Macht Wiesbaden Schluss mit kurzem Rasen und insektenunfreundlichen Pflanzen?

Immer wieder gibt die Stadt ihren Bürgern Tipps, wie sie ihre Gärten nachhaltiger bepflanzen können. Doch was tut Wiesbaden selbst, um die Grünflächen und die Bepflanzung in der Stadt klima- und insektenfreundlicher zu machen?

Macht Wiesbaden Schluss mit kurzem Rasen und insektenunfreundlichen Pflanzen?

Großstädte spielen laut Naturschutzbund (Nabu) mit ihren vielen Parks, Friedhöfen und Gärten eine wichtige Rolle beim Schutz der biologischen Vielfalt. Und doch: „Viele Städte leisten im Artenschutz noch immer zu wenig. Statt blühender Wiesen dominieren kurzgeschorene ‘Landschaftsrasen’“, so der Nabu. Städtische Parkanlagen und Straßenränder würden so oft im Jahr gemäht, dass sich in ihnen kaum eine Blütenpflanze halten kann.

Auch in Wiesbaden ist es aktuell auffälliger denn je: Besonders kurz gemähte Rasenflächen, wie am Warmen Damm und am Rheinufer, sind verbrannt. An anderen Ecken wurde eine Bepflanzung gewählt, die vielleicht schön anzusehen ist, aber keinem Insekt hilft. Ein prominentes Beispiel: Entlang der Wilhelmstraße stehen seit Jahren 124 Pflanzkübel und -schalen mit Pflanzen wie Buchsbäumen, Petunien und Geranien, die Insekten kaum bis keine Nahrung bieten. Immer wieder gibt die Stadt ihren Bürgern Tipps, wie sie ihre Gärten klimafreundlicher anlegen können. Aber was tut Wiesbaden selbst?

Stadt plant klimafreundlicher

An einigen Stellen konnte man in den letzten Jahren eine Entwicklung beobachten. Die Herbert-Anlage wurde im Frühjahr 2020 mit hitzetoleranten Pflanzen und einem steuerbaren Tröpfchen-Bewässerungssystem ausgestattet. Ähnliche Konzepte wurden in den Beeten rund um das RMCC umgesetzt, im Oktober folgen weitere Klimapflanzen am neuen Reinhard-Ernst-Museum. Weil es diese Art der Bepflanzung erst seit Kurzem gibt, kann die Stadt noch nicht abschließend sagen, wie erfolgreich sie ist. Die Zwischenbilanz fällt aber positiv aus.

Grundsätzlich plane man Neupflanzungen heute anders. Es werden Regenrückhaltesysteme integriert, um die Grünanlagen damit zu bewässern. Zudem werden moderne Bewässerungssysteme mit geeigneten Substraten kombiniert, um bedarfsgerecht und ressourcenschonend zu wässern. Einige Rasenflächen wurden durch veränderte Mähtechniken oder durch einen Umbau zu Wiesengesellschaften und Blumenwiesen entwickelt. Beispiele sind die Grünanlagen Dambachtal, Künstlerviertel, Gustav-Stresemann-Ring und der Grünzug in der Wettiner Straße. „Die Herausforderung dabei ist es, die Ansprüche der Bürger*innen an die Nutzung der Grünanlagen und die Erhöhung der Artenvielfalt miteinander in Einklang zu bringen“, sagt Stadtsprecher Sebastian Wenzel. Ein weiteres Problem dabei: Einige Grünanlagen sind denkmalgeschützt – darunter auch die bereits erwähnten Rasenflächen am Warmen Damm und der Eleonorenanlage am Kasteler Rheinufer. „Hier ist aktuell ein Umbau deshalb nicht ohne weiteres möglich.“

Grünflächenamt soll Konzept entwickeln

Auch in Zukunft sollen mehr Flächen klimafreundlich werden. Im aktuellen Haushalt wurden dem Grünflächenamt Gelder zur Verfügung gestellt, um ein neues Konzept für Freiflächen in der Stadt zu entwickeln. „Dieses soll unter anderem Aussagen über klimaresiliente Pflanzkonzepte treffen, welche im gesamten Stadtgebiet je nach Standortbedingungen angewendet und umgesetzt werden können“, sagt Wenzel. Durch klimafreundlichere Konzepte wird die Stadt übrigens auch Geld bei der Pflege- und Unterhaltung sparen.

Beim Thema Bepflanzung entlang der Wilhelmstraße rückt die Stadt aber nicht von ihrem traditionellen Konzept ab. „Die Kübel und Schalen in der Wilhelmstraße sind seit vielen Jahren ein unverwechselbares grünes Gestaltungselement, welches den Bereich prägt“, heißt es dazu von der Stadt. „Die ganzjährig aufgestellten Kübel wurden seinerzeit einheitlich mit Gehölzen gestaltet und seit über einem Jahrzehnt aufwendig gepflegt. Zusätzlich wird traditionell, temporär mit Sommerflor ergänzt.“ Eine neue, insektenfreundlichere Variante scheint demnach nicht geplant zu sein.

Logo