Wie geht es den Wiesbadener Brauereien in der Corona-Krise?

Bier wird in der Weinstadt Wiesbaden immer beliebter – und dafür sorgen vor allem die lokalen Brauereien. Doch wie geht es ihnen in der Corona-Krise zwischen Lockdown und Einschränkungen? Wir haben nachgefragt.

Wie geht es den Wiesbadener Brauereien in der Corona-Krise?

Seit März 2020 hat die Corona-Krise das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben in Deutschland fest im Griff. Seitdem gab es immer wieder Lockdowns oder Teil-Lockdowns, die unter anderem die Gastronomie hart getroffen haben. Auch die Wiesbadener Brauereien litten unter der Schließung der Gaststätten – denn vielerorts wird das lokale Bier ausgeschenkt.

Wir haben bei den Wiesbadener Brauereien nachgefragt: Wie geht es ihnen in der Corona-Krise? Und welche Pläne haben sie für die Zukunft?

Wiesbadener Braumanufaktur

Eine Alternative zum eher geschmacksarmen typischen „Supermarktbier“ will die Wiesbadener Braumanufaktur bieten. Das Craftbier wird in der Hagenauer Straße gebraut und in ausgewählten Gastronomien, Hotels und Supermärkten verkauft. Der Lockdown machte der Brauerei zu schaffen. „Der Umsatz der Gastronomie ist komplett weggebrochen. Der Anteil machte rund 50 Prozent des Verkaufs aus“, sagt Geschäftsführer Holger Erbe.

Während der Krise habe man versucht, über Online-Tastings mehr Bier umzusetzen. „Jedoch konnte dies den Verlust aus dem ausgebliebenen Gastro-Geschäft nicht kompensieren“, so Erbe. „Ebenso ist der Flaschenverkauf durch unsere Handelspartner nicht merklich gestiegen.“ Deshalb habe die Braumanufaktur die Produktion gedrosselt – „damit wir nicht unser gutes Bier wegkippen müssen“.

Aktuell sei das Pale Ale das Lieblingsbier der Kunden und werde am meisten verkauft. Ein neues Editions-Bier sei auch schon in der Reifung und könne in etwa vier Wochen abgefüllt werden. Erbe sagt: „Wie es heißt, ist noch streng geheim, jedoch wird es eine echte Fruchtbombe für den Spätsommer.“

Bierstadter Gold

Obwohl es so nahe liegt, gab es bis 2019 im Wiesbadener Stadtteil Bierstadt noch kein eigenes Bier. Das änderte sich, als René, Jens, Christopher und Max das Startup Bierstadter Gold gründeten. Noch wird das Naturtrübe zwar nicht in Bierstadt selbst gebraut, doch Idee, Rezeptur, Unternehmen und die Gründer stammen aus dem Stadtteil. Am ersten Januar 2021 hat sich Bierstadter Gold von der ursprünglichen GbR zu einer GmbH umfirmiert. Von den vier Gründern sind noch drei (René Düvel, Maximilian Gras und Jens Hüttenrauch) mit an Bord.

Auch Bierstadter Gold wurde von der zwischenzeitlichen Schließung der Gastronomie „extrem getroffen“, wie Mitgründer René Düvel sagt. „Der Umsatz durch Restaurants beträgt über 50 Prozent, was auch der leicht gestiegene Verkauf von Flaschenbieren im Einzelhandel nicht wirklich ausgleichen konnte.“ Sehr geholfen habe es aber, dass das Bier seit Beginn 2021 in den Wiesbadener REWE-Märkten vertreten sei und man dadurch den Absatz erhöhen konnte. „Dazu unterstützen uns viele Leute aus Wiesbaden, indem sie zu unserem offenen Lagerverkauf jeden Samstag nach Bierstadt kommen und ihre Kiste Bier bei uns kaufen“, so Düvel.

Vor dem Lockdown hatte man schon Pläne gehabt, eine eigene Brauerei zu bauen und sich Vollzeit auf das Bierstadter Gold zu konzentrieren – doch der Lockdown machte einen Strich durch die Rechnung. „Auch von den Corona-Hilfen ist bei uns trotz nachgewiesenen Umsatzeinbußen nichts angekommen“, so Düvel. Für das vierte Quartal 2021 plant das Unternehmen eine kleine Flaschengröße (0,33l statt 0,5l). Außerdem soll es bald auch ein Alkoholfreies, ein Helles und ein Pils geben.

Die Hausbrauerei Brauhaus Castel hat bisher nicht auf unsere Anfrage geantwortet.

Logo