Als sieben Menschen bei einer Explosion in Dotzheim starben

Eine schwere Explosion in einer Dotzheimer Ölmühle zog 1921 Tod und Zerstörung nach sich. In unserer Reihe „Katastrophen, die sich in Wiesbaden ereignet haben“ berichten wir im vierten Teil von diesem Ereignis.

Als sieben Menschen bei einer Explosion in Dotzheim starben

Der 15. November 1921 ist auf tragische Weise in die Geschichte Dotzheims eingegangen. Bei einer Explosion in der „Fauthschen Ölmühle“ am Bahnhof wurden sieben Menschen getötet und mehr als 150 verletzt. In einem Buch des Heimat- und Verschönerungsvereins wird der Vorfall als größtes Fabrikunglück in der Geschichte des Stadtteils beschrieben. Ein Grund, sich auch fast 100 Jahre später noch an eine der schlimmsten Katastrophen, die je in Wiesbaden passiert sind, zu erinnern.

Sieben Arbeiter tot geborgen

Auslöser des Unglücks im November 1921 war ein explodierender Benzintank in der Ölmühle. Die Mühle, die erst 1909 von Ölmüller Philipp Lorenz Fauth eröffnet wurde, stürzte dadurch in sich zusammen und begrub viele der rund 100 Arbeiter unter sich. Dotzheimer und Wiesbadener Feuerwehrleute löschten gemeinsam mit französischen Besatzungssoldaten die Flammen und suchten nach den Opfern. Sieben von ihnen konnten nur noch tot geborgen werden.

Unter den Toten waren fünf Arbeiter aus Dotzheim. Christian Buch, Werkführer Leopold Scheurich, die Brüder Wilhelm und Adolf Bausch und August Krieger überlebten das Unglück nicht. Für sie organisierte die Gemeinde Dotzheim ein Ehrenbegräbnis auf dem Waldfriedhof. Die Anteilnahme der Dotzheimer war riesig. 5000 Trauernde nahmen an der Gedenkfeier für die Verstorbenen teil.

Viele Verletzte, Mühle zerstört

Die Explosion hatte dafür gesorgt, dass im gesamten Viertel um den Bahnhof keine Scheibe mehr intakt geblieben war. Über 150 Menschen wurden insgesamt durch die Folgen der Explosion und des Einsturzes der Mühle verletzt. Die Mühle selbst wurde zerstört.

Das Ende des Unternehmens markierte die schwere Explosion aber nicht. Kurz nach dem Vorfall kaufte Ölmüller Fauth zusammen mit dem Chemiker Joseph Reichert eine Steinmühle in der Mainzer Straße. Dort machte er eine neue Fabrik auf. Gemeinsam erweiterten die beiden Männer die Produktion und machten aus verschiedenen Bereichen neue Firmen.

Ab 1927 lief das Unternehmen dann allerdings schlechter. Fauth starb 1939 und seine Erben mussten die überschuldeten Betriebe aufgeben. 1954 wurde auch die letzte Firma — die „Speiseöl und Fettfabrik“ — aufgelöst. Weitere Informationen zu dem Betrieb und dem Unglück gibt es im Dotzheimer Heimatmuseum.

In unserer Reihe „Katastrophen, die sich in Wiesbaden ereignet haben“ berichten wir über Fälle wie diesen. Hier findet Ihr Teil 1, Teil 2 und Teil 3 der Reihe. (js)

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