Warum der Briefkasten am Standesamt vor lauter Sendungen überquoll

Wegen seiner zentralen Lage und seiner besonderen Optik ist der historische Briefkasten am Standesamt in Wiesbaden besonders beliebt. Doch mehrere Tage lang wurde die Box nicht mehr geleert.

Warum der Briefkasten am Standesamt vor lauter Sendungen überquoll

Während in vielen Straßen gelbe Boxen als Anlaufstellen für Briefe stehen, hängt vor dem Wiesbadener Standesamt auf dem Schlossplatz ein ganz besonderer Briefkasten: Die blaue Box mit goldenen Verzierungen wirkt ein wenig aus der Zeit gefallen: Immerhin handelt es sich um eine Nachbildung eines historischen Briefkastens, wie sie um das Jahr 1896 überall in Wiesbaden zu finden waren.

Voll bis zum Rand

Trotzdem ist der Kasten kein reines Museumsstück. Wiesbadener und Touristen nutzen ihn täglich, um dort ihre Briefe und Postkarten einzuwerfen. Laut einem Schild wird die Box auch von Montag bis Samstag einmal täglich geleert. Doch Anfang der Woche quoll die Box über, wie Merkurist-Leser Jan bemerkte.

„Tatsächlich hatten wir in den vergangenen Tagen einige Probleme mit diesem Briefkasten“, bestätigt ein Sprecher der Deutschen Post auf Nachfrage von Merkurist. In seinen Protokollen konnte er nachvollziehen, dass die Leerung tatsächlich über mehrere Tage hinweg ausfiel. Als Grund dafür nannte ein zuständiger Mitarbeiter, dass die Zufahrt zum Briefkasten wegen der Baustellen vorm Landtag und vor dem Hinterhof des Standesamtes blockiert gewesen sei.

„Dass Sendungen aus der Öffnung herausragen, kommt immer wieder vor.“ - Sprecher der Deutschen Post

Dass Briefe aus dem Kasten oben herausragten und dadurch sogar gestohlen werden könnten, hält der Sprecher für ärgerlich. Aber „dass Sendungen aus der Öffnung herausragen, kommt immer wieder vor“, sagt er. Vor allem, wenn in kleineren Briefkästen Umschläge im DIN A4-Format quer stecken, sei ein Kasten oft schneller voll, als er geleert werden kann. „Wer einen Brief einwirft, solle sich deshalb immer vergewissern, dass er auch sicher in der Box verschwindet und gegebenenfalls einen anderen Briefkasten suchen.

„Von den historischen Briefkästen gibt es in Deutschland nur sehr wenige.“ - Sprecher Deutsche Post

Inzwischen konnten die Sendungen am Standesamt wieder abgeholt werden. Der Briefkasten kann laut Sprecher der Post also wieder wie gewohnt genutzt werden. Dass das möglich ist, sei in Wiesbaden eine Besonderheit. „Von den historischen Briefkästen gibt es in Deutschland nämlich nur sehr wenige“, sagt er. Die Anzahl der Boxen im Vintagestil mache weniger als ein Prozent aller Briefkästen aus. Zwar hängen einige mehr in den Altstädten, doch die meisten seien zugeschweißt und dienen nur noch als Dekoration.

Briefkasten bleibt

„Dabei bekommen wir bei der Post immer wieder Anfragen, etwa von Städten oder Hausbesitzern, ob wir einen solchen Kasten wiederbeleben können“, sagt der Sprecher, „doch aufgrund des Wiedererkennungswertes lehnen wir diese Anfragen seit einigen Jahren ab. Stattdessen sollen zukünftige Briefkästen nur noch im gewohnten Gelb entstehen.“ Der Wiesbadener Kasten am Standesamt sei aber nicht nur bekannt, sondern auch beliebt und wird regelmäßig befüllt. Er soll deshalb noch lange erhalten bleiben, versichert er. (nl)

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