Nach Tötung von Hund Aiko: Welche Strafe erwartet den mutmaßlichen Täter?

Das Töten von Hunden wird nicht so hart bestraft wie das von Menschen. Nachdem der Auringer Therapiehund Aiko vor rund zwei Wochen erstochen wurde, fordert eine Petition nun eine Änderung des Gesetzes. Was erwartet den mutmaßlichen Täter?

Nach Tötung von Hund Aiko: Welche Strafe erwartet den mutmaßlichen Täter?

Ende September hat ein Mann mutmaßlich den zehnjährigen Rettungs- und Therapiehund Aiko erstochen. Sein Frauchen, eine schwerbehinderte Auringerin, hatte sich an Merkurist gewandt, um von der Tat zu erzählen. Ihren Aussagen nach habe es dem Mann nicht gepasst, dass der Collie ohne Leine unterwegs war. Diese könne sie aber nicht immer halten, weil sie an Gicht leide. Der Mann sei Aiko aufgelauert und habe ihm mit einem Messer mitten ins Herz gestochen. Die Polizei prüft den Tathergang aktuell.

Petition will, dass Gesetz geändert wird

Seit Aikos Tod sind zwei Wochen vergangen. Vergessen ist er aber nicht. Online und auch außerhalb des Internets sorgt die Geschichte immer noch für Wut und Trauer. Viele Wiesbadener nehmen Anteil, andere lassen ihrer Wut freien Lauf; wieder andere warnen davor, den mutmaßlichen Täter vorzuverurteilen. Eine Online-Petition setzt sich währenddessen dafür ein, dass ein Gesetz verändert wird, das Tiere wie eine Sache behandelt — und findet bereits nach wenigen Tagen über 75.000 Unterstützer.

„Alle Tiere müssen als Lebewesen anerkannt werden und Täter, die Tiere quälen oder grundlos töten, muss die volle Härte des Gerichts treffen.“, - Online-Petition

„Alle Tiere müssen als Lebewesen anerkannt werden und Täter, die Tiere quälen oder grundlos töten, muss die volle Härte des Gerichts treffen“, heißt es in der Petition. Im deutschen Gesetz gelten Tiere zwar mittlerweile nicht mehr als Sache, sondern als Mitgeschöpfe, sie werden aber rechtlich genauso behandelt. Festgehalten ist das in Paragraph 90a des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB). Tiere werden zwar durch besondere Gesetze wie das Tierschutzgesetz geschützt, ihre Tötung wird aber wie eine Sachbeschädigung behandelt. Erst wenn bewiesen wurde, dass das Tier vorsätzlich getötet wurde, kann der Täter nach dem Tierschutzgesetz mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder einer Geldzahlung bestraft werden. Außerdem kann die Tat als Ordnungswidrigkeit gelten. Dadurch könnte auf den Täter ein Bußgeld von bis zu 25.000 Euro zukommen.

Öffentliches Interesse erhöht Druck auf Staatsanwaltschaft

Für über 75.000 Menschen, die die Petition unterzeichnet haben, ist das zu wenig. Sie wollen, dass das Tierschutzgesetz geändert wird, damit die Strafe angehoben werden kann. Tatsächlich müssten dafür Bundesgesetze geändert werden. Andreas Ackenheil, Anwalt für Tierrecht weiß, dass solche Gesetzesänderungen schwierig sind. Öffentlichkeitswirksame Aktionen wie die Petition seien aber in Fällen wie dem von Aiko trotzdem sehr wichtig, erklärt er.

Denn der Fall könnte auch ganz ohne Anklage eingestellt werden. Oftmals passiere das, wenn nicht endgültig festgestellt werde, dass der Hund den Menschen nicht zuerst angegriffen hat. Die Staatsanwaltschaft beziehe sich dann nicht auf das Tierschutzgesetz und verhänge lediglich ein Bußgeld. Ackenheil habe das selbst bei einem ähnlichen Fall erlebt. „Öffentliche Aktionen wie die Petition helfen dabei, Druck aufzubauen, damit die Staatsanwaltschaft angemessen handelt“, so Ackenheil.

„Wenn es so passiert ist, wie in den Medien geschildert, dann sollte die Staatsanwaltschaft aber nach dem Tierschutzgesetz urteilen.“ - Andreas Ackenheil, Rechtsanwalt

„Wenn es so passiert ist, wie in den Medien geschildert, dann sollte die Staatsanwaltschaft nach dem Tierschutzgesetz beurteilen“, sagt er. Eine Freiheitsstrafe käme dann zwar wahrscheinlich nicht auf den mutmaßlichen Täter zu — das sei meist nur der Fall, wenn er gegen bereits verhängte Bewährungsvorlagen verstoßen hätte — dafür aber eine hohe Geldstrafe. Das Urteil könne außerdem mit Auflagen verbunden werden — in Frankreich würde Tierquälern beispielsweise der Führerschein weggenommen, erklärt Ackenheil. Als Anwalt für Tierrecht und selbst Hundehalter weiß Ackenheil aber auch, dass für Aikos Frauchen keine Strafe wirklich gerecht wäre: „Keine Strafe kann den emotionalen Wert des Tiers ersetzen, aber Geld und solche Auflagen tun vielen Menschen weh.“

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