Wiesbadenerin verwandelt Promis in Torten

Schauspieler, Tiere oder Promis: Meera Jamal ist 2008 aus Pakistan geflüchtet und kreiert seit Ende des vergangenen Jahres in der Schiersteiner Straße aufwendige Skulpturtorten.

Wiesbadenerin verwandelt Promis in Torten

Als Meera Jamal 2008 aus Pakistan nach Deutschland floh, hätte sie nicht gedacht, dass sie sich einmal mit Skulpturtorten und Figuren aus Zucker selbstständig machen würde. Denn eigentlich arbeitete Jamal in ihrem Land als Journalistin, beschäftige sich mit Frauen- und Menschenrechten, wofür sie mehrfach ausgezeichnet wurde. Doch in dem konfliktgeprägten Staat war sie damit in Gefahr.

In Deutschland ging Jamal zunächst weiter ihrer journalistischen Tätigkeit nach, schrieb für die „Emma“, verschiedene Tageszeitungen und arbeitete für den „Hessischen Rundfunk“. Mit der Geburt ihres Sohnes 2012 beschäftigte sie sich dann auch mit dem Backen. Eine Elmo-Torte sollte es für den Geburtstag ihres Sohnes sein.

„Ich konnte aber kein Rezept dafür finden und habe mir stattdessen mehrere Tutorial-Videos im Internet zum Thema Backen angeschaut“, sagt Jamal. Das Ergebnis sorgte aber nicht nur für leuchtende Augen bei ihrem Sohn, sondern brachte ihr auch viel Lob von Freunden ein. So kam es, dass Jamal auch weiterhin kunstvolle Torten produzierte und sie damit etwa zu Geburtstagen von Freunden beisteuerte.

„Da habe ich lieber selbst geübt und mich weiter verbessert.“ - Meera Jamal

Die Journalistin professionalisierte sich daraufhin immer weiter und backte immer mehr. Kurse, um sich weitere Fähigkeiten anzueignen, waren ihr aber zu teuer. „Die gab es ab etwa 400 Euro aufwärts. Da habe ich lieber selbst geübt und mich weiter verbessert“, sagt sie. Sie nahm auch an verschiedenen Wettbewerben teil und räumte Preise ab. Für sie war klar: Das Backen soll zum Beruf werden. Dafür legte sie Ende 2019 eine Prüfung bei der Handwerkskammer ab, stellte einen Businessplan auf und holte sich die Genehmigung für einen eigenen Betrieb ab.

Seit Dezember des vergangenen Jahres ist Jamal dann mit einem eigenen Laden in der Schiersteiner Straße heimisch geworden. In der Hausnummer 15 ist sie seitdem unter dem Namen „The Cake Sculptor“ zu finden. Dort verkauft sie unter anderem Torten, die es so in Deutschland noch nicht zu kaufen gab.

Essbare Kunstwerke

Sie tragen den Namen „Skulptierte Torten“. Motive für Jamals Kreationen können bekannte Schauspieler, Objekte oder Tiere sein. Der Phantasie sind dabei scheinbar keine Grenzen gesetzt. Besonders stolz machte es die Pakistanerin, als Schauspielerin Helena Bonham Carter einmal Bilder einer ihrer Torten retweeted hatte. „Da habe ich die rote Königin aus ‘Alice im Wunderland’ gebacken. Sie ist meine absolute Lieblingsschauspielerin und ich habe natürlich sofort einen Screenshot davon gespeichert“, schwärmt die Bäckerin.

Als potenzielle Kunden für ihre Torten sieht Jamal neben Hochzeitspaaren und Eltern, die große Kindergeburtstage ausrichten, auch Museen, Theater oder andere Institutionen, die thematisch passende Torten zu bestimmten Anlässen brauchen. Für die aufwendigen Skulpturtorten werden dann schon mal bis zu 18 Euro pro Portion fällig. Dafür fließen aber auch mal 15 Stunden Arbeit in eine skulptierte Torte. „Normale“ Torten liegen bei rund fünf Euro pro Portion.

In Zukunft will Jamal neben dem Selberbacken auch die Wiesbadener dazu ermuntern, selbst kreativ zu werden. Dafür sollen regelmäßig Workshops zu verschiedenen Themen rund um das kreative Backen in einem ihrer sieben Räume in der Schiersteiner Straße stattfinden. Die Kurse leitet sie entweder selbst, oder wird von Künstlern aus ganz Deutschland unterstützt. (ms)

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