Verbrechen, die Wiesbaden bewegt haben

Es gibt Verbrechen, die die Bevölkerung auch Jahre nach der Tat nicht loslassen. Dazu zählt auch ein skrupelloser Mord in Biebrich sowie brutale Vergewaltigungen, die letztlich durch Zeichentrickfiguren aufgeklärt werden konnten.

Verbrechen, die Wiesbaden bewegt haben

Raubmord in einem Kiosk, ein unerbittlicher Serien-Vergewaltiger und ein Verbrecher, der sich nicht scheute, andere zu töten, um an Geld zu gelangen: Nachdem wir euch zuletzt einige Kriminalfälle vorgestellt hatten, die Wiesbaden erschüttert haben (Teil 1), erinnern wir uns heute an weitere Verbrechen.

Raubmord im Kiosk

Kurz vor Weihnachten 2016 stürmte ein arbeitsloser, alkohol- und drogensüchtiger Mann maskiert und mit einer Waffe in einen Kiosk in Biebrich. Dort schoss er ohne Vorwarnung der 59-jährigen Besitzerin ins Gesicht und verletzte sie dabei tödlich. Der Ehemann der Toten bekam einen Schuss in den Rücken. Und auch auf den Neffen der Kiosk-Besitzer schoss der Täter rücksichtslos. Bei dem Neffen handelte es sich um den Fußball-Profi Marc Wachs, der gerade für den Weihnachtsurlaub nach Wiesbaden gekomen war.

Er bekam einen Schuss in den Hals, konnte sich aber noch mit letzten Kräften durch den Hinterausgang ins Freie flüchten und um Hilfe schreien. Wachs konnte mit einer Not-Operation gerettet werden. Auch der 63-jährige Ehemann der ermordeten Kiosk-Besitzern überlebte, konnte aber aus psychischen Gründen seiner Arbeit im Kiosk nicht mehr nachgehen. Das Motiv des 26-jährigen Täters, der zu einer lebenslangen Haftstrafe wegen Mordes, versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung verurteilt wurde, bleibt bis heute unklar.

Der „Schlümpfe-Vergewaltiger“

In der Nacht zum 10. Juni 1979 verließen drei Freundinnen ein Lokal in der Wiesbadener Innenstadt. Eine von ihnen, Claudia, entschied sich dazu, sich das Geld für ein Taxi zu sparen und stattdessen zu Fuß den Heimweg anzutreten, was schließlich in einer Tragödie endete.

Kurz vor ihrer Haustür am Rande der Innenstadt bedrohte sie ein Mann mit einem Messer. Schließlich gelang es ihm, die 29-Jährige in sein Auto zu zerren. Im Wagen entdeckte Claudia dann zahlreiche Aufkleber, die alle die Schlümpfe zeigten. Der Mann brachte Claudia schließlich in den Wald und misshandelte und vergewaltigte sie dort mehrfach.

Die 29-Jährige versprach dem Mann letztlich, nicht zur Polizei zu gehen, damit er sie gehen lässt. Und sie hatte Erfolg: Der Unbekannte fuhr sie sogar zurück in die Wiesbadener Innenstadt, anstatt sie als gefährliche Zeugin womöglich sogar umzubringen. Auf Umwegen erfuhr die Wiesbadener Kriminalpolizei aber doch von dem Fall und vernahm die 29-Jährige, wobei diese das Detail mit den Schlumpf-Aufklebern erwähnte. Dieser Hinweis war es, der die Ermittler auf eine heiße Spur brachte. Nur wenige Monate zuvor war in Wiesbaden schon einmal ein Sexualstraftäter mit der gleichen Masche aufgefallen. Auch in diesem Fall konnte sich das Opfer an die Schlumpf-Aufkleber erinnern.

1980 kam dann endlich der Durchbruch bei den Ermittlungen. Nach der Präsentation des Falls in der ZDF-Show „Aktenzeichen XY… ungelöst“ konnte sich ein Anrufer an das Fahrzeug mit den auffälligen Schlümpfe-Aufklebern im Innenraum erinnern und auch den entscheidenden Hinweis zum Fahrer liefern.

Der „Fensterbohrer“

Mindestens 500 Einbrüche soll der als „Fensterbohrer“ bekannt gewordene Verbrecher Americo S. zwischen 1999 und 2007 in Deutschland und Österreich begangen haben. Dabei bohrte er Löcher in die Rahmen von Fenstern oder Türen und entriegelte diese dann mit einem Spezialwerkzeug. 2004 erschoss er kaltblütig einen Immobilienmakler, der ihn beim Versuch einzubrechen entdeckt und dann verfolgt hatte.

Bei weiteren Einbrüchen in Wiesbaden feuerte der Verbrecher dann ebenfalls skrupellos auf Hausbewohner. Dabei verfehlte der zu diesem Zeitpunkt etwa 60 Jahre alte Täter die Bewohner um Zentimeter. Schließlich konnte S. 2007 festgenommen werden. Das Landgericht Wiesbaden wertete die Schüsse in zwei Fällen als Mordversuch.

Geld und Gegenstände im Wert von über 400.000 Euro hatte S. mit seinen Einbrüchen erbeutet. Die Ermittler konnten S. letztlich all diese Einbrüche nachweisen, da er an vielen Tatorten Getränkeflaschen oder Zigarettenstummel zurückließ. Somit hatte man die DNA des Einbrechers. Schließlich wurde S. unter anderem wegen Mordes zu lebenslanger Freiheitsstrafe mit anschließender Sicherheitsverwahrung verurteilt.

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