letzten Umfrage zu dem Thema im Jahr 2016 ist die Zahl der täglichen Autonutzer um 2 Prozent auf 55 gestiegen. Besonders hoch ist der Anteil bei Familien mit Kindern, die eher in den Randbezirken Wiesbadens wohnen. Dort nutzen 70 Prozent jeden Tag das Auto. Anders sieht es in der Innenstadt aus, hier nimmt nur jeder dritte täglich das Auto.

Dazu fällt bei der Umfrage auf, dass die Wiesbadener weiterhin sehr an ihrem eigenen Auto hängen. Car-Sharing Angebote werden von 85 Prozent der Befragten gar nicht benutzt und nur 1 Prozent nutzen es mehr als ein Mal im Monat. Und obwohl so viele das Auto nutzen, sind nur 32 Prozent der Befragten mit der Infrastruktur für Autofahrer zufrieden.

Fahrrad

Die Idee der Stadtpolitik, mehr Wiesbadener zum Umstieg auf das Fahrrad zu bewegen, hat in den vergangenen Jahren noch nicht funktioniert. Lediglich 12 Prozent der Wiesbadener nutzen täglich das Rad, im Jahr 2016 waren es im Vergleich nur ein Prozent weniger. Und während vor drei Jahren 40 Prozent der Wiesbadener ihr Fahrrad nie benutzen, waren es 2018 sogar 50 Prozent.

Ein Grund dafür könnte die Fahrradinfrastrutkur in der Stadt sein, die von den Befragten schon seit Jahren stark bemängelt wird. 55 Prozent zeigen sich damit sehr unzufrieden, nur 11 Prozent geben den Radwegen in der Stadt ein gutes Zeugnis.

ÖPNV

Etwas besser sieht es für den Wiesbadener Busverkehr aus. Mit 27 statt 25 Prozent der Befragten nutzen etwas mehr Wiesbadener den öffentlichen Verkehr für ihre täglichen Wege als noch vor drei Jahren. Besonders Menschen unter 30 fahren häufig mit dem Bus: In dieser Altersgruppe steigt jeder Zweite ein. Die meisten Nutzer der Busse wohnen in der Wiesbadener Innenstadt. Dazu sind die Wiesbadener mit ihrem öffentlichen Nahverkehr sehr zufrieden. 57 Prozent der Befragten sind sehr zufrieden, 25 werten neutral und nur 16 zeigen sich unzufrieden.

Was wollen die Wiesbadener

Neben Fragen zur Zufriedenheit mit der aktuellen Verkehrssituation, wurden die Bürger in der Studie auch gefragt, bei welchen Punkten in Wiesbaden sie sich Verbesserungen wünschen. Auch hier zeigt sich, dass für die Wiesbadener weiterhin das Auto als wichtigstes Fortbewegungsmittel sehen. Zwar ist die Forderung nach einem Ausbau der Radwege die am meisten gewünschte Maßnahme, darauf folgen aber vorrangig Verbesserungsvorschläge für den Autoverkehr.

Mehr als die Hälfte der Befragten wünscht sich mehr Parkplätze in der Stadt und ein besseres Baustellenmanagement. Darauf folgen die Wünsche, den ÖPNV in der Stadt zu verbessern. So fordern die Hälfte der Befragten eine bessere Taktung der Buslinien sowie eine andere Preisgestaltung.

Kaum Interesse zeigen die Befragten aber anscheinend für den Bau der Citybahn. Nur 21 Prozent empfinden das Projekt als wichtig, über 60 Prozent sehen es als unnötig, für keine der abgefragten Maßnahmen konnten sich weniger Befragte begeistern. (ts)

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