Nach Brand in Notre-Dame: Wie gut ist die Marktkirche vor Feuer geschützt?

Nach dem Brand in der Pariser Kathedrale hat sich die Berufsfeuerwehr Wiesbaden am Donnerstag die Situation in der Marktkirche genauer angesehen. Probleme beim Brandschutz bereiten die Höhe des Gebäudes und der hölzerne Dachstuhl.

Nach Brand in Notre-Dame: Wie gut ist die Marktkirche vor Feuer geschützt?

Ein großes Erstaunen herrscht am Donnerstagnachmittag unter den Spaziergängern auf dem Wiesbadener Schlossplatz. Die Passanten beobachten, wie etwa 25 Feuerwehrleute und mehrere Einsatzwagen den Platz um die Marktkirche einnehmen und langsam die Drehleitern und Schläuche ausrollen. Dahinter steckt aber kein Großbrand des höchsten Wiesbadener Gebäudes, sondern lediglich eine Übung zum Brandschutz.

Gebäude kennen lernen

„Die Einsatzkräfte der Feuerwehr müssen ihre Stadt und die Gebäude darin gut kennen“, erklärt Philipp Posledni von der Wiesbadener Feuerwehr, der die Übung am Donnerstag leitet. Dazu gehöre eben auch die Marktkirche, besonders im Hinblick auf die Brandkatastrophe in der Pariser Kathedrale Notre-Dame vor einigen Wochen. Zwar kommt das Wiesbadener Gotteshaus von seinem Dimensionen nicht an das Pariser Bauwerk heran, trotzdem würde ein Brand die Wiesbadener Berufsfeuerwehr an ihre Grenzen bringen, sagt Posledni.

„Die Kirchtürme sind bis zu 98 Meter hoch, da ist es fast unmöglich, mit unseren Drehleitern heranzukommen.“ - Philipp Posledni

„Die Kirchtürme sind bis zu 98 Meter hoch, da ist es fast unmöglich, mit unseren Drehleitern heranzukommen.“ Und auch von innen ist das Dach des Hauses nur schwer zu erreichen, was bei der Begehung am Donnerstag sehr deutlich wird. Um nur auf das Dach zu gelangen, müssen mehrere sehr enge Treppenstufen bewältigt werden. Viele der Treppengänge sind auch nicht beleuchtet, sodass sich die Feuerwehrleute in einem Brandfall im Dunkeln orientieren müssten. „Dazu kommt noch, dass die Feuerwehrleute ihre schwere Ausrüstung inklusive Sauerstoffflasche mit hinauf tragen müssten.“

Auf etwa 50 Metern Höhe befindet sich mit dem Dach des Kirchenschiffes auch einer der möglichen Brandherde der Marktkirche. Denn der gesamte Dachstuhl besteht, ähnlich wie in Notre-Dame, aus Holz. Ein Glutnest dort wäre der „worst case“ für die Feuerwehr, wie der Einsatzleiter erklärt: „Der Dachstuhl ist nur durch eine Tür erreichbar. Da aber auch der Boden aus Holz ist, wäre an der Eingangstür Schluss für die Feuerwehr.“

Herabfallende Trümmer größte Gefahr

Denn neben dem Eindämmen des Feuers würde bei einem hypothetischen Brand der Marktkirche auch auf die Sicherheit der Feuerwehrleute geachtet: „Die größte Gefahr geht von herabfallenden Trümmern aus, was im Fall der Marktkirche auch große Natursteine, die dort verbaut sind, sein können.“ Nur wenn sich noch Personen im Inneren der Kirche befinden würden, müsste man auch die Gefährdung der eigenen Leute in Kauf nehmen.

Trotz all der Probleme, die bei einem möglichen Feuer in der Kirche entstehen würden, gibt die Feuerwehr der Kirche ein gutes Zeugnis, was den Brandschutz angeht. So hat die Kirche in den letzten Jahren viel an der Elektronik erneuert und neue Blitzableiter anbringen lassen. (lp)

Logo