Was es mit den pinken Straßenschildern in Wiesbaden auf sich hat

Eigentlich sind die Wiesbadener Straßenschilder blau. Seit ein paar Tagen hängen in der Innenstadt aber auch pinke Schilder mit neuen Namen. Was dahintersteckt.

Was es mit den pinken Straßenschildern in Wiesbaden auf sich hat

Seit einigen Tagen hängen unter vielen Wiesbadener Straßenschildern in der Innenstadt pinke Schilder. Auf ihnen stehen neue Straßennamen. Die Wilhelmstraße heißt demnach Gust-Kaiser-Straße, die Marktstraße Hedwig-Loos-Straße und die Langgasse Käthchen-Paulus-Straße. Eine Gemeinsamkeit: Alle Straßen tragen jetzt Namen von Frauen. Was steckt dahinter?

Aktion soll auf ein Missverhältnis aufmerksam machen

„Femorial“ heißt diese Aktion, die vom Wiesbadener Frauenmuseum organisiert wurde. Sie soll darauf hinweisen, dass die meisten Straßen und Plätze in Städten überwiegend männlichen historischen Personen gewidmet worden seien. „Femorial adressiert dieses Missverhältnis und will die beeindruckende Lebensleistung von Frauen im öffentlichen Raum abbilden“, erklärt das Team des Museums. Der Begriff ist eine Verbindung aus den englischen Worten „Feminism“ (Feminismus) und „Memorial“ (Denkmal).

Bereits 1984 habe das Museum in seiner allerersten Ausstellung darauf aufmerksam gemacht, dass es notwendig sei, Straßen verstärkt nach Frauen zu benennen. „Getan hat sich in 38 Jahren nicht viel. In anderen Städten gibt es längst Beschlüsse, die das Verhältnis von Frauen- und Männerstraßennnamen regulieren und ausbalancieren“.

Achtjährige als Initiatorin

Die eigentliche Initiatorin von „Femorial“ sei aber ein achtjähriges Mädchen gewesen, so das Frauenmuseum. Ihr sei das Missverhältnis beim Gang durch die Stadt aufgefallen. Ihr Vater, Hans Reitz, habe daraufhin im Museum angerufen und gefragt, ob es nicht auch historische Frauen gäbe, deren Lebensleistung gleichwürdig sei. Daraufhin sei die Aktion entstanden.

„Eine künstlerische und nachfolgend reale Benennung von Straßen und Plätzen ist mehr als sinnvoll – als Beendigung fortgesetzter Diskriminierung aus der Vergangenheit, als Appell an die Gegenwart und als Versprechen für kommende Generationen“, so das Team des Museums. Die 60 Schilder mit Frauennamen, die jetzt aufgehängt wurden, seien ein erster Anfang.

Getragen wird die Aktion unter anderem vom Frauenmuseum, der Familie Reitz/Spindler und dem Perfect Day.

Logo