So sah das Leben in Wiesbaden vor 100 Jahren aus

100 Jahre liegen die 1920er Jahre mittlerweile zurück. Wie sah Wiesbaden damals aus, wie lebten die Menschen? Merkurist hat Bilder und Geschichten gesammelt. Heute: Teil 1.

So sah das Leben in Wiesbaden vor 100 Jahren aus

Goldenes Zeitalter, Inflation, Aufstieg des Faschismus: Die 1920er Jahre gelten als ein turbulentes Zeitalter in der deutschen Geschichte. Auch für Wiesbaden war die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg sehr wechselhaft. Wir stellen Euch in einer Reihe vor, wie sich Wiesbaden von der einstigen Lieblingsstadt des Kaisers zu einer modernen Großstadt entwickelte. In Teil eins seht ihr, wie der Alltag der Wiesbadener vor 100 Jahren aussah.

Nachkriegszeit

Als im November 1918 der Krieg nach über vier Jahren zu Ende war, kehrte an der „Heimatfront“ im Deutschen Reich eher kein Frieden ein. Auch wenn in Wiesbaden nicht gekämpft wurde, war die Bevölkerung erschöpft und die Ernährung war nur ungenügend gesichert. Auch wegen der harten Vorgaben der Besatzungsmächte war es für die Stadt schwer, eine Grundversorgung für die Menschen herzustellen. Dazu mussten die heimgekehrten Soldaten wieder in die Gesellschaft integriert und ihnen ein Dach über dem Kopf organisiert werden. Da die Alliierten durch Blockaden die Lebensmittelversorgung der Stadt unterbunden hatten, gab es viele Todesfälle in der Stadt. Die Wiesbadener versuchten sich selbst zu versorgen und pflanzten mitten in der Stadt, zum Beispiel vor dem Museum, Gemüse an.

Modernisierung

Während zu Beginn der 1920er Jahre noch Pferde das Stadtbild Wiesbadens dominierten, kamen in den Folgejahren immer mehr Autos nach Wiesbaden. Deutschlandweit erhöhte sich die Zahl der Autos und Lkw zwischen 1922 und 1928 von 125.000 auf 470.000. Und auch im öffentlichen Verkehr wandelte sich das Bild der Stadt. Die Straßenbahn, noch vor dem Krieg wichtigstes Verkehrsmittel, wurde nach und nach zurückgebaut. Weil die Verkehrsgesellschaft nicht in die nötigen Modernisierungen für die Züge investieren wollte, setzte man immer mehr auf Busse. Viele Gleise mussten für die neuen Autos dem Asphalt weichen.

Freizeit

Der Erste Weltkrieg traf auch die Freizeitwelt der Wiesbadener. So waren etwa viele wichtige Mitglieder der Gibber Kerb im Krieg gefallen. Während 1920 nur ein kleiner Festzug organisiert werden konnte, wuchs das Biebricher Volksfest in den folgenden Jahren immer mehr. Dank der besseren wirtschaftlichen Lage konnte das Fest immer mehr Attraktionen wie etwa 1928 ein Feuerwerk bieten und zog Besucher aus ganz Wiesbaden an. Auch gründeten sich viele neue Sportvereine in den 1920er Jahren in Wiesbaden, wie etwa der Kanu-Club oder der Judo-Verein.

Im nächsten Teil lest Ihr, wie die englische Besatzung Wiesbaden in den 1920er Jahren prägte. (df)

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