Christin Fritzsche sucht ihre Lebensretterin

Vor sieben Jahren hat sie ihr das Leben gerettet, heute will sie sich bei ihr bedanken: Christin Fritzsche sucht ihre Freundin Sonja. Ihr letzter Anhaltspunkt ist in Wiesbaden. Sonja Friess soll 2005 an der Hochschule RheinMain studiert haben.

Christin Fritzsche sucht ihre Lebensretterin

„Sie hat mir das Leben gerettet“, sagt Christin Fritzsche. Sie weiß noch genau, wann sie ihre Freundin zum letzten Mal gesehen hat. „Es war der 13. August 2011, ein Samstag“, erzählt sie. „Ich war schwer magersüchtig und wollte eigentlich nicht, dass sie mich so sieht.“ Doch Sonja Frieß ließ sich nicht abwimmeln und klingelte trotz mehrerer Ausreden an der Wohnungstür ihrer Freundin Christin in Dresden. Dieser Besuch sollte Christins Leben verändern.

Sonja hat in Wiesbaden studiert

Kennengelernt hatten sich die jungen Frauen acht Jahre zuvor in der Sprachwerkstatt in Dresden, wo beide 2003 eine Weiterbildung zur Fremdsprachensekretärin gemacht haben. Während Christin noch mehrere Jahre lang in Dresden blieb, zog es Sonja 2005 nach Wiesbaden, wo sie wahrscheinlich an der Hochschule RheinMain International Business Administration studiert hat. An dem Samstag im August vor sieben Jahren war Sonja eigentlich zu Besuch bei ihrer Mutter in Dresden, wie Christin erzählt. Von ihrem Vorhaben, Christin in ihrer Wohnung zu besuchen, ließ sie sich auch nach einem Telefonat am Vorabend nicht abbringen. Vielleicht, weil sie ahnte, wie es um die Gesundheit ihrer Freundin stand.

„Als sie mich besuchen kam, war ich in einem ganz schlechten Zustand“, erzählt die heute 41-Jährige. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie bei einer Größe von 1,70 Meter nur rund 40 Kilogramm gewogen. Ihre Mutter war zwei Jahre zuvor gestorben, der Vater ihrer beiden Kinder hatte sie betrogen, und mehrere Mietzahlungen standen offen. „Ich konnte nicht mehr“, sagt sie. Ihrer Freundin Sonja wurde das Ausmaß ihrer Krankheit bei ihrem Besuch sofort bewusst: „'Chrissy, du musst auch etwas essen!', hat sie zu mir gesagt, aber ich hatte einfach keinen Appetit.“ Der Abend sollte für Christin in einen langen Krankenhausaufenthalt führen.

„Sie muss die Angst in meinen Augen gesehen haben.“ - Christin Fritzsche

„Ich weiß nur noch, dass ich irgendwann auf die Toilette musste und dann gingen bei mir die Lichter aus“, erzählt sie. Als sie ihre Augen wieder öffnete, sah sie, wie der Notarzt neben ihr am Bett kniete. „Er fragte Sonja, ob er mich zwangseinweisen soll, oder ob sie mich ins Krankenhaus bringt“, sagt sie. „Sonja muss die Angst in meinen Augen gesehen haben, denn sie hat ihm geantwortet, dass wir die Sache in der Familie regeln.“ Wie es dann dazu kam, dass Christins Vater sie abholte und mit zu sich nahm, weiß sie nicht mehr. Gleich am Montag brachte er sie in das Klinikum Dresden. Dort kam die erschreckende Nachricht: „Der Arzt sagte mir, dass es das für mich gewesen wäre, hätte man mich nicht gefunden.“ Sie musste 13 Wochen lang dort bleiben.

Erst seit gut drei Jahren kann sie ihren Zustand als stabil bezeichnen. Nach mehreren Rückfällen ist es immer noch dieser eine Besuch, durch den ihr klar wurde, dass ihre beiden Kinder fast ohne Mutter hätten aufwachsen müssen. „Ich würde mich so gerne persönlich dafür bedanken, dass Sonja gehandelt hat und dafür, dass ich heute hier bin“, sagt sie.

Christin Fritzsche hofft auf Hinweise

Doch die Telefonnummer ihrer Freundin ist nicht mehr aktuell. Sonja ging wieder zurück nach Wiesbaden und Christin selbst zog 2012 nach Hochfranken. Alle Bilder und Erinnerungen sind beim Umzug verloren gegangen. Auch ein Facebook-Suchaufruf hat noch keine Ergebnisse gebracht. Jetzt hat Christin zwei Hoffnungen: Ein Xing-Profil, hinter dem ihre Freundin stecken könnte und die Hilfe der Wiesbadener.

Ihre letzten Anhaltspunkte sind, dass Sonja Frieß um 2005 in Wiesbaden gelebt haben muss, um zu studieren. Ihre Mutter kam ursprünglich aus den Niederlanden und hat 2011 in Dresden gewohnt. Ihr Vater stammte aus Ghana. „Außerdem hat sie mir 2003 einen silbernen BMW mit der grünen Aufschrift ‚Was guckst du?‘ abgekauft, vielleicht erinnert sich ja ein Wiesbadener daran“, sagt Christin hoffnungsvoll. Sie selbst schreibt jetzt ein Buch über ihre Lebensgeschichte. Das erste Kapitel möchte sie ihrer Lebensretterin widmen.

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