Das „Bücherhaus“ auf dem Dern'schen Gelände hat einen ernsten Hintergrund

Auf der Terrasse über dem Stadtmuseum steht seit Kurzem ein Häuschen, das über und über mit Büchern bedeckt ist. Bei jedem Wetter sind sie schutzlos den Elementen ausgesetzt. Dahinter steckt ein Kunstprojekt. Und ein ernstes Thema.

Das „Bücherhaus“ auf dem Dern'schen Gelände hat einen ernsten Hintergrund

Das Häuschen auf der Terrasse über dem Stadtmuseum am Markt ist etwa so groß wie ein mittelgroßes Gartenhaus. Das Besondere daran: Es besteht aus Büchern. Romane, Sachbücher, Bilderbücher, eine bunte Mischung. Schaut man genauer hin, wird schnell klar: Es sind ausschließlich Kinderbücher. Das ungewöhnliche Häuschen ist ein Kunstprojekt, das Aufmerksamkeit für ein schwieriges Thema schaffen soll: Es geht um das Leben von Kindern - und seine Vergänglichkeit.

Eindrücke von Passanten

„Vergänglichkeit als Thema springt einen schon an, aber ich hätte nicht erwartet, dass es um Kinder geht.“ - Ein Besucher aus Südhessen

„Also Vergänglichkeit als Thema springt einen schon an, aber ich hätte nicht erwartet, dass es um Kinder geht“, sagt ein Besucher aus Südhessen. „Ich dachte eher, es geht um den Verfall des Mediums Buch und des Lesens.“ Auch Passantin Natalia Ivanova gibt zu: „Um ehrlich zu sein, ich wäre eher nicht auf das Thema gekommen. Vergänglichkeit ja, aber ich dachte eher an etwas wie Analphabetismus.“

Kinderhospiz Löwenmut

Hinter dem Werk mit dem Titel „@home“ steht die Schweizer Künstlerin Piroska Szönye. In Wiesbaden ist sie als Botschafterin für die „IFB Stiftung“ tätig, die 1959 hier gegründet wurde. Die Stiftung setzt sich für Inklusion ein und begleitet, unterstützt und fördert heute rund 2500 Menschen mit Beeinträchtigung, Kinder und Jugendliche, Senioren und ihre Angehörigen. Darunter sind auch Menschen, die sich in der letzten Phase ihres Lebens befinden . Und um diese, speziell um Kinder, geht es bei „@home“.

Das Kunstwerk soll auf die Stiftung und das von ihr unterhaltene „Kinderhospiz Löwenmut“ in Südafrika aufmerksam machen. Das erfährt man, wenn man näher an das Objekt heran geht. Vor dem Eingang ist eine Infotafel, im Inneren gibt es außerdem ein Info-Plakat, Flyer und ein Banner auf dem Boden.

In dem Hospiz werden todkranke Kinder gepflegt und betreut - man will dafür sorgen, dass die Kinder „auf ihrem letzten Weg noch einmal Freude und Zufriedenheit erleben können“, so das Kinderhospiz auf seiner Website. Dort wird auch erklärt, dass nicht nur die Kinder, sondern auch ihre Familien besonders betreut werden: „Die Eltern bekommen bei uns die Möglichkeit, Kraft zu schöpfen und Zeit für die Geschwisterkinder und sich selbst zu finden. Geschwisterkinder von unheilbar erkrankten Kindern sind sehr häufig besonders belastet.“

„@home“ greift das Thema Kinderhospize symbolisch auf: Es stellt einen „Ort von Geborgenheit, Sicherheit und Schutz“ dar, wie auf der Website der Künstlerin zu lesen ist. Zugleich ist es aber auch „ein Symbol für die Vergänglichkeit, wie das Leben der schwerkranken Kinder“, wie im Inneren des Häuschens zu lesen ist.

Aktion noch bis Weihnachten

„Es sind auch Aktionen um das Kunstwerk geplant - beispielsweise Lesungen für Jung und Alt.“ - Claudia Messer, Pressesprecherin IFB-Stiftung

„Das Kunstwerk wird in jedem Fall bis Weihnachten stehen bleiben. Vielleicht auch länger, das kommt darauf an“, sagt Claudia Messer von der Presseabteilung der „IFB-Stiftung“. Dass die Bücher verwittern, sei zwar vorgesehen. Sollte das Kunstwerk aber allzu sehr in Mitleidenschaft gezogen werden, müsse es irgendwann abgebaut werden.

„Es sind auch Aktionen um das Kunstwerk geplant — beispielsweise Lesungen für Jung und Alt“, so Messer weiter. Genaueres dazu könne man aber noch nicht sagen, voraussichtlich werde die Stiftung die Planung dazu ins Auge fassen, wenn die Ausstellung zum 60-jährigen Jubiläum der Stiftung abgeschlossen ist. Dies Ausstellung mit dem Titel „Gemischte Gefühle“ läuft im Stadtmuseum am Markt noch bis zum 30. September. (ts/ms)

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