Wenn in diesem Monat die Generalsanierung der Bahn auf der rechten Rheinseite startet, entfällt für viele auch der Ausflug mit dem Fahrrad an den Rhein (wir berichteten). Denn die Deutsche Bahn rät „dringend“ davon ab, Fahrräder in den Bussen des Schienenersatzverkehrs mitzunehmen.
Regionalbusse ins Aartal oft zu voll
Dabei handelt es sich um ein Problem, welches die Bewohner des Aartals – nicht zu verwechseln mit dem rheinland-pfälzischen Ahrtal, in dem 2021 die Flutkatastrophe stattfand – schon sehr lange kennen. Hier besteht quasi seit 40 Jahren Schienenersatzverkehr. Seit Stilllegung der Aartalbahn 1986 fahren hier nur noch Regionalbuslinien. Diese sind oft so voll, dass für zusätzliche Fahrräder kein Platz mehr bleibt.
Welche Lösungen gibt es?
Klassischerweise ist für die Fahrradmitnahme in Bussen der Mehrzweckbereich im Innenraum vorgesehen. Für mehr als ein bis zwei Fahrräder fehlt hier allerdings der Platz, außerdem haben Rollstühle und Kinderwägen Vorrang. Die Mitnahme ist daher nur möglich, wenn ausreichend Platz vorhanden ist. In den Stoßzeiten ist das nur selten der Fall.
Dabei gibt es auch Alternativen: Viele Reise- und Fernbusse haben einen Heckträger für drei bis fünf Fahrräder. In den USA und Kanada sind Stadtbusse mit einem Fahrradträger an der Fahrzeugfront weit verbreitet. Innerhalb weniger Sekunden können geübte Fahrgäste hier ihr Rad befestigen.
In Deutschland haben sich in touristischen Regionen vor allem Busse mit Fahrradanhängern etabliert. Der RMV betreibt unter anderem in Rhön und Odenwald saisonale „Freizeitllinien“ mit einer Kapazität für 15-30 Fahrrädern. Das Aartal wurde bisher nicht in das Angebot integriert.
Keine Fahrradanhänger im Aartal
Auf Anfrage von Merkurist teilt ein Sprecher des Rhein Main Verkehrsbundes (RMV) mit, dass dies auch in Zukunft so bleibt. Busse mit Anhänger würden im Berufsverkehr zu viel Platz und vor allem eine zu lange Wartezeit an den Haltestellen benötigen. Den Zu- und Ausstieg mit Fahrrad nur an ausgewählten Stationen zu erlauben, sei keine Option. Dazu komme, dass nur Standardbusse Anhänger ziehen dürfen. Auf vielen Linien zwischen Taunusstein und Wiesbaden fahren allerdings Gelenkbusse. Die genannten Alternativen zum Fahrradanhänger kommentiert der Verkehrsverbund nicht. Touristenziele
Der Verkehrsverbund beteuert, den Radtourismus in der Rhein-Main-Region zu fördern. Allerdings sei dies bei Bahnen leichter als bei Regionalbuslinien. Eine „Freizeitlinie“ dürfe man im Aartal momentan nicht erwarten, zu gering sei das touristische Potenzial. Bis die Aartalbahn reaktiviert wird, müssen Fahrradfahrer die gut 400 Höhenmeter über den Taunuskamm weiter selbst radeln. Das Aartal bleibt somit vorerst den sportlichen Radtouristen vorbehalten.