Braucht Wiesbaden neue LSBT*IQ-Bars?

In Wiesbaden gibt es nur noch eine explizite LSBT*IQ-Bar. Hat die Nachfrage abgenommen und braucht es solche Lokale nicht mehr? Und warum sind diese für die Community überhaupt wichtig?

Braucht Wiesbaden neue LSBT*IQ-Bars?

LSBT*IQ steht für „Lesbisch, Schwul, Bisexuell, Trans*, Intergeschlechtlich und Queer“. Begriffe, die mittlerweile auch in Wiesbaden zur Normalität gehören. Die Akzeptanz von LSBT*IQ-Menschen ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. Der Christopher Street Day (CSD), die „Ehe für Alle“ und Koordinierungsstellen haben sicherlich ihren Anteil daran. Trotzdem sehen sich diese Menschen noch immer Diskriminierung, Ausgrenzung und Ablehnung ausgesetzt — auch in Wiesbaden.

Um solchen Erlebnissen zu entgehen, entstanden weltweit LSBT*IQ-Bars. Früher und im Volksmund noch „Gay Bars“ oder „Schwulenbars“ genannt, bildeten diese Etablissements Rückzugsräume für LSBT*IQ-Menschen, die dort weder Ausgrenzung noch Diskriminierung ausgesetzt waren und sich dort ohne Angst treffen und feiern konnten.

Nur noch eine LSBT*IQ-Bar in Wiesbaden

Auch in Wiesbaden gab es eine Handvoll solcher Bars. Manuel Wüst, Mitglied im Vorstand von „Warmes Wiesbaden“ fallen gleich drei ein, von denen aber nur eine überleben konnte. „Lange Zeit gab es das ‘Robin Hood’, wo sich heute die ‘Badhaus.Bar’ befindet und zwischenzeitlich den ‘Narrenkäfig’ in der Adolfsallee. Beide haben jedoch inzwischen geschlossen.“ Aktuell gebe es in der Stadt nur noch eine Bar, die sich explizit an die Szene richte, das „Trend“ in der Innenstadt.

„Deutschlandweit hat die Nachfrage abgenommen.“ - Manuel Wüst, Warmes Wiesbaden

Dass das Angebot abgenommen hat, sei kein explizites Wiesbadener Phänomen, denkt Wüst. „Deutschlandweit hat die Nachfrage an Lokalen für ausschließlich queeres Publikum abgenommen“, sagt er. Das liege daran, dass man sich inzwischen digital verabreden kann und in der Öffentlichkeit nicht mehr permanent aufpassen müsse, dass körperliche und verbale Attacken drohen.

Auch heute noch Probleme

„Man wird abgelehnt, beäugt oder im schlimmsten Fall diskriminiert und angegriffen.“ - Manuel Wüst

Überflüssig sei ein solches Angebot aber trotzdem nicht. Auch heute noch gelte die Beziehung zwischen Mann und Frau als normal. „Und so werden Menschen, die diesem Bild nicht entsprechen allzu oft abgelehnt, beäugt oder im schlimmsten Fall diskriminiert und angegriffen“, beklagt Wüst. Diese Szenarien hätten Menschen auch in ihren Köpfen, wenn sie sich outen.

Das Outing meint damit nicht mehr im klassischen Sinne das Offenbaren gegenüber Freunden oder Familie. „Jeder Kuss, jede Unterhaltung stellt für nicht heteronormative Paare ein Outing gegenüber fremden Menschen dar“, sagt Wüst. Dieser Dauerbelastung möchten manche entgehen und ziehen sich entweder komplett zurück oder nutzen Angebote für queere Menschen.

Freundliche Bars

Darüber hinaus gibt es in Wiesbaden aber einige Bars und Lokale, die sich das Label „LSBT*IQ Friedly“ auf die Fahnen geschrieben haben. Solche Lokale könnten die Vielfalt steigern, meint Wüst. „Sie bieten Orte, in denen man darauf hoffen darf, dass bei eventuellen negativen Ereignissen im Sinne der Community gehandelt wird.“ Szene-Bars hingegen seien aber nicht nur für LSBT*IQ-Menschen offen, sondern zeichneten sich durch Toleranz allen gegenüber aus.

„Unter Umständen könnte hier auch ein gastronomisches Angebot das Konzept abrunden.“ - Manuel Wüst

Das Verschwinden solcher Bars stelle in Wiesbaden natürlich ein Problem dar, sagt Wüst. Daher setzen sich Vereine wie „Warmes Wiesbaden“, die AIDS-Hilfe und andere regelmäßig zu einem runden Tisch zusammen. Aktuell arbeite man an dem Konzept für ein queeres Zentrum, dass die Stadt mit kulturellen Angeboten, Freizeitaktivitäten, Rückzugs- sowie Beratungsmöglichkeiten bereichern soll. „Unter Umständen“, so Wüst, „könnte hier auch ein gastronomisches Angebot das Konzept abrunden.“ Auch einen Koordinator, der die Kommunikation zwischen der homo- und transsexuellen Gemeinde in Wiesbaden und dem Rathaus verbessern soll, wurde im vergangenen Jahr eingestellt (wir berichteten). (nl)

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