Nimmt der öffentliche Drogenkonsum in Wiesbaden zu?

Einige Wiesbadener beobachten, dass auf öffentlichen Plätzen mehr harte Drogen konsumiert werden. Auch die Polizei verstärkt die Kontrollen. Die Suchthilfe kann diese Ansicht aber nicht teilen.

Nimmt der öffentliche Drogenkonsum in Wiesbaden zu?

Durch die Corona-Krise verlagert sich das öffentliche Leben auch in Wiesbaden immer mehr in den öffentlichen Raum. Weil viele Freizeiteinrichtungen nur eingeschränkt verfügbar sind, verbringen mehr und mehr Wiesbadener Zeit auf den Plätzen der Stadt. Einigen fällt dabei auf, dass sich dort auch vermehrt Menschen aufhalten, die offen Drogen konsumieren.

Darunter auch Merkurist-Leser Ben. Er hatte in einem Snip angemerkt, dass etwa auf dem Luisenplatz oder in diversen Grünanlagenhäufig Cannabis, aber auch härteren Drogen konsumiert werden. Besonders der Luisenplatz ist in der jüngeren Vergangenheit auch in das Visier der Polizei geraten. Ende Mai führten Beamten dort nach Beschwerden von Bürgern eine großangelegte Kontrolle durch.

Das Ergebnis war dann unterm Strich aber eher dürftig. Von insgesamt 30 kontrollierten Personen trugen laut Polizeibericht lediglich zwei illegale Substanzen bei sich. Mehr „Erfolg“ hatten die Beamten bei gefährlichen, waffenähnlichen Gegenständen, wovon drei Stück einbehalten wurden. Gibt es also wirklich eine Zunahme von öffentlichem Drogenkonsum in Wiesbaden?

Kein Zuwachs

„In Wiesbaden hat es schon immer eine halboffene Drogenszene gegeben“, sagt Marius Jungnickel, Streetworker vom Suchthilfezentrum Wiesbaden. Einen signifikanten Anstieg könne er jedoch nicht feststellen. Vielmehr beobachte er vermehrt Gruppen junger Menschen, die sich in der Stadt treffen. Diese würden aber eher weiche Drogen, also Alkohol und Cannabis konsumieren.

Die Drogenszene in Wiesbaden habe laut Jungnickel aktuell vor allem mit der Corona-Situation zu kämpfen: „Suchtkranke gehören aufgrund ihrer Immunschwäche zur Risikogruppe.“ Auch gebe es für die Süchtigen Versorgungslücken, auch soziale Vereinsamung sei ein großes Thema. Zur Verbesserung der Situation wünscht sich der Sozialarbeiter eine bessere Vernetzung der vorhandenen Maßnahmen sowie mehr Maßnahmen zur Prävention.

Betroffene finden in Wiesbaden an mehreren Stellen Hilfe. Das Suchthilfezentrum berät und begleitet seit 1998 Suchtkranke, Suchtgefährdete und deren Angehörige. Der Caritasverband leitet außerdem eine Fachambulanz für Suchtkranke. Beide Stellen sind sowohl telefonisch als auch per Mail zu erreichen. (ms/ts)

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