So sah Wiesbaden früher aus

Wiesbaden hat den Krieg zwar unbeschadeter überstanden als andere Städte, trotzdem hat sich in den letzten Jahrzehnten einiges verändert. In Teil 2 unserer Serie zeigen wir euch, wie die Stadt früher aussah.

So sah Wiesbaden früher aus

Auch Wiesbaden hat sich im Laufe der Zeit verändert. Einige Sehenswürdigkeiten sehen heute nicht mehr so aus wie früher. Manche Gebäude gibt es gar nicht mehr. In Teil 1 unserer Reihe zeigten wir euch unter anderem alte Bilder vom Kurhaus, der Nerobergbahn und dem Kranzplatz. Heute haben wir weitere Fotos für euch.

Rathaus

Das heutige Rathaus sieht nicht mehr ganz so aus, wie es ursprünglich gebaut wurde. Entstanden ist es von 1883 bis 1887. Zuvor standen auf der „Insel“ zwischen Marktstraße und Marktkirche neun Gebäude – darunter der „Koppensteinsche Hof". Ihn kaufte die Stadt 1868 von Oberforstrat Dr. Dern, um darin das Rathaus einzurichten. Die übrigen Häuser wurden abgerissen. Beauftragt wurde der durch den Rathausbau in München bekannt gewordene Architekt Professor Dr. Georg Ritter von Hauberisser.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde die kunstvoll im Stil der deutschen Renaissance gestaltete Hauptfassade allerdings weitgehend zerstört und nur vereinfacht wieder aufgebaut. Während des Wiederaufbaus wurden historische Teile, wie die gewölbte Eingangshalle, das Treppenhaus und der breite Flur des ersten Obergeschosses, beibehalten.

Alte Synagoge

Am Michelsberg stand früher eine Synagoge. Am 10. November 1938 wurde das prachtvolle Gebäude jedoch während der Reichspogromnacht in Brand gesetzt und dadurch zerstört. Die verbliebenen Außenmauern wurden 1939 abgebrochen. Der Sockel bliebt zunächst erhalten und wurde während des Kriegs als Löschwasserreservoir und später als Parkplatz für Mitarbeiter der Stadt genutzt. Beim Ausbau der Coulinstraße wurde in den 1950er Jahren schließlich auch der Sockel und damit das letzte verbliebene Fragment der Alten Synagoge abgerissen.

1969 wurde der ehemalige Standort mit einer Hochstraße aus Beton überbaut, die 2001 wieder abgerissen wurde. Anschließend wurde die Lage der Grundmauern im Straßenbelag der Coulinstraße farblich markiert – seitdem fahren die Autos sozusagen durch den Gebetssaal. Seit dem 27. Januar 2011 erinnert die Stätte „Namentliche Gedenken“ an die Wiesbadener Juden, die während des Nationalsozialismus ermordet wurden.

Biebricher Rheinufer

Auch das Biebricher Rheinufer hat sich stark verändert, wie dieser Stahlstich von 1850 zeigt:

Autos sind damals natürlich noch nicht am Rhein entlang gefahren und auch Häuser gab es noch nicht so viele wie heute. Als in den 1960er und 1970er Jahren viele Menschen nach Wiesbaden zogen, wurden auch neue Großsiedlungen gebaut. Die erste war die Plattenbausiedlung „Parkfeld“ westlich des Biebricher Schlossparks, die von Ernst May geplant wurde. Daraufhin wurde er zum Planungsbeauftragten der Stadt Wiesbaden ernannt. Nach dem Vorbild des Parkfelds plante er auch die Siedlungen in Klarenthal und am Schelmengraben.

Platz der Deutschen Einheit

1816 bis 1819 wurde auf dem heutigen Platz der Deutschen Einheit die Herzoglich Nassauische Infanteriekaserne gebaut. Das Gebäude lag mit seiner Mittelachse auf der Friedrichstraße. Das Gelände wurde mit der Zeit um weitere Gebäude erweitert. So reichte die Kaserne südlich bis zur Dotzheimer Straße, westlich über die Höhe der Helenenstraße hinaus. Nördlich endete sie an der Bleichstraße.

Kurz vor dem ersten Weltkrieg kaufte die Stadt die Kaserne und riss die meisten Bauten ab. Es entstand der heutige „Platz der Deutschen Einheit“ und die Elly-Heuss-Schule, die früher „Höhere Mädchenschule I“ hieß. Bis in die 1960er Jahre blieb von der Kaserne noch der „Rote Bau“ erhalten, in dem in der Nachkriegszeit eine Volksküche eingerichtet worden war. Heute hat der Platz die Funktion einer zentralen Bushaltestelle in der Innenstadt. In den letzten Jahren wurde er weiter ausgebaut und aufgewertet.

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