Welche Rolle der Mauritiusplatz in der Stadt einnimmt

Kirche, Biergarten, Kaufhaus - Der Mauritiusplatz blickt auf eine lange Vergangenheit zurück. Jetzt gilt er als Treffpunkt und Veranstaltungsort, doch einige Wiesbadener haben weitere Pläne mit ihm.

Welche Rolle der Mauritiusplatz in der Stadt einnimmt

Auf einer Sitzbank sitzt am Nachmittag eine Mutter, die ihrem Kind einen Keks in den Kinderwagen reicht. Wenige Meter weiter lachen zwei junge Mädchen, während sie mit Blick in ihre Taschen offensichtlich ihre Ausbeute von einer Shoppingtour begutachten. Hinter ihnen bauen Arbeiter mit schwerem Gerät die Karussells ab, die noch an Fastnacht ihre Runde drehten. Mitten in der Fußgängerzone ist der Mauritiusplatz Anlaufstelle und Treffpunkt für viele Wiesbadener — zumindest tagsüber ist dort eigentlich immer was los.

„Speakers Corner“ mitten in der Stadt

„Unterm Strich ist der Mauritiusplatz an mehr als 150 Tagen im Jahr belegt.“ - Manfred Schauer, Wiesbaden Marketing

„Es war eine städtebauliche Entscheidung, hier einen Speakers Corner entstehen zu lassen“, erinnert sich Ortsvorsteher Roland Presber (SPD) an die Pläne für die Fläche. Tatsächlich wird der Platz von den Wiesbadenern ganz unterschiedlich genutzt, vor allem für Politiker während des Wahlkampfs, aber auch für Infostände soll die Stelle in Mitten der Innenstadt genügend Freiraum bieten. Auch bei Festen, Märkten und Festivals wird der Platz regelmäßig in die Festmeilen eingebaut. „Unterm Strich ist der Mauritiusplatz an mehr als 150 Tagen im Jahr belegt“, fasste Manfred Schauer, Leiter für Märkte und Feste bei Wiesbaden Marketing, bei der letzten Ortsbeiratssitzung zusammen. Alleine rund acht Wochen im Jahr durch die „Winterstubb“ und das Riesenrad.

„Wirklich gefährlich ist es hier nicht.“ - Roland Presber, Ortsvorsteher

Viele Wiesbadener wünschen sich ein solches Konzept jetzt auch für den Sommer. Von vielen Politikern heißt es dabei, der Platz könnte so in den Abendstunden besser belebt werden und mehr zum Sicherheitsgefühl der Bürger beitragen. „Tatsächlich haben wir es auf dem Mauritiusplatz mit einem gefühlten Angstraum zu tun“, sagt auch Presber. Seit dem tödlichen Messerangriff im Sommer 2017 meiden viele den Mauritiusplatz in den Abendstunden. Dabei zeige die Polizeistatistik kaum Auffälligkeiten in diesem Bereich, sagt Presber. „Natürlich halten sich hier abends Menschen auf. Es wird auch mal getrunken. Aber wirklich gefährlich ist es hier nicht“, sagt er und verweist auf die Polizeipräsenz in der Waffenverbotszone und auch auf die Security der angrenzenden Mc Donalds Filiale.

Gastronomie und Kaufhaus

Wie genau die Sommergastronomie aussehen könnte, steht noch in den Sternen, doch sie wäre nicht das erste Angebot auf dem Platz. Ab den 1970er Jahren gab es bereits einen Biergarten an der Stelle, an den sich noch viele Merkurist-Leser erinnern. „Einfach wieder einen Biergarten eröffnen. Hatte sich doch bewährt“, kommentierte Leserin Barbara bei Facebook. Ebenso gehörte das „Café Böck“ lange Zeit fest auf den Platz. Die Gastronomie löste damals das alte Kaufhaus „Bormass“ ab, das bis zum Neubau der Karstadtfiliale auf der gegenüberliegenden Seite der Schulgasse auf dem Platz stand. „Damit hatte Wiesbaden das zweitgrößte Kaufhaus Deutschlands, direkt nach dem KaDeWe in Berlin“, erinnert sich Presber.

„Mauritius ist schließlich der Schutzheilige unserer Stadt.“ - Roland Presber, Ortsvorsteher

Auf dem Platz selbst erinnern Bodenplatten aber auch noch an die Geschichte des Platzes lange bevor die Fußgängerzone existierte. „Ursprünglich stand hier die Mauritiuskirche. Auch einen Friedhof gab es dazu“, erklärt Presber, der auch Stadtführungen gibt. 1850 sei die Kirche schließlich bei Spenglerarbeiten abgebrannt. „Weil zeitgleich die Marktkirche entstand, entschied man, die Kirche nicht mehr aufzubauen“, erklärt der Ortsvorsteher. Umso wichtiger findet er es, dass der Name des Platzes bestehen blieb. „Mauritius ist schließlich der Schutzheilige unserer Stadt.“ (ms)

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