OB Gerich sichert WJW Unterstützung bei Tarifanpassung zu

Die Beschäftigten der Jugendwerkstatt fordern eine Anpassung ihres Lohnes an den aktuellen Tarifvertrag. Der Oberbürgermeister zeigt sich offen dafür und versucht Mehrheiten zu finden. Gerade nach den letzten Monaten ist das ein wichtiges Zeichen.

OB Gerich sichert WJW Unterstützung bei Tarifanpassung zu

Nur acht Kilometer von der Wiesbadener Innenstadt entfernt, liegt die Domäne Mechthildshausen. Ein idyllisches Plätzchen, das für die Beschäftigten der Wiesbadener Jugendwerkstatt (WJW) Arbeits- und Lebensraum zugleich war. Doch in den vergangenen Monaten stand das Ausbildungs- und Naherholungszentrum vermehrt in der Kritik. Sowohl die finanzielle Lage der WJW verschlechterte sich, auch die Mitarbeiteter stellten Forderungen, da sie seit 20 Jahren keine Lohnanpassung bekommen hatten. Nun setzt sich Oberbürgermeister Sven Gerich für die Beschäftigten ein und fordert eine Anpassung an den Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes (TVöD).

Greiner sieht Fehler im Management

„Dass die WJW derzeit ein Sanierungsfall ist, liegt nicht am fehlenden Engagement ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sondern ist ausschließlich auf Managementfehler der Vergangenheit zurückzuführen.“ - Oberbürgermeister Sven Gerich

„Dass die WJW derzeit ein Sanierungsfall ist, liegt nicht am fehlenden Engagement ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sondern ist ausschließlich auf Managementfehler der Vergangenheit zurückzuführen“, sagt der SPD-Politiker. Für ihn sei es daher nicht nachvollziehbar, dass die Gehälter der Mitarbeiter zum Teil seit 1998 nicht mehr erhöht wurden. „Obwohl im selben Zeitraum die Lebenshaltungskosten um mehr 31 Prozent gestiegen sind“, wie Gerich zu Bedenken gibt.

Erst am vergangenen Donnerstag übergab der Betriebsrat der WJW eine Petition an den Oberbürgermeister. In dieser fordern die über 200 Beschäftigte eine Übernahme des öffentlichen Tarifvertrages auch für die WJW. Das könnte die Möglichkeit sein, die Gehälter der Mitarbeiter anzupassen, wie das bei weiteren städtischen Gesellschaften ebenfalls schon der Fall ist.

„Die Sanierung der WJW darf nicht auf dem Rücken der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausgetragen werden.“ - Oberbürgermeister Sven Gerich

„Die Sanierung der WJW darf nicht auf dem Rücken der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausgetragen werden“, so Gerich. „Wie aus gutem Grund im Beteiligungskodex der Landeshauptstadt vorgesehen, muss die WJW daher so bald wie möglich Mitglied im kommunalen Arbeitgeberverband werden.“ Billiglohngesellschaften dürfe es laut Gerich in Wiesbaden nicht geben. Denn wer für die Stadt oder ihre Gesellschaft arbeite, habe auch den Anspruch auf einen ordentlichen Tariflohn, fügt das Stadtoberhaupt hinzu.

Unterstützung aus dem Rathaus

„Ein Aufschieben auf den Sankt-Nimmerleinstag ist jedenfalls nicht akzeptabel.“ - Christiane Hinninger, Grünen-Fraktionsvorsitzende

Auch aus dem Rathaus erhält Gerich Unterstützung. Die Fraktionsvorsitzende Christiane Hinninger nimmt dabei vor allem den zuständigen Sozialdezernenten, Christoph Manjura, in die Pflicht, bei der „längst überfälligen Tarifanpassung“ schnellstmöglich aktiv zu werden: „Ein Aufschieben auf den Sankt-Nimmerleinstag ist jedenfalls nicht akzeptabel.“ Gleichzeitig fordert Hinninger aber auch auf den Kern der WJW weiter Wert zu legen: „Es ist wichtig die WJW mit ausreichend Ausbildungsplätzen auszustatten, um ihrer Arbeit nachgehen zu können. Auch wenn es um die Finanzierung der Gesellschaft geht, kommt diesem Punkt erhebliche Bedeutung zu.“

Damit spricht die Fraktionschefin einen entscheidenden Punkt an. Denn neben der Anpassung an vergleichbare Tariflöhne geht es bei der WJW auch um das wirtschaftliche Überleben. Im vergangenen Jahr wurde bekannt, dass die Gesellschaft einen Millionenkredit aufnehmen musste, um überhaupt den Betrieb weiterführen zu können.

„Für jeden Mist ist Geld da in Wiesbaden. Und bei so einem wichtigen Projekt soll's nicht klappen?“ - Anke F., Unterstützerin der Petition

Dieser Umstand rief im Herbst 2017 Unterstützer der Einrichtung auf den Plan, die eine Online-Petition starteten (Merkurist berichtete). Insgesamt 6000 Unterstützer fand das Bestreben. Einige verbanden mit ihrer Unterschrift auch scharfe Kritik am Management und der Stadt. So schrieb Anke F., deren Sohn eine Ausbildung zum Koch in der Domäne Mechthildshausen erlernte: „Wie viele Menschen hier wegen Misswirtschaft in Gefahr sind…unglaublich. Für jeden Mist ist Geld da in Wiesbaden. Und bei so einem wichtigen Projekt soll's nicht klappen?“

Drei kommissarische Geschäftsführer

„Wiesbaden hat sich mit seiner Stadtpolitik immer zu jungen Menschen bekannt. Ich hoffe, das wird auch in Zukunft so sein, selbst wenn ich mal nicht mehr Geschäftsführer bin.“ - Jörg Bourgett, ehemaliger Geschäftsführer der WJW

Aktuell wird die WJW, die eine Tochtergesellschaft der Stadt ist, von drei kommissarischen Geschäftsführern geführt. Sie ersetzen den früheren Geschäftsführer Jörg Bourgett, dem in Folge der aufkommenden Kritik und des Bekanntwerdens des fehlenden Vermögens nur der Rücktritt blieb. Noch im Gespräch mit Merkurist hatte Bourgett vor der Niederlegung seines Postens auch die Stadt um Unterstützung gebeten „Wiesbaden hat sich mit seiner Stadtpolitik immer zu jungen Menschen bekannt. Ich hoffe, das wird auch in Zukunft so sein, selbst wenn ich mal nicht mehr Geschäftsführer bin.“ Dem kommt Oberbürgermeister Gerich nun nach – auch wenn Bourgett schon nicht mehr in Amt und Würden ist.

Eine Institution in der Region

Die WJW wurde 1984 als gemeinnütziger städtischer Betrieb gegründet und soll schwer vermittelbare Jugendliche und Arbeitslose in Ausbildungen, Umschulungen und Arbeitsgelegenheiten für das Erwerbsleben machen. Vom Metzger bis zum Elektroniker bietet die WJW über 30 unterschiedliche Ausbildungsberufe an ihren verschiedenen Standorten. Vor allem der Standort Domäne Mechthildshausen ist über die Grenzen von Wiesbaden für ihre Bio-Produkte bekannt, die sie im Hofladen sowie im eigenen Restaurant und Café anbietet.

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