Wie die Stadt die Taubenpopulation kontrollieren will

Vier Taubenschläge sollen in Wiesbaden zur Zeit sicher stellen, dass die Population der Tiere nicht überhand nimmt. Jetzt sind weitere Maßnahmen geplant.

Wie die Stadt die Taubenpopulation kontrollieren will

Sie tummeln sich überall dort, wo sie die Chance wittern, ein Brezelstück oder Sandwichkrümel vom Boden picken zu können: Tauben gehören zum Wiesbadener Stadtbild dazu. Doch weil sie jede Menge Dreck verursachen und als mögliche Überträger von Krankheiten gelten, sind sie vielen Anwohnern und Spaziergängern ein Dorn im Auge. Deshalb stehen sie in Wiesbaden unter ständiger Beobachtung, denn die Population soll nicht unkontrolliert wachsen.

Hotspots in der ganzen Stadt

In der Innenstadt ist die Population in Grünanlagen wie am Warmen Damm, in den Reisinger-Anlagen oder am Kranzplatz besonders hoch. Aber auch an großen Haltestellen wie am Luisenplatz und am Platz der Deutschen Einheit werden regelmäßig besonders viele Tiere von Mitarbeitern der Stadt gezählt. Am höchsten ist die Zahl der Tiere laut einer Zählung des Ordnungsamts aber am Hauptbahnhof.

Dort gab es bis 2017 noch einen Taubenschlag, den die Deutsche Bahn aber entfernen ließ. Ziel war es, nach dem sogenannten „Augsburger Modell“, die Tiere gezielt in den Schlag zu locken. Dort sollten sie sich einnisten und Eier legen, die dann durch Gipsattrappen ausgetauscht wurden. Die Bahn konnte jedoch keinen Rückgang der Population feststellen, wie ein Sprecher des Bahnhofsmanagements im März vor dem Wiesbadener Ausschuss für Umwelt, Energie und Sauberkeit in einer Sitzung erklärte. Stattdessen habe der Taubenschlag nur für besonders viel Arbeit gesorgt, denn die Einrichtung musste regelmäßig überwacht und gesäubert werden. Zudem waren rund 900 Kilo Futter im Monat nötig, um die Tiere anzulocken und zu versorgen.

Vier Taubenschläge in Wiesbaden

Wie sinnvoll die Einrichtungen in Kombination mit dem in Wiesbaden geltenden Fütterungsverbot sind, hat jedoch der Lockdown während der Corona-Krise gezeigt. Im April bestätigte Ralf Wagner, Geschäftsstellenleiter des Präventionsrates, gegenüber Merkurist, dass die Tauben die Schläge besonders häufig aufgesucht haben, als weniger Fußgänger in der Innenstadt unterwegs waren, und die Tiere somit weniger Nahrung auf den Straßen finden konnten. Dennoch ist die Suche nach einem neuen Standort nicht einfach.

So gibt es derzeit nur noch vier Schläge im Stadtgebiet. Sie befinden sich am Standesamt, im Europaviertel, auf dem Parkhausdach der Mauritiusgalerie und am Kranzplatz. Doch sie bieten für die vielen Tiere nicht genug Futter und Platz. Deshalb ist die Stadt ständig auf der Suche nach zusätzlichen Standorten. Doch viele Besitzer von geeigneten Gebäuden wehren sich gegen einen Taubenschlag, denn sie fürchten Verschmutzungen an ihren Fassaden.

Füttern verboten

So sollen auch künftig nur Spezialisten des Tiermanagements die Tiere füttern dürfen. Sie füttern derzeit gezielt Tauben auf dem Parkhausdach des Einkaufszentrums Lili. So sollen sich die Tiere an den Standort gewöhnen, so dass dort ein neuer Taubenschlag entstehen könnte, der den ehemaligen im Hauptbahnhof ersetzt.

Fußgängern, die die Tiere gezielt mit Nahrung versorgen, droht in Wiesbaden hingegen ein Bußgeld in Höhe von bis zu 5000 Euro. Neben der Fütterung will die Stadt zudem auch die medizinische Versorgung der Tiere bald übernehmen. Geplant ist eine Auffangstation, in der kranken Tiere professionell geholfen werden kann. (ts)

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