Wiesbadener Kriminalfälle: Mann tötet seine schwangere Freundin

Immer wieder stellen wir euch Verbrechen vor, die sich in Wiesbaden ereignet haben. Heute geht es um den Fall von Jolin S., die 2013 von ihrem Freund ermordet wurde, weil er das Kind in ihrem Bauch nicht wollte.

Wiesbadener Kriminalfälle: Mann tötet seine schwangere Freundin

Es ist der 5. Februar 2013. Die 22-jährige Rechtsanwaltsfachangestellte Jolin S. will gerade die Tür ihres Wohnhauses in der Dotzheimer Straße aufschließen, als sie von hinten angriffen wird. Mit insgesamt drei Messerstichen wird die junge Frau getötet – wie sich später herausstellen sollte, war Jolin schwanger und das auch das Motiv des Täters.

Mit drei Messerstichen getötet

Ermittler Stefan Lange hat den Fall von Anfang an begleitet, wie er in einer ZDF-Dokumentation Anfang diesen Jahres erzählte. Noch heute bewegt ihn der Mord an der jungen Frau. An ein Detail erinnert er sich immer wieder zurück: Er habe am Tag nach der Obduktion ihres Körpers auf Fotos gesehen, dass ihre In-Ear-Kopfhörer unter ihr gelegen haben. „Sie war in einer anderen Welt, sie hat Musik gehört, sie wollte nachhause, sie hatte Feierabend, sie hat sich gefreut“, sagt der Ermittler. Und dann sei ein riesengroßes Messer in ihren Körper eingedrungen. „Diese Vorstellung hat mich schwer getroffen.“

Doch wer hat Jolin umgebracht? Das war für die Ermittler zunächst schwer herauszufinden. Eine Hausbewohnerin hörte um 18:23 Uhr Schreie und alarmierte die Polizei, doch niemand hatte etwas gesehen. Zunächst konnten die Ermittler lediglich rekonstruieren, dass Jolin S. beim Aufschließen der Haustür angegriffen und ihr noch im Stehen ein erster Stich in den Rücken versetzt wurde. Die zwei weiteren Stiche folgten im Hauseingang. Die junge Frau wehrte sich noch, doch hilfreiche Spuren fand die Spurensicherung nicht. Jolin S. trug eine dicke Daunenjacke, sodass es keine Blutspuren gab, auch sonstige Spuren wurden verwischt. Lediglich Einweghandschuhe fanden die Ermittler vor Ort. Es gab zunächst keinen Tatverdächtigen.

Kameras verschaffen Täter falsches Albi

Später stellte sich heraus, dass Jolin in der 12. Woche schwanger war. Von ihrem Vater erfuhren die Ermittler, dass es deshalb Spannungen mit ihrem Lebensgefährten Isa S. gab. Doch dieser hatte zunächst ein scheinbar wasserdichtes Alibi. Kameras belegten, dass er zum Tatzeitpunkt im Hugendubel in der Innenstadt war. Dann wurde jedoch klar, dass die Kameras die Uhrzeit falsch anzeigten. Isa S. war zwar am Tattag in der Buchhandlung, jedoch erst rund 20 Minuten nach der Tat. Wie die Ermittler herausfanden, war es zeitlich möglich, dass er die junge Frau ermordete und anschließend in die Fußgängerzone fuhr.

„Dieser junge Mann hat das Leben einer jungen Frau und eines ungeborenen Kindes ausgelöscht“ - Stefan Lange, Ermittler beim LKA

Auch das Motiv des 21-Jährigen erhärtete sich, denn er wollte das Kind nicht und übte starken Druck auf Jolin S. aus. Er wollte sie zur Abtreibung drängen, sie wollte das Kind bekommen. Auf den Einweghandschuhen wurden zudem Fasern gefunden, die zu den Fasern seiner Handschuhe passten. Isa S. kam in die JVA in Frankfurt. Als sich schließlich ein Rechtsanwalt meldete, dessen Mandant ebenfalls dort einsaß und berichtete, Isa S. habe die Tat gestanden und wichtige Details genannt, wurde er schließlich wegen Mordes angeklagt und vor dem Landgericht Wiesbaden zu lebenslanger Haft verurteilt.

Bis heute sitzt Isa S. im Gefängnis. „Dieser junge Mann hat das Leben einer jungen Frau und eines ungeborenen Kindes ausgelöscht“, sagt Ermittler Stefan Lange. „Er hat seine gerechte Strafe bekommen.“

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