Was hinter dem grausamen Link auf Wiesbadens Straßen steckt

Ein Schriftzug taucht seit dem vergangenen Wochenende auf vielen Pflastersteinen in der Innenstadt auf. Auch in anderen Städten verweisen Graffitis seit Samstag auf einen Link, der zu einem grausamen Video führt. Was steckt dahinter?

Was hinter dem grausamen Link auf Wiesbadens Straßen steckt

„This will make you cry“, zu Deutsch, „Das wird dich zum Weinen bringen“. Diesen Schriftzug können die Wiesbadener seit wenigen Tagen an vielen Stellen in der Innenstadt auf dem Boden lesen — nicht als einfachen Satz, sondern verpackt in einen Link.

Wer sein Handy zur Hand nimmt, und der Internetadresse folgt, landet auf einer Homepage mit nur einem einzigen Inhalt: Einem Video, das ursprünglich bei Youtube hochgeladen wurde, von einem Nutzer namens „Dominion“. Dabei warnen die Ersteller der Homepage ausdrücklich davor, dass die Bilder, in dem rund zwei-stündigen Film zu sehen sind, den Zuschauer zum Weinen bringen werden.

Aktion in mehr als 100 Städten

Nicht nur die Wiesbadener sollten mit dem Link auf dem Pflaster in der Kirch- und der Langgasse auf den Film neugierig gemacht werden. Auch in mehr als 100 weiteren Städten in Deutschland, Österreich und der Schweiz sind die Schriftzüge scheinbar über Nacht auf die Straßen, auf belebte Plätze und vor Bahnhöfen gekommen. Das erzählen die Initiatoren, die sich in der Nacht von Samstag auf Sonntag an den vielen Standorten mit Kreidefarbe auf den Weg gemacht haben. Ein Sprecher der Gruppe erklärt dabei, dass es sich um Aktivisten aus ganz Deutschland gehandelt hat.

Sie wollen auf die verlinkte Dokumentation von „Dominion“ aufmerksam machen und die Botschaft hinter dem Film weiter verbreiten. Dabei geht es im Video um die Beziehung zwischen Menschen und Tieren — etwa in der Kosmetik-, Mode- und Fleischindustrie. Gezeigt werden dabei unter anderem Szenen aus von Tieren in engen Käfigen und aus Schlachtbetrieben. Sie wurden zum Teil illegal gefilmt, etwa mit Drohnen, oder versteckten Kameras und stammen aus dem Jahr 2018.

Tierschutzaktion

„Jedes fühlende Lebewesen hat einen moralischen Anspruch auf ein Leben in Freiheit.“ -Initiatoren der Webseite

„Jedes fühlende Lebewesen hat einen moralischen Anspruch auf ein Leben in Freiheit“, fassen die Organisatoren der Kreideaktion ihre Kernbotschaft zusammen. „Dies sollten wir Menschen anerkennen und deshalb nicht bewusst zur unnötigen Gewalt und Ausbeutung von Menschen, Tieren und Umwelt beitragen.“ Dabei hoffen sie, mit dem Film ein stärkeres Bewusstsein für den Umgang mit Tieren zu schaffen und wollen darauf aufmerksam machen, dass die Tierindustrie massiv zu globalen ökologischen Problemen wie der Waldrodung, der Bodendegradation, dem Artensterben, dem Entstehen von Ozean-Todeszonen und dem Klimawandel bei trage.

Außer dem Video gibt es auf der Homepage nur eine Kontaktadresse für Interessierte. Wer das verlinkte Video bei Youtube sehen will, bekommt zunächst einen Warnhinweis angezeigt, weil das Video nicht für Unter-16-Jährige geeignet ist. Auf der Plattform wurde das Video bereits mehr als 250.000 mal angeklickt. (nl)

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