Diese Orte meiden die jungen Wiesbadener

Die meisten jungen Wiesbadener fühlen sich sicher in der Stadt. Doch weitere Ergebnisse einer Befragung der Stadt überraschen die Beteiligten. So wurden konkrete Gegenden benannt, in denen sich viele unsicher fühlen und die sie sogar meiden.

Diese Orte meiden die jungen Wiesbadener

Junge Wiesbadener im Alter von 18 bis 29 Jahren fühlen sich im öffentlichen Raum sicher. Das gaben 66 Prozent der Befragten in der Studie „Das Sicherheitsgefühl junger Wiesbadenerinnen und Wiesbadener“ an. 27 Prozent von ihnen fühlen sich „eher unsicher“ und 6 Prozent „unsicher“. Eigentlich ein guter Wert. Trotzdem gab es unter den 1325 Personen, die sich an der Umfrage beteiligten, auch Antworten, von denen sich Ordnungsdezernent und Bürgermeister Oliver Franz (CDU) und Polizeipräsident Stefan Müller überrascht zeigten.

Etwa die Tatsache, dass 73 Prozent der Befragten angaben, dass es Orte in der Stadt gibt, an denen sie sich grundsätzlich unsicher fühlen. Zwar war den Verantwortlichen die meistgenannte Antwort, der Platz der Deutschen Einheit, als ein solcher Ort bekannt. Der Hauptbahnhof auf dem zweiten Rang war Müller aber neu. „Hier sind Gespräche mit der Deutschen Bahn sicher sinnvoll“, sagte er.

Der Luisenplatz (72 Mal genannt) und der Mauritiusplatz (66 Mal genannt), folgen auf den Hauptbahnhof. Nach größeren Räumen gegliedert nannten die Befragten vor allem den Bereich der Innenstadt. Aber auch an Bushaltestellen, an Bahnhöfen und in Bussen fühlen sich laut der Studie viele unwohl. Problematisch sieht Müller die Tatsache, dass sich Jüngere tendenziell sicherer fühlen als Ältere. Daher dürfte die Unsicherheit unter den älteren Wiesbadenern noch einmal deutlich höher liegen.

Vor was hat Wiesbaden Angst?

Angesprochen auf die Ursachen für ihre Angst in der Stadt, nannten 67 Prozent der Befragten, bestimmte Personengruppen, die sie als bedrohlich ansehen. Mit 256 Stimmen stehen Betrunkene ganz oben unter den bedrohlichen Personengruppen. 253 Personen gaben an, dass sie dazu auch Ausländer, Flüchtlinge und Asylbewerber zählen.

Befürchtet werden vor allem beleidigende, unangemessene Äußerungen und respektloses Verhalten. Gewalt, die von den genannten Personengruppen ausgeht, gaben nur 69 Personen als Bedrohung an. Gliedert man die Befürchtungen nach Geschlecht auf, geben Frauen vor allem an, sexuelle Belästigung zu fürchten, bei Männern waren Pöbeleien und Bedrohungen ganz oben.

Wenige körperliche Angriffe

Angesprochen auf konkrete Erfahrungen mit Bedrohungssituationen, sind 61 Prozent der Befragten in Wiesbaden schon einmal angepöbelt oder bedroht, 27 Prozent sexuell belästigt worden. Körperliche Angriffe haben „nur“ 12 Prozent der Befragten bereits erleben müssen, sexuelle Angriffe und Vergewaltigungen liegen mit 2 Prozent auf dem letzten Rang.

„Vieles, was moniert wird, ist weder eine konkrete Gefahr, noch eine Straftat.“ - Polizeipräsident Stefan Müller

„Vieles, was moniert wird, ist weder eine konkrete Gefahr, noch eine Straftat“, erklärt Müller. Anzügliche Blicke, unangebrachte Kommentare und ähnliche Vorfälle wurden oft genannt, sind aber keine Ereignisse, die die Polizei auf den Plan rufen. „Es geht über die Ordnungsverwaltung und die Polizei hinaus“, meint auch Franz, der Maßnahmen aus allen Zuständigkeitsbereichen, etwa soziale Maßnahmen, als eine mögliche Lösung für die Probleme sieht. Wie diese konkret aussehen könnten, müsse in den zuständigen Bereichen erarbeitet werden.

„Es wurde ein Zustand erreicht, den wir hier nicht wollen.“ - Stefan Müller

Für Polizeipräsident Müller „inakzeptabel“ ist die Tatsache, dass 48 Prozent der jungen Frauen angaben, abends seltener alleine ihre Wohnung zu verlassen. „Bezüglich des Vermeidungsverhaltens wurde ein Zustand erreicht, den wir hier nicht wollen“, machte er deutlich. Darüber hinaus erklärten 74 Prozent der jungen Frauen, dass sie abends bestimmte Straßen, Plätze oder Parks aus Unsicherheit nicht mehr aufsuchen.

So waren sich Ordnungsamt und Polizei gleichermaßen einig darüber, dass neben polizeilicher Arbeit nur ein Verbund mit sozialen, schulischen und baulichen Maßnahmen positive Effekte bewirken können. Dazu zählen etwa Gewaltprävention in Schulen, bessere Straßenbeleuchtung und eine stärkere Polizeipräsenz im öffentlichen Raum. (js)

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