Gewerkschaft warnt vor Missständen im Lebensmittelhandel während der Coronakrise

Damit Supermarktregale weiterhin befüllt werden können, arbeiten Angestellte in den Läden und in der Produktion auf Hochtouren. Die NGG warnt jetzt vor Überstunden und Übermüdung und plant eine digitale Demonstration.

Gewerkschaft warnt vor Missständen im Lebensmittelhandel während der Coronakrise

Hamsterkäufe und gestiegene Nachfragen für bestimmte Produkte beeinflussen derzeit den Arbeitsalltag von allen, die im Lebensmitteleinzelhandel und in der Produktion arbeiten. Das sagt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Demnach liefen viele Betriebe während der Coronakrise Gefahr, Missstände für ihre Mitarbeiter auszulösen.

„Die Menschen arbeiten am Limit.“ - Peter-Martin Cox, NGG Rhein-Main

Dabei sieht Peter-Martin Cox von der NGG Rhein-Main einen Kreislauf, durch den das derzeitige Kaufverhalten die Arbeitsbedingungen vieler Beschäftigter verschlechtere. „Überstunden und Extra-Schichten sind in der Lebensmittelindustrie schon seit Wochen an der Tagesordnung. Die Menschen arbeiten am Limit, damit Aldi, Lidl, Rewe, Edeka & Co. die Ware nicht ausgeht“, sagt er. So würden gesetzlich vorgeschriebene Arbeitszeiten von maximal zehn Stunden am Tag und 60 Stunden in der Woche schnell überschritten.

Höchstgrenzen werden überschritten

Gleiches gelte aber auch für die Produktion, weil die Konzerne derzeit von den Herstellern mehr Ware in kürzeren Lieferabständen fordern. Außerdem, so Cox weiter, wollen viele Konzerne derzeit bei den Produzenten Preise drücken. „Das geht letztlich auf Kosten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die ohnehin unter Volllast arbeiten“, so Cox.

„Corona darf nicht dafür herhalten, die Höchstgrenzen bei der Arbeitszeit auszuhebeln.“- Peter-Martin Cox, NGG Rhein-Main

„Corona darf nicht dafür herhalten, die Höchstgrenzen bei der Arbeitszeit auszuhebeln. In Tarifverträgen und Betriebsvereinbarungen haben wir in der Lebensmittelindustrie längst die nötige Flexibilität, um Hochphasen zu stemmen. Sonst wären die Supermarktregale ja längst leer“, betont der Gewerkschafter und warnt vor Hamsterkäufen, die die Situation für die Arbeitnehmer noch weiter verschlimmern könnten. Eine zu hohe Arbeitsbelastung, so der Gewerkschafter weiter, führe nicht zuletzt auch zu mehr Unfällen im Betrieb, etwa ausgelöst durch Übermüdung.

Außerdem fordert die Gewerkschaft von den Betrieben, auf erhöhte Hygienestandards für die Mitarbeiter zu achten. Als Beispiele nennt die NGG unter anderem entsprechende Schutzkleidung, Desinfektionsmittel aber auch einen erhöhten Abstand zwischen den Arbeitern an Produktionsstraßen.

Gesicht zeigen

Auf die Zustände in den Betrieben will die Gewerkschaft jetzt außerdem mit einer digitalen Demonstration aufmerksam machen. Dafür fordert die NGG Betroffene dazu auf, mit Selfies und Bildbeiträgen unter dem Hashtag #GesichterDerKrise Stellung zu ihrer aktuellen Arbeitssituation zu beziehen. Entsprechende Bildvorlagen stellt die Gewerkschaft dabei auf ihrer Facebookseite zur Verfügung. (ms)

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