Fußgängerzone Wellritzstraße: Gemischte Gefühle bei Restaurantbetreibern

Seit über 100 Tagen ist ein Teil der Wellritzstraße nicht mehr für Autos befahrbar. Wie kommt das Experiment bei Anwohnern und Ladenbetreibern in der Straße an?

Fußgängerzone Wellritzstraße: Gemischte Gefühle bei Restaurantbetreibern

Seit über drei Monaten sind Autos in der Wellritzstraße zwischen Hellmund- und Helenenstraße tabu. Mindestens ein Jahr lang wird der Abschnitt eine Fußgängerzone sein, bevor die Stadt entscheidet, ob das auch in Zukunft so bleiben wird. Im Vorfeld hatten sich viele Anwohner und Ladenbetreiber auf die autofreie Straße gefreut. Hat sich nach über 100 Tagen Fußgängerzone etwas daran geändert?

Weniger Lärm, mehr Außenbereiche

Adriana findet es gut, wie sich die Straße entwickelt hat. Sie lebt schon seit 27 Jahren und damit ihr ganzes Leben lang in der Wellritzstraße. „Früher sind die Leute hier nachts durchgebrettert, morgens konnte man nicht schlafen und die Einfahrten waren zugeparkt, jetzt ist das viel besser“, erzählt sie. Wenn es nach ihr ginge, könnte die Zone aber noch länger sein. Sie betreibt das „Café Piazza Italia“ und macht nebenan bald eine Pizzeria auf. Beide Läden befinden sich allerdings hinter der Kreuzung zur Hellmundstraße und damit knapp außerhalb der Fußgängerzone. „Dann könnte ich dort auch eine schöne Terrasse hinbauen.“

Ivana wohnt ebenfalls in der Wellritzstraße. Sie hatte eigentlich auch vorher kein Problem mit ihrem Wohnort: „Mich hat der Lärm nie gestört“, sagt sie. Allerdings habe sie gehört, dass sich Nachbarn jetzt von den Kindern vom Kinderzentrum Wellritzhof, die seit die Zone eröffnet wurde mittags auf der Straße spielen, gestört fühlen. „Mich stört das aber nicht.“ Ein anderer Anwohner, findet die Veränderungen in der Straße gut, solange er selbst noch mit seinem Auto in seine Einfahrt fahren darf. Er geht gerne in den vielen neuen Außenbereichen der Restaurants essen.

Noch immer zu viele Autos

„Die Leute kommen hier fast wie in der Innenstadt am Wochenende zum Spazieren vorbei, man sieht viel mehr Familien mit Kinderwägen.“ - Cem, Wellritz Grill

Eines davon ist der Wellritz Grill. Dort gibt es jetzt einen überdachten Außenbereich. „Es ist hier viel schöner geworden“, sagt Cem, der in dem Restaurant arbeitet. „Die Leute kommen hier fast wie in der Innenstadt am Wochenende zum Spazieren vorbei, man sieht viel mehr Familien mit Kinderwagen“, sagt er.

Trotzdem hätte er noch ein paar Verbesserungsvorschläge. So würde er die Zone bis zur Schwalbacher Straße verlängern, damit auch die anderen Restaurants Außenbereiche schaffen können und noch mehr Innenstadtcharakter in die Straße komme. „Es fahren leider auch immer noch ein paar Autos hier vorbei“, sagt er. „Anfangs waren hier mehr Kontrollen, jetzt vielleicht noch eine Stunde am Tag.“ Er wünscht sich mehr Kontrollen und eine Schranke, die die Einfahrt in die Straße erschweren würde.

Restaurantbetreiber fühlt sich nicht ernstgenommen

„So wie es ist, funktioniert es nicht und kann auch gefährlich werden.“ - Bekir Günaydin, Berliner Döner

Bekir, Inhaber des Berliner Döners in der Straße, sieht das ähnlich: „Die Autofahrer werden fast gar nicht mehr kontrolliert.“ Ursprünglich fand er die Idee gut: „Ist natürlich schön, wenn die Leute draußen sitzen können“, sagt er. „Aber so wie es ist, funktioniert es nicht und kann auch gefährlich werden, weil die Autos nah an den Gästen sind.“ Er hat das Problem schon mehrfach bei Vor-Ort-Terminen der Stadt angesprochen, sagt er. „Aber die sagen nur ‘Ja, ja’ und es passiert nichts.“ Wenn sich nichts ändere, könne man die Straße auch gleich wieder für den Verkehr freigeben.

„Vorher war die Straße übertrieben voll, jetzt ist es besser.“ - Cino, Besucher

Cino, der vor dem Dönerladen sitzt und isst, wohnt eigentlich in Kostheim, kommt aber oft in die Wellritzstraße — des guten Essens und seines Friseurs wegen. Er fände es schade, wenn die Fußgängerzone wieder abgeschafft werden würde. „Es hat sich schon viel verändert“, sagt er. „Vorher war die Straße übertrieben voll, jetzt ist es besser.“ Für ihn als Gast sei es natürlich schön, sich jetzt auch auf die Straße setzen zu können. Der Grund dafür, dass viele trotz des Verbots noch immer in die Straße fahren, sieht er in der Beschilderung. „Vielleicht ist es einfach nicht auffällig genug.“

Stadt prüft Maßnahmen

Auch der Magistrat beschäftigt sich bereits mit diesem Thema. Ursprünglich war nicht geplant, dass Poller die Einfahrt verhindern. Ansonsten wäre die Einfahrt für Lieferverkehr, Anwohner, Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst nicht möglich. In einem Antrag der Linken vom 4. Juni bat die Partei aber darum, weitere Maßnahmen zu prüfen, um gefährliche Situationen zu vermeiden. Ein Beispiel sei ein elektronisch betriebener Poller. SPD-Ortsbeirätin Manuela Apel wünschte sich beim Tag der Städtebauförderung in der Wellritzstraße außerdem, dass die Fußgängerzone ausgeweitet wird.

Bis 2020 entschieden wird, ob die Fußgängerzone bleibt und wie sie dann aussehen wird, bittet die Stadt auch weiterhin um Ideen und Anregungen. Auf der Bürgerbeteiligungsseite können die Wiesbadener den aktuellen Stand der Planungen einsehen und Fragen oder Ideen hinterlassen. (ab)

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