Amerikanerin sucht in Mainz nach ihrer Großmutter

Auf der Suche nach den Wurzeln: Wo komme ich eigentlich her? Das fragt sich auch die Amerikanerin Staci. Sie hat Merkurist bei der Suche nach ihrer Großmutter um Hilfe gebeten.

Amerikanerin sucht in Mainz nach ihrer Großmutter

Die Nase vom Vater, die Augenfarbe der Mutter und das Lächeln von der Oma? Wem wir ähneln, können wir an den Menschen in unseren Familien sehen. Doch was ist, wenn man einen Teil dieser Familie gar nicht kennt? Woher weiß man, welche Merkmale man von welchem Familienmitglied geerbt hat? Das fragt sich auch die Amerikanerin Staci. Sie ist auf der Suche nach ihrer Großmutter. Als Anhaltspunkte hat sie nur eine Geburtsurkunde und Briefe, auf denen eine alte Adresse vermerkt ist - diese führt nach Mainz. Staci hat mit uns über ihre Suche gesprochen.

Sehnsucht nach Antworten

Für sie ist die Großmutter nur ein Schatten. Es muss sie gegeben haben, denn sonst wäre ihr Vater ja nicht auf der Welt. Irgendwo in der Nähe von Mainz muss sie gelebt haben. Und irgendwas muss dann passiert sein, denn sonst hätte sie das Kind nicht zur Adoption freigegeben und dafür gesorgt, dass Stacis Vater in einer Familie in den USA aufwuchs. Das sind die Informationen, an die Staci sich klammert. Sie sind wie Strohhalme, viel zu dünn, um daraus das Bild eines Menschen zu gewinnen.

So wie Staci geht es vielen Menschen auf der ganzen Welt. In die Öffentlichkeit gelangen diese Suchen vor allem durch verschiedene TV-Formate, in denen die Moderatoren sich auf die Suche nach den Verwandten der Protagonisten machen - mehr oder weniger erfolgreich. Eins haben sie jedoch alle gemeinsam: Hinter der Suche steht die Sehnsucht danach zu wissen, wo man herkommt.

Mit freundlicher, aber zitternder Stimme meldet Staci sich am Telefon. Aufgeregt erzählt sie von dieser Suche, die sie schon lange beschäftigt. „Ich freue mich so, dass Sie mir dabei helfen“, sagt sie. Vor einem Jahr ist Staci wieder Mutter geworden. „Ich möchte wissen, wo ich herkomme“, sagt sie. In der Schwangerschaft hatte sie mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. „Das hat mir zu denken gegeben, weil ich über die Erkrankungen in der Familie meines Vaters nichts weiß.“

Staci erzählt, dass ihr Vater damals adoptiert wurde. Ihre Großmutter, Irene D., hat ihren Vater im Herbst 1965 in Mainz zur Welt gebracht. Kurz nach der Geburt wurde er von Stacis amerikanischen Gr0ßeltern adoptiert, die zu dieser Zeit in Wiesbaden stationiert waren. Immer wieder bricht ihre Stimme bei der Erzählung, man spürt, wie nah ihr das Thema geht.

Offenes Thema in der Familie

Die Adoption ihres Vaters war in der Familie immer ein offenes Thema. Er selbst hatte jedoch nie das Verlangen danach, seine Mutter zu suchen. Anders seine Ehefrau, Stacis Mutter. Sie hatte schon in den 90er Jahren versucht, mehr über die leibliche Mutter ihres Mannes herauszufinden. Bei ihrer Suche, erzählt Staci, habe ihre Mutter einen deutschen Journalisten aus Mainz kennengelernt. Über Briefe und Telefonate hielt er die Familie mit neuen Informationen über seine Suche auf dem Laufenden – mit Erfolg.

„Sie war sich nicht sicher, ob er tot war. Ich bin selbst Mutter und möchte mir das nicht vorstellen.“ - Staci

„Er hat meine Großmutter gefunden und sich auch in Mainz mit ihr getroffen. Sie sei sehr emotional gewesen, habe geweint und immer wieder gesagt, dass sie dachte, ihr Sohn sei tot“. Was danach mit ihrer Großmutter passiert ist und warum der Journalist keinen näheren Kontakt herstellen konnte, das weiß Staci nicht. Die Worte ihrer Großmutter machen ihr allerdings noch heute zu schaffen: „Sie war sich nicht sicher, ob er tot war. Ich bin selbst Mutter und möchte mir das nicht vorstellen.“ Nach diesen Nachrichten verlor sich der Kontakt zu dem Mainzer Journalisten.

Jetzt, fast 20 Jahre später, möchte Staci mehr herausfinden. Sie recherchierte im Internet, durchsuchte Todesanzeigen und schrieb mögliche Verwandte auf Facebook an. Eine Antwort bekam sie: Ein Mann, von dem sie vermutet, dass er ein Cousin oder Großcousin ihres Vaters sein könnte, meldete sich bei ihr. Doch auch von dieser vermeintlichen Spur wurde sie enttäuscht. „Er war mir gegenüber nicht sehr offen. Er hat uns ein altes Familienfoto geschickt, auf dem wohl meine Ur-Großmutter zu sehen ist. Mehr wollte er nicht sagen.“ Wenn sie von ihrer Recherche berichtet, klingt Staci ganz aufgeregt. Wenn sie dann aber davon erzählt, wie wenig sie bis jetzt herausfinden konnte, stockt ihre Stimme, als wolle sie gleich weinen.

Hoffnung auf einen Sucherfolg

Ihre letzte Hoffnung setzt sie nun in die Merkurist-Redaktion, sagt sie. „Ich bin Ihnen so dankbar!“, wiederholt sie immer wieder. Ob ihre Großmutter noch lebt, ist noch nicht klar. Aber auch das ist Staci bewusst: „Ich möchte nur mehr über meine Familie erfahren. Warum sie ihn weggegeben hat und was wir vielleicht gemeinsam haben.“ Sie hofft, dass noch andere Verwandte in Mainz leben, die sie kennenlernen kann.

„Ich möchte nur mehr über meine Familie erfahren.“ - Staci

Doch die Suche sollte nicht einfach werden: Seit Februar haben wir verschiedene Stellen in Mainz und auch in Wiesbaden angefragt, nach Hinweisen gesucht. Trotz eindeutiger Dokumente, dass Stacis Großmutter in Mainz gelebt haben muss, sind wir mit der Suche nicht weitergekommen. Auch eine alte Adresse aus Hechtsheim, das damals noch nicht eingemeindet war, führte uns nicht weiter. Deshalb setzt Staci ihre Hoffnung nun in die Öffentlichkeit und damit in die Merkurist-Leser.

Euch kommt die Geschichte bekannt vor oder Ihr kennt jemanden, der mit Staci verwandt sein könnte? Meldet Euch gerne bei uns per E-Mail an redaktion-mainz@merkurist.de! (df)

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