Als die Friedrich-Ebert-Allee überflutet wurde

Wassermassen überfluteten 2009 die Friedrich-Ebert-Allee. Tagelang versuchte die Feuerwehr, das Wasser zu stoppen. In unserer Reihe „Katastrophen, die sich in Wiesbaden ereignet haben“ berichten wir im fünften Teil von diesem Ereignis.

Als die Friedrich-Ebert-Allee überflutet wurde

In einer riesigen Fontäne schossen tausende Liter Wasser in den Himmel, die Straßen waren überflutet — das war das Bild, das sich den Einsatzkräften der Wiesbadener Feuerwehr bei einem Einsatz am 5. November 2009 bot. Bei Erdwärmebohrungen am Hessischen Finanzministerium war versehentlich ein unter Druck stehendes Grundwasser-Vorkommen angebohrt worden. Die Folge: Überschwemmungen, die die Stadt über mehrere Tage in Atem hielten.

Dabei klang alles zuerst nach einem Routineeinsatz. Am Nachmittag wurde die Feuerwehr wegen eines Wasserschadens zu dem Ministerium gerufen. Bei dem Anblick, der sich den Kräften vor Ort bot, wurde jedoch klar: Das wird länger dauern. Und tatsächlich entwickelte sich der Routineeinsatz zu einem Großeinsatz.

Pumpen, Sandsäcke und Beton

Denn die Einsatzkräfte mussten nicht nur versuchen, das Wasser zu stoppen, sondern auch die benachbarten Gebäude vor einem Wasserschaden zu schützen. So arbeiteten die Berufsfeuerwehr, mehrere Freiwillige Feuerwehren, die Werkfeuerwehr von InfraServ, das THW und Geologen gemeinsam daran, das Wasser aufzuhalten. Pumpen und Sandsäcke halfen kurzfristig, doch das entstandene Loch musste gefüllt werden. Bis tief in die Nacht hinein versuchten die Einsatzkräfte unter Beratung von Experten und Geologen, die Bohrung mit Beton zu füllen. Spät in der Nacht fand sich sogar noch eine Firma, die schnellverhärtenden Beton liefern konnte.

Wasser ließ sich nicht eindämmen

Am Freitagmorgen war das Bohrloch dann weitestgehend gestopft, die Gefahr für die umliegenden Gebäude war zunächst beseitigt. Das Wasser suchte sich zwar andere Wege und trat an mehreren Stellen auf dem Parkplatz des Ministeriums aus, die Feuerwehr hatte die Situation aber im Griff. Am Nachmittag dann der nächste Schock: Der Beton wurde wieder nach oben gespült, das Wasser sprudelte wieder aus dem Bohrloch.

Doch auch davon ließen sich die Einsatzkräfte nicht entmutigen. Aus Wiesbaden und ganz Hessen rückten Feuerwehrfahrzeuge mit Sandsäcken an. Aus rund 10.000 Sandsäcken bauten die Einsatzkräfte einen Wall. Dadurch konnte das Wasser in einen stillgelegten Kanal gelenkt werden. Das war wichtig, weil das mit Zement verunreinigte Wasser zu Problemen im Abwassersystem geführt hatte. Die Entsorgungsbetriebe der Stadt arbeiteten parallel daran, die Abwasserkanäle zu reinigen.

Zwei Tage Dauereinsatz, tagelang Aufräumarbeiten

Es dauerte noch weitere Stunden, bis das Bohrloch endlich und endgültig geschlossen war. Erst am Samstagabend, zwei Tage nachdem der Einsatz begann, konnte die Feuerwehr Entwarnung geben. Im Verlauf des Tages war Beton in tiefere Regionen der Bohrung gepresst worden, sodass keine Gefahr mehr bestand. Die Aufräumarbeiten dauerten jedoch noch Tage lang an. (nl/ts)

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