So sah Wiesbaden früher aus

In den letzten Jahren hat sich in Wiesbaden einiges verändert. In Teil 7 unserer Serie zeigen wir euch, wie die Stadt früher aussah.

So sah Wiesbaden früher aus

Auch Wiesbaden hat sich im Laufe der Zeit verändert. Einige Sehenswürdigkeiten sehen heute nicht mehr so aus wie früher. Manche Gebäude gibt es gar nicht mehr. In Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5 und Teil 6 unserer Serie zeigten wir euch unter anderem alte Bilder vom Kurhaus, dem Neroberg, dem Platz der Deutschen Einheit und dem Biebricher Schloss. Heute haben wir Nachschub für euch.

Café Orient

Wer schon in den 60er-Jahren in Wiesbaden gelebt hat, könnte das Café Orient noch kennen. Der Hofkoch Carl Heinrich Alfred Georgi kam 1893 von Berlin nach Wiesbaden und erfüllte sich einen Traum, indem er „Unter den Eichen“ ein Kaffeehaus im maurischen Stil errichten ließ. Geplant wurde das prunkvolle Gebäude vom Wiesbadener Architekten Carl Dormann. An seinen Ecken hatte das Café drei markante Kuppeltürme, die Fassade war mit verschiedenfarbigen Klinkern und blau unterlegten orientalischen Verzierungen geschmückt. Das besondere Café wurde schnell zum beliebten Ausflugsziel der feinen Gesellschaft.

Georgi musste das Café allerdings schon zwei Jahre nach Eröffnung verkaufen. Danach ging das Gebäude durch mehrere Hände, bis es der Hotelfachmann Georges Richefort kaufte und mit seiner Frau Lina zu neuer Blüte brachte. Doch auch Richefort musste 1929 Konkurs anmelden. Den Zweiten Weltkrieg überstand das Café Orient zunächst unbeschädigt, später wurde es aber zur baufälligen Ruine und musste 1964 abgerissen werden. Heute steht an selber Stelle ein siebengeschossiger Wohnblock.

Kronen-Brauerei

Direkt an der Sonnenberger Straße stand vor über 100 Jahren eine der bedeutendsten Brauereien im Rhein-Main-Gebiet. In der Kronen-Brauerei wurde von 1862 bis 1918 Bier gebraut.

In dieser Zeit hatte die Brauerei verschiedene Direktoren und Namen. 1871 war sie als Marix-Brauerei eine der größten Brauereien der Stadt, 1872 wurde sie sogar als bedeutendste Brauerei Südnassaus bezeichnet. Nach vielen Aufs und Abs hatte sie als Kronen-Brauerei ab 1888 ihren letzten bedeutenden wirtschaftlichen Aufschwung. In den Jahren 1906 und 1907 wurden 63.172 Hektoliter Bier abgesetzt. Außer dem Lagerbier hell wurde Kronen-Gold nach Pilsner Brauart und Doppel-Krone nach Münchener Brauart produziert. Auch ein dazugehöriges Restaurant gab es.

Der Krieg brachte allerdings starke Umsatzrückgänge, sodass der Betrieb 1918 eingestellt werden musste. Das Gebäude der Kronen-Brauerei steht aber heute zum Großteil noch immer an der Sonnenberger Straße, kurz vor der Shell-Tankstelle. Damit ist die Kronen-Brauerei die einzige der großen Wiesbadener Brauereien, deren zum Teil unter Denkmalschutz stehende Gebäude im Wesentlichen erhalten geblieben sind.

Hotel Kaiserhof mit Augusta-Victoria-Bad

Früher gab es an der Ecke Frankfurter Straße/Viktoriastraße ein Luxushotel mit Schwimmbad. Das Hotel Kaiserhof und das Augusta-Victoria-Bad wurden im März 1895 feierlich eingeweiht. Das Bad, das nach der Ehefrau von Wilhelm II. benannt wurde, war im Stil der Neorenaissance gebaut, hatte zwei Innenhöfe und drei Kuppeln. Über überdachte und beheizte Gänge hatten die Gäste Zugang zum Hotel. Das Wasser im für die Hotelgäste reservierten Bereich kam aus einer Thermalquelle, der öffentlich zugängliche Teil wurde aus einer städtischen Wasserleitung versorgt.

Im Ersten Weltkrieg wurde der Kaiserhof dann zum Reserve-Lazarett. 1938 zogen die Wehrkreisverwaltung, die Gauverwaltung des Reichsarbeitsdienstes Hessen-Süd und die Dienststellen der „Organisation Todt“ ein. Das Bad wurde zu einer öffentlichen Einrichtung und ging ein Jahr später in den Besitz der Stadt über. Beim Bombenangriff auf Wiesbaden im Februar 1945 wurden Hotel und Hallenbad schließlich zerstört und nicht wieder aufgebaut. Später stand an selber Stelle das American Arms Hotel. Seit seinem Abriss wird dort das Quartier Kaiserhof gebaut, mit sechs Mehrfamilienhäusern und einem Tegut.

Logo