Die Suche nach Graffiti-Janina

Auf Hauswänden, Mülleimern und Sitzbänken taucht seit einigen Wochen überall in Wiesbaden der Schriftzug „Janina“ auf. Wo sie herkommen, weiß bisher niemand.

Die Suche nach Graffiti-Janina

Seit Anfang Februar prangt ein großer grüner Schriftzug auf dem Fensterrahmen der Aldi-Filiale neben dem Coulin-Haus. Eine richtige Botschaft vermittelt das Graffiti nicht. Stattdessen steht in großen Druckbuchstaben einfach nur der Vorname „Janina“ auf der Wand.

Wirklich ungewöhnlich sind sogenannte „Graffitis-Tags“, also kurze Hinterlassenschaften, die einer Reviermarkierung nahekommen, in Wiesbaden nicht. Auch, dass es sich um einen Namen handelt, ist nichts Ungewöhnliches. Wer selbst nicht so heißt, geht an den Tags meist vorbei und nimmt sie kaum wahr.

In der ganzen Stadt

Ungewöhnlich ist aber, dass die „Janina“-Schriftzüge in Wiesbaden immer mehr werden. Nur wenige Tage nach dem Aldi-Tag tauchte ein zweiter auf: An einer Hauswand zwischen zwei Ladengeschäften in der Kirchgasse. Kurze Zeit später war der Name auf einem Sticker zu lesen, der auf einem Mülleimer in der Marktstraße klebte. Innerhalb von drei Wochen kamen Markierungen auf weiteren Mülleimern, Sitzbänken und auf Schildern hinzu - die meisten in der Innenstadt, aber auch in Sonnenberg an der Bushaltestelle „Steinbruch“ kann man den Namen inzwischen lesen.

Die Schriftart ist nicht immer identisch, die Schnörkel an den Buchstaben unterscheiden sich. Die meisten Buchstaben wirken eckig, oft ist der Name nur in Großbuchstaben geschrieben, manchmal aber auch nicht. Gemeinsam haben die Schriftzüge aber immer, dass sie mit einem dicken Edding aufgetragen wurden.

Und das bedeutet, dass die Hinterlassenschaften als Straftat eingestuft werden, genauer gesagt als „Sachbeschädigung“ zu Lasten der Hausbesitzer, auf deren Fassaden oder Fenster der Name jetzt zu lesen ist. Wenn die Besitzer die Tags melden, landen die Schriftzüge in der Kriminalstatistik. Dort gingen die Fälle zuletzt etwas herunter: 88 Graffitis wurden 2018 polizeilich erfasst, ein Jahr zuvor waren es noch 144. Die Aufklärungsrate lag 2018 bei gerade einmal 11,8 Prozent.

Ob die Beamten herausfinden, wer hinter „Janina“ steckt, bleibt also offen. Bisher ist nicht einmal bekannt, ob alle Namen von der gleichen Person geschrieben wurden oder ob eine Gruppe dahinter steckt. Ebenso ist unklar, ob die Schriftzüge von einem Mann, oder von einer Frau — die vielleicht Janina heißt — stammen.

Doch auch wenn „Janina“ wohl hofft, nicht von der Polizei erwischt zu werden, wir von Merkurist wüssten gerne, was es mit den Namen auf sich hat — vor allem die Autorin dieses Beitrags, die selbst „Janina“ mit Vornamen heißt.

„Janina“, wenn Du das liest, und Lust auf ein Interview hast, dann melde Dich - Deinen echten oder kompletten Namen behalten wir für uns, doch Deine Geschichte würden wir gerne ohne Lücken erzählen können. (ms)

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