„Schwärzester Tag der Feuerwehr“: Linde- Brandkatastrophe forderte drei Tote

Bei einem Großbrand im Linde-Werk starben 1971 drei Feuerwehrmänner. In unserer Reihe „Katastrophen, die sich in Wiesbaden ereignet haben“ berichten wir von solchen und ähnlichen Ereignissen.

„Schwärzester Tag der Feuerwehr“: Linde- Brandkatastrophe forderte drei Tote

Es ist ein Vorfall, der sich zu einer der größten Brandkatastrophen der Nachkriegszeit entwickelte: Am 23. Januar 1971 brach ein Feuer im ehemaligen Linde-Kältetechnikwerk in Kostheim aus, das Teile des Gebäudes zum Einstürzen brachte. Drei Feuerwehrmänner kamen dabei ums Leben, sechs weitere wurden verletzt. In Teil 2 unserer Reihe „Katastrophen, die sich in Wiesbaden ereignet haben“ erfahrt Ihr mehr über den Großbrand.

Großeinsatz auf dem Linde-Werk

Es war 22:10 Uhr als der Nachtwächter des Linde-Werks das Feuer meldete. Schon als die Wiesbadener Berufsfeuerwehr und die Freiwillige Feuerwehr Kostheim am Werk ankamen, war die Lagerhalle stark verraucht. Die gesamte Nacht hindurch kämpften Feuerwehrleute aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet gegen die Flammen. Erst um 5:52 Uhr kam die erleichternde Nachricht: Das Feuer war unter Kontrolle, die ersten Fahrzeuge konnten wieder abziehen. Doch der Einsatz war längst nicht vorbei und sollte noch ein tragisches Ende nehmen.

Die Lagerhalle war durch das Feuer und die Löscharbeiten extrem einsturzgefährdet. Trupps der Berufsfeuerwehr und der Feuerwehr Schierstein gingen aber trotzdem nach der Löschung des Brandes nochmals in die Halle — vermutlich, um die Explosionsgefahr, die von einem Gaslager ausging, einzudämmen.

Feuerwehrmänner unter Trümmern begraben

Gegen 6 Uhr, wenige Minuten nachdem der Brand unter Kontrolle war, stürzte plötzlich ein Teil des zweigeschossigen Gebäudes ein. Vermutlich wegen der erhitzten Eisenträger und falsch angebrachter Dehnungsfugen. Drei Feuerwehrmänner der Berufsfeuerwehr und drei Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr wurden unter den Trümmern begraben, drei von ihnen kamen dabei ums Leben. Darunter der 53-jährige technische Brandamtmann Kurt Windrich, der erst Tage später geborgen werden konnte, der 27 Jahre alte Oberfeuerwehrmann Albert Scheurich und der 18-jährige Feuerwehrmann Karl-Heinz Bremser, der zum ersten Mal im Einsatz war. Sechs weitere Feuerwehrleute wurden bei dem Einsturz verletzt und sofort in ein Krankenhaus gebracht. Bei den Wiederaufbauarbeiten auf dem Gelände kam im August 1971 außerdem der Stahlbauer Jovan Bulev ums Leben.

„Schwärzester Tag in der Geschichte der Wiesbadener Feuerwehr“

Auch am Tag nach dem Brand keimten immer wieder Glutnester auf, erst am Mittag war das Feuer gelöscht. Doch auch das war nicht das endgültige Ende des Großbrands auf dem heute stillgelegten Werk. Starke Winde sorgten zwei Tage später für ein erneutes Feuer in einem Lagerhaus, in dem 25.000 Liter Nitroverdünnung — ein Verdünnungsmittel für Lack — und 80.000 Liter Benzin gelagert waren. Erst am 5. Februar war das Feuer vollständig gelöscht und die Brandkatastrophe in Kostheim fand ihr Ende. 40 Jahre später erinnerten der Kostheimer Heimatverein und die Freiwillige Feuerwehr mit einer Dokumentation und Zeitzeugen-Berichten an den “schwärzesten Tag in der Geschichte der Wiesbadener Feuerwehr”.

Teil 1 unserer Reihe „Katastrophen, die sich in Wiesbaden ereignet haben“ findet Ihr hier.

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